Giglach Höhenweg

Giglach Höhenweg. Foto: Veronika Schöll
Giglach Höhenweg. Foto: Veronika Schöll

Anfang September bin ich den Giglach Höhenweg an der Grenze zwischen Steiermark und Salzburg bzw. den Schladminger und Radstädter Tauern gegangen.

Meine Idee, den Besuch bei den Lieblings-Salzburgern mit einer zweitägigen Wanderung in den Schladminger bzw. Radstädter Tauern zu kombinieren, nahm Gestalt an. Da ich die Gegend ganz gut kenne, war die Planung einfach. Ebenso einfach war die Öffi Anreise. Abgerundet mit traumhaftem Wetter!

Wir konnten für diese Tour von München aus, weder heute noch in den nächsten 6 Tagen, eine passende Verbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln finden.

Freitag früh fahre ich mit dem Railjet von Wien nach Leoben. An diesem Wochenende ist Schienenersatzverkehr eingerichtet bis Schladming – eine sehr angenehme Fahrt mit Blick auf viele schöne Berge … Gesäuse, Rottenmanner Tauern, Grimming um nur einige zu nennen.

Am Bahnhof  Schladming steige ich gegen elf Uhr dann direkt in den stündlich fahrenden Wanderbus Richtung Riessachwasserfälle um. An der Hochwurzen Talstation steige ich wieder aus und nehme die Gondel hinauf auf die Hochwurzen.

Tag 1 Am Giglach Höhenweg zur Ignaz Mattis Hütte

Der traumhafte Rückblick auf den  wolkenlosen Dachstein begleitet mich nun noch lange auf dem wunderschön angelegten Giglach Höhenweg.

Mein Tagesziel heute: Die Ignaz Mattis Hütte am Giglachsee.

Dachstein und Hochwurzen. Foto Veronika Schöll
Dachstein und Hochwurzen. Foto Veronika Schöll
Giglach Höhenweg und unten die Ursprungalm. Foto Veronika Schöll
Giglach Höhenweg und unten die Ursprungalm. Foto Veronika Schöll

Ich gehe ständig mehr hinauf als hinunter und verlässt langsam die stark touristisch genutzte Zone.

Trotz des Traumwetters bin ich bald ganz alleine unterwegs, was ich sehr schätze. Allein mit der Natur und mir selbst – die Gedanken fliegen, die Sinne nehmen alles auf, Gerüche, die Beschaffenheit des Bodens und der Vegetation, die dunkelgrünen Felsen, Geräusche, Herbstfarben, Adlerflug, die Leichtigkeit der Luft. Später muss ich mich dann auf den Weg konzentrieren, der aber nie wirklich schwierig ist.

Ich gehe über Hochwurzen, Rossfeld, Gurschen und Schneider, dann verlasse ich kurz den markierten Weg um aufs Hochfeld (der kleine Steig ist klar ersichtlich) zu kommen. Von dort sieht man auch den weiteren Verlauf des Steiges, der sich gewagt über die steilen Hänge des Schiedecks knapp unter dem Gipfel ziemlich hoch hinauf windet. Respekt!

Es hält deshalb mich nicht lange auf dem Hochfeld und ich wandere weiter, weil es so spannend aussieht! Der Steig wird alpiner und ist zeitweise mit einem Drahtseil versichert, aber recht breit und niemals ausgesetzt oder unangenehm.

Am Weg zum Schiedeck. Foto Veronika Schöll
Am Weg zum Schiedeck. Foto Veronika Schöll

Wofür ich mich in den Allerwertesten beißen könnte ist, dass ich den Schiedeckgipfel auslasse und knapp unter dem Gipfel vorbei gehe, weil ich nicht genau abschätzen kann, wie weit es noch bis zu meinem heutigen Etappenziel, der Ignaz Mattis Hütte, ist.

Der Steig geht dann ruhiger weiter, im Angesicht der Kampspitze. Nach einer Biegung erscheint plötzlich der Klammsee, der Brettersee und mehrere kleine namenlose Lacken. Ein Traum! Nach dem Abstieg bleib ich am Seeufer länger sitzen.

Brettersee. Foto Veronika Schöll
Brettersee. Foto Veronika Schöll

Weiter geht es dann auf dem Steig, bis ich den Kessel mit den beiden Giglachseen erreiche und steil nach unten zur Ignaz Mattis Hütte wandere.

Giglachseen und Ignaz Mattis Hütte. Foto Veronika Schöll
Giglachseen und Ignaz Mattis Hütte. Foto Veronika Schöll

Nach circa fünfeinhalb Stunden reiner Gehzeit beziehe ich in der Ignaz Mattis Hütte mein Nachtquartier. Vorher sitze ich auf der Terrasse bis die Sonne weg ist und es richtig kalt wird. Danach füllt sich die gemütliche Hütte sehr rasch bis auf den letzten Platz mit Übernachtungsgästen.

