Skitour auf Kalbenjoch und Kesselspitze

Thomas in Richtung Kalbenjoch unterwegs. Foto Karl Plohovich

Diese herrliche Skitour auf das Kalbenjoch und die Kesselspitze ist Tag 2 der Wipptaler Winterdurchquerung. Du kannst sie aber auch alleinstehend und unabhängig davon machen. Sie ist allerdings mit einer Taxifahrt vom Bahnhof in Matrei zur Ochsenalm, dem Ausgangspunkt der Tour verbunden.

Bitte das Rodel-Taxi vom Bahnhof Matrei am Brenner zur Ochsenalm vorbestellen unter 0664 883 420 55, der Transfer kostet 30 € Infos gibt es dazu auch beim Tourismusverband Wipptal

Als Basislager habe ich das Parkhotel in Matrei am Brenner gewählt. Es liegt gleich gegenüber des Bahnhofs. Deshalb beginnt meine Skitour nach dem Frühstück.

Der Rhythmus hat sich bereits eingespielt: Frühstück mit guten Speisen und Gesprächen. Thomas, der Bergführer des heutigen Tages, setzt sich zu uns. Wir besprechen mit ihm unser Vorhaben: Susanne, Thomas und ich wollen uns „selbständig“ machen und als eigene Gruppe gleich von der Ochsenalm losstarten, um nach dem Kalbenjoch noch die Kesselspitze zu besuchen. 

Unser Taxi ist heute bis auf den letzten Platz besetzt, wenn wir Florians Hündin Emma, die sich über Nicole freut (und umgekehrt, oder?) dazuzählen.

Nicole und Emma. Foto Karl Plohovich
Nicole und Emma. Foto Karl Plohovich

Der Blick nach Maria Waldrast ruft uns gestrige Gaumenfreuden in Erinnerung. Um 9:20 Uhr steigen wir bei der Ochsenalm, 1558m, aus. Georg, der vom Bayrischen Rundfunk mit von der Partie ist und uns begleitet, hat aus „Interview-Gründen“ im Gnadenort Maria Waldrast genächtigt und ist schon da. Eine schöne Möglichkeit: am Vorabend anzureisen, in Maria Waldrast zu nächtigen und dann mit der Tour zu starten.

Bergführer Thomas informiert die Gruppe über unsere Extratour – und wir starten los. 

Im Schatten eisige Kälte. Foto Karl Plohovich
Im Schatten eisige Kälte. Foto Karl Plohovich

Kalbenjoch

Strahlend blauer Himmel, Freude auf das Kommende und eisige Kälte im Schatten des noch jungen Tages. Susanne gibt den Schritt vor. Thomas fragt nach 10 Minuten auf sensible Weise, ob „dieses Tempo eh für die ganze Gruppe passt“. Da ich vergangene Woche schon vier Touren machen konnte, fällt mir das „Ja“ leicht(er).

Es ist immer noch kalt, trotz der raschen Schritte. Die ostseitigen Hänge der Serles – nicht so markant wie die gestrige Nordansicht – gleißen im Sonnenlicht und geben eine perfekte Leinwand ab für Fotos, die an Scherenschnitte erinnern.

Scherenschnitte. Foto Karl Plohovich
Serles und Scherenschnitte. Foto Karl Plohovich

Nicht nur die Lärchen bieten dieses Schauspiel, auch die jugendlich plaudernden Tourenfreaks vor uns.

Für heute hat sich die Sonne noch eine ganz besondere Inszenierung ausgedacht: sie lugt verspielt durch einen Felsspalt im Peilspitze NO-Grat, und zwinkert uns wohlwollend zu.

Sonnenzwinkern, Peilspitze. Foto Karl Plohovich
Sonnenzwinkern, Peilspitze. Foto Karl Plohovich

Höher und höher geht es in der prächtigen Matreier Grube aufwärts. 

Thomas in Richtung Kalbenjoch unterwegs. Foto Karl Plohovich
Thomas in Richtung Kalbenjoch unterwegs. Foto Karl Plohovich

Über flache Böden und eine steile Flanke erreichen wir den sanften Sattel des Kalbenjochs. Hier grüßen u.a. Gschnitzer und Pflerscher Tribulaun. Besonders zweiter ist – jedenfalls in dieser Perspektive – eine überaus charakterstarke Erscheinung.

Gschnitzer und Pferscher Tribulaun. Foto Karl Plohovich
Gschnitzer und Pferscher Tribulaun. Foto Karl Plohovich

Johann Grill, der „Kederbacher“, Erstdurchsteiger der Watzmann Ostwand und erster deutscher Bergführer konnte auch dieser Berggestalt den Nimbus der Unbezwingbarkeit nehmen.