Ulli, Master of Ceremony, oder die gute Seele der Hütte, macht uns mit unseren Schlafplätzen bekannt. Ich habe noch eine Matratze am Juchee im Dachboden, erreichbar über eine Hühnerleiter (der gefährlichste Auf- und Abstieg dieser Wanderung) ergattert. Daher unbedingt vorher reservieren!

Aufstieg ins Lager. Foto Veronika Schöll
Aufstieg ins Lager. Foto Veronika Schöll

Jeder richtet sein Nachtlager ein: Schlafsack, Polsterüberzug, Stirnlampe und Oropax sind ein Muss – letzteres hab ich vergessen, was zu einer schlaflosen Nacht führen wird (Übernachtung im Sägewerk ist auch nicht lauter). Übrigens kann man um vier Euro eine heiße Dusche genießen.

Nach ein paar netten Gesprächen und ein paar Achterl Rotwein im Gastraum gehen dann alle schlafen. Meine Matratze liegt neben dem warmen Kamin – sehr angenehm, denn die Nacht ist kalt, der Sturm pfeift übers Dach und es zieht ordentlich.

Tag 2 Lungauer Kalkspitze

Am nächsten Morgen mag keiner so richtig raus, aber überraschenderweise ist es draußen gar nicht kalt, der Wind ist warm föhnig. Mit halb Graz gehe ich Richtung Ahkarscharte und den beiden Kalkspitzen. Die Geologie der Felsen ändert sich plötzlich, aus sattem Grün und Grau des Schiefers wird kalkiges Weiß mit vielen Dolinen im Boden.

Auf der Ahkarscharte liegen eine Menge Rucksäcke, meiner gesellt sich auch dazu. Auf die steirische Kalkspitze mit steilerem, anspruchsvollerem Anstieg geht man etwa eine halbe Stunde, auf die Lungauer Kalkspitze auf einem einfacheren Steig etwas länger vom Rucksackdepot.

Die lange Schlange an Wanderern und Stau in beiden Richtungen auf der steirischen Kalkspitze lassen mich dann die Lungauer wählen.

Lungauer Kalkspitze. Foto Veronika Schöll
Lungauer Kalkspitze, Foto Veronika Schöll

Der Blick von oben ist gewaltig! Das muss man einfach gesehen haben! 360 Grad Fernblick ohne Wolken!

Gipfelfoto und retour zur Scharte – kleine Pause – Versorgung mit Gummibärlis, Schnitten und Sportgummis durch eine Gruppe lustiger Steirer – überhaupt hab ich auf dieser Wanderung nur bestens gelaunte Leute getroffen. 

Tipp: Vom Giglachsee wäre auch noch der Aufstieg in das alte Schladminger Bergbaugebiet (vor allem Nickel, Silber und Kupfer) rund um die Rotmandlspitze mit den Resten einer Knappensiedlung und einigen sichtbaren Stollen, sowie der Übergang zur Keinprechthütte und Eschenalm sehr reizvoll.

Oberhüttensee

Von der Ahkarscharte wandere ich weiter zum Oberhüttensee.

Der Oberhüttensee ist ebenfalls ein Bergjuwel. Auf der Oberhütte tut sich deshalb auch einiges, liegt die Hütte doch am Stoneman Taurista Biketrail, ist sie fest in MTB Händen. Macht aber gar nix – alles supernette Leute. Die Liebe zur Natur und die Freude an der Bewegung in einer so traumhaften Landschaft verbindet uns alle.

Ich kneippe ein bisschen im eiskalten Wasser des Sees und lege mich dann noch ein Stündchen am Ufer in die Sonne.

Ursprünglicher Plan Obertauern

Mein ursprünglicher Plan: Nach dem Oberhüttensee nach Obertauern zu gehen und mit dem Wanderbus nach Radstadt zu fahren. Von dort kann man mit dem Zug wieder zurück nach Wien reisen – entweder über Bischofshofen oder über Leoben. Die Heimfahrt und die Wanderkarte stellen diese Variante dar.

Kleine Planänderung

Überraschung! Grad als ich mich an einem Mountainbikertisch der Oberhütte niederlasse, erscheinen meine Lieblings-Salzburger auf der Bildfläche – sie sind mir entgegen gewandert, wir essen gemeinsam zu Mittag und steigen dann ins Tal zur Vögeialm, zu ihrem Auto, ab. Das heißt, mein ursprünglicher Plan, nach Obertauern abzusteigen, wird dadurch abgeändert.

Insgesamt war ich heute wieder fünf Stunden zu Fuß unterwegs bis zur Vögeialm.