Abfellen – und hinunter vom Joch in die herrlichen Hänge der Falschwernalm: ab die Post!

Nach zügigen 300 Hm: anfellen. Wir folgen der guten Trasse in das mächtige, den Gipfelgrat mit zwei Steilstufen verteidigende Kar. Die Sonne hat nun gänzlich die Regie übernommen und die angenehme Windstille und die gelegentliche Stollenbildung machen den Aufstieg schweißtreibend.

Dennoch: „Bringt ein paar Fotos mit“ – hat uns Bergführer Thomas mit auf den Weg gegeben: gerne, und aus möglichst guter Perspektive. Dafür ist schon mal eine Kniebeuge drin! 

Susanne auf Motivsuche. Foto Karl Plohovich
Susanne auf Motivsuche. Foto Karl Plohovich

Kesselspitze

Die Gratschulter rückt näher. Wir überholen eine Gruppe rastender MitbewerberInnen.

Im oberen Teil des riesigen Kars. Foto Karl Plohovich
Im oberen Teil des riesigen Kars. Foto Karl Plohovich

Auch am Grat sucht Thomas die beste Foto-Perspektive: Mit seiner analogen Kamera wählt er, anders als ich, der ich dann aus der Fülle des Geknipsten schöpfen kann, mit großer Sorgfalt seine Motive aus.

Paparazzo Thomas. Foto Karl Plohovich
Paparazzo Thomas. Foto Karl Plohovich

Der Gipfel ist erreicht. Es ist 12:30 Uhr. 1500 Hm in etwas mehr als drei Stunden, plus 300 Hm Abfahrt. Unsere Aufmerksamkeit wendet sich der Aussicht unter dem nach wie vor wolkenlosen Himmel zu. 

Kesselspitze. Foto Karl Plohovich
Kesselspitze. Foto Karl Plohovich

Natürlich Olperer im Osten und Habicht im SW, und dort: der Langkofel! Auch die Flatschspitze, 2566m, das freitägliche Ziel, würde sich vom Kenner bereits aufspüren lassen. Unzählige Gipfel-Spitzen, zum Benennen oder gar Besteigen für ein Leben zu viele, zum Bewundern aber gerade recht. 

Abfahrt nach Trins

Auch wenn der Schnee nicht ideal ist, erwarten uns erhebende und erhebliche Abfahrtsfreuden.

Einfahrt in den Gipfelhang. Foto Karl Plohovich
Einfahrt in den Gipfelhang. Foto Karl Plohovich

Mit jeder Etappe kommen wir mehrere 100 Hm unserem Ziel, Trins (wo wir morgen starten werden), näher.

Thomas von Protect Our Winter Austria, ein Könner. Foto Karl Plohovich
Thomas von Protect Our Winter Austria, ein Könner. Foto Karl Plohovich

Das letzte Teilstück bietet zur Abwechslung eine Unterbrecherstelle: Die Sonne hat auch das Reisig an der steilen Böschung erwärmt. Es duftet angenehm frühlinglich nach Fichtenharz.

Fichtenharzduft. Foto Karl Plohovich
Fichtenharzduft. Foto Karl Plohovich

Und dann, im Ort Trins angekommen: Einkehr im Café MAX.

Susanne bekommt von Südtirolern (Gröden), die wir am Gipfel getroffen haben, einen Schnaps angeboten. Diese kleine Verzögerung hätte uns fast an den nächsten Bus verwiesen. Dank ihre Sprinter-Qualitäten geht es sich doch noch aus. Wir erreichen am Bahnhof Stainach bequem die S-Bahn.

Mit Bus und Bahn. Foto Karl Plohovich
Mit Bus und Bahn. Foto Karl Plohovich

Als wir in Matrei den Zebrastreifen zum Parkhotel betreten, begrüßt uns schon Florian, um uns in gewohnt umsichtiger Weise den Skikeller zu öffnen. Das Abendessen, heute a la carte, wäre einer extra Beschreibung wert 🙂

Tourdaten

Die Route in Zahlen:   8:00 Std Skitour   1.500 HM   1.800 HM   18 km   GPX Track

Resumee

Bei dieser „aufgemotzten“ Variante des zweiten Tags der Wipptaler Winterdurchquerung kommen auch sportliche Aspiranten voll auf ihre Rechnung.
Die ÖFFI-Verbindung zurück nach Innsbruck, oder für mich zum Parkhotel in Matrei, dessen Alleinstellungsmerkmale nicht nur die hervorragende Küche und die aufmerksame Betreuung, sondern auch die überaus bequeme Bahnhofsnähe sind, lässt sich nicht mehr toppen. 

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