Abholdienst. Foto Veronika Schöll
Abholdienst. Foto Veronika Schöll

Mein heutiges Ziel ist jedenfalls ein kuscheliges Bett im Urbisgut in Altenmarkt – am Sonntag geht’s noch zur Entspannung über den Almenweg am Schwemmberg und die urige Buchsteinalm zu Fuß zurück nach Radstadt und dann mit Bus und Bahn über Leoben wieder zurück nach Wien.

Tourdaten

Die Route in Zahlen:   2 Tage Wandern   1.400 HM   1.900 HM   26 km   GPX Track

Tipp: Unbedingt Sitzplatz im Railjet reservieren! Die Züge sind vor allem Sonntag nachmittag voll und man darf manchmal ohne Sitzplatz gar nicht mehr zusteigen.

Bonusprogramm

Wenn man von Obertauern noch weiter gehen will, kann man zum Beispiel über den Hirschwandsteig zur Südwienerhütte gehen um dort zu nächtigen, den Spirzinger mitnehmen und über den Bärenstaffel nach Zauchensee wandern (Geübtere auch über die Steinfeldspitze, die mich vor zwei Jahren abgeworfen hat). Tausend Möglichkeiten…. Wanderbusse über Altenmarkt nach Radstadt mit ÖBB Anschluss.

Trashbusters

Am Schluss noch etwas anderes: Wirklich  unangenehm ist mir aufgefallen, dass der Weg im Umkreis der Hochwurzen gesäumt ist von „fallengelassenen“ Papiertaschentüchern.

Ich habe zu diesem Zweck immer 2 kleine Plastiksackerl im Rucksack bzw. Hosensack – eines für die eigenen Papierln und ein zweites für meine Fundstücke. Bei jeder Wanderung hebe ich einige davon auf und nehme sie mit, um sie später zu entsorgen!

Hier eine kleine Aufstellung, wie lange weggeworfenes Zeug braucht um zu verrotten: Saubere Berge

Eine Gruppe, die sich sehr stark für die Reinhaltung unserer Umwelt einsetzt, sind zum Beispiel die Trashbusters mit ihren großartigen Müllsammelaktionen in Wien, Wien-Umgebung – aber auch im alpinen Raum. Sehr inspirierend. Vielen Dank!


Diese Tour kann mit öffentlichen Verkehrsmitteln von Bischofshofen, Bruck an der Mur, Graz, Innsbruck, Leoben, Linz, Mürzzuschlag, Salzburg und St. Pölten erreicht werden.

4 Kommentare

  1. Danke für deine tollen Tipps ! Das klingt nach einem herrlichen Abenteuer ! Ich kenn die IM Hütte seit meinen Kindertagen – ich wollte immer schon mal da übernachten – Der Lärm kam von den schnarchenden Bettnachbarn und nicht von unten 😉 die Giglachseehütte sieht auch sehr einladend aus.
    Und ja – alleine gehen hat seine ganz eigenen Qualität ! Lieben Gruß, Veronika

  2. Traum-Gegend, kenne ich seit fast 60 Jahren! Besonders gut hat mir die Schilderung „alleine unterwegs“ gefallen. Ich gehe auch alleine durch die Berge, man findet sich selbst und kann Kraft für den Alltag tanken!
    Die Ignaz Mattis Hütte kann man auch schneller und bequemer über die Ursprungalm erreichen (Autobus ab Bahnhof Schladming bis vor die Almhütte – nicht ganzjährig!). Ca. 1,5 Stunden Aufstieg auf steiler Almstraße zu den Giglachseen. Man kommt am Ende des Oberen Sees an der Giglachseehütte (nicht ÖAV) vorbei, die auch Nächtigungen anbietet. Nicht viel teurer als in der ÖAV-Hütte, dafür ohne Oropax. Die I.M.Hütte ist eine der ältesten ÖAV-Hütten, ist undicht, Türen schließen nicht mehr so gut und quietschen, Treppen knarren, Isolation (auch Lärmisolation) gibt es nicht. Wer im Matratzenlager liegt, meint in der Wirtsstube zu liegen. Jeder WC-Besuch weckt alle auf. Ulli ist fraglos super, der Zustand der Hütte ist aber Schuld des ÖAV!
    Was ich unbedingt empfehlen möchte (weil’s dazupasst): von den Giglachseen (Stmk) über die Vetternscharte (steil, Grus) zum Bergwerk Zinkwand/Knappenkarsee (Sbg). Man kann den Stollen durch die Zinkwand durchqueren (Landesgrenze im Berginneren!) und kommt oberhalb der Keinprechthütte wieder ans Tageslicht. Taschenlampe und Obacht auf den Kopf vonnöten! Vom Ausgang sind es nur noch 15min auf unmarkiertem Steig auf den Gipfel der Zinkwand (2.442m). Von der Keinprechthütte kommt man durch das Obertal (event. über Duisitzkarsee/-hütte) wieder nach Schladming. Ist eine Variante auf dem WWW 02.
    Berg heil, Veronika, im wahrsten Sinne des Wortes!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.