Valentinstags-Skitour

Skitourenspur vor der Berglerhütte auf den Wieselstein. Foto: Karl Plohovich

Die Skitour auf den Wieselstein im Tennengebirge ist mehrfach (als anspruchsvoll, mühsam) beschrieben, z.B. auf Mittlerer Wieselstein, Tennengebirge • Skitour » alpenvereinaktiv.com.

Meine Tourenreportage vom Valentinstag 2022

Am Montag in da Frua
Montier‘ i die Schi
Auf mei‘ Radl und dann begib‘ i mi
In die S3 nach Golling – Abtenau,
Weil so kum i zur Skitour – ohne an Stau!

Noch schnell ein Foto vom Balkon… in einer halben Stunde (8 Uhr) geht die S3 nach Golling-Abtenau…

Tennengebirge mit den Wieselsteinen in der Bildmitte. Foto: Karl Plohovich
Tennengebirge mit den Wieselsteinen in der Bildmitte. Foto: Karl Plohovich

Per Bike zum Struber-Denkmal

Im Zug ist schon ein Rad geparkt. „Wo geht es hin?“ – fragt der junge Mann…
Da sein MTB nicht gerade frisch geputzt ist, bemerke ich, dass das Rad auch schon einiges erlebt hat. „Ja, es war schon in Chile…“ Da kann ich nicht mithalten.

Die Fahrt vom Bahnhof Golling-Abtenau zum Pass Lueg gestaltet sich anspruchsvoll. Ich muss meinen E-Motor auf Turbo schalten. Der Sturm, der vom Pass her bläst, treibt mich mitunter in die Mitte der Fahrbahn; der Radstreifen ist ja noch mit Schnee bedeckt. Gut, dass fast kein Verkehr ist.

Schließlich bin ich beim Struber–Denkmal (ein Schützenhauptmann, der den Pass 1809 gegen die Franzosen verteidigte) und lehne mein Rad in den Windschatten des Felsens.

Aufstieg mit Tourenski

Margit und Christian kommen an. Hinter einem Holzstoß können wir halbwegs sicher die Felle aufziehen und uns noch mit Daunenjacke etc. ausrüsten. Das Brausen zwischen Felsen und Bäumen nimmt sich wie die Start- und Landegeräusche auf einem Flughafen aus.

Zum Glück eine Aufstiegsspur. Foto: Karl Plohovich
Zum Glück eine Aufstiegsspur. Foto: Karl Plohovich

Zum Glück ist durch den dichten Jungwald eine mächtige Trasse angelegt. Wenig später sind wir aus der „Düse“ heraußen und der Wärmehaushalt beginnt sich zu stabilisieren. Auf der Forststraße plaudernd müssen wir unversehens zur Seite springen: Ein schwerer PKW bringt „Mitbewerber“ bis zur Schildkar-Jagdhütte. Danach ist aber Schluss mit der Schneeräumung.

Nach der Schildkarhütte. Foto: Karl Plohovich
Nach der Schildkarhütte. Foto: Karl Plohovich

Das Gelände wird etwas flacher. Sonnenstrahlen erreichen uns und die Spur.

Schließlich geht es gegen Mittag. Nach gut zweieinhalb Stunden erreichen wir die Berglerhütte.

Berglerhütte. Foto: Karl Plohovich
Berglerhütte. Foto: Karl Plohovich

Schlagartig ändert sich das Gelände: statt des Nordhangs liegt die sanft-wellige Hochfläche in strahlendem Weiß vor uns.

Blick von der Berglerhütte zur Ofenrinne. Foto: Karl Plohovich
Blick von der Berglerhütte zur Ofenrinne. Foto: Karl Plohovich

Margit, die diese Route schon mal gegangen ist meint: „Dies ist vielleicht der schönste Blick der ganzen Tour!“

Tirolerkogel über der Ofenrinne. Foto: Karl Plohovich
Tirolerkogel über der Ofenrinne. Foto: Karl Plohovich

Die steile Ofenrinne zieht aus dem Salzachtal herauf. Unter diesen Felsriesen verbirgt sich die Eisriesenwelt, eine der gewaltigsten Attraktionen des Salzburger Landes!

Aber auch der Blick nach Norden, in die ebene, einst vom Salzachgletscher gefüllte, Welt ist fantastisch.

Margit vor dem Untersberg. Foto: Karl Plohovich
Margit vor dem Untersberg. Foto: Karl Plohovich

Es ist schon bald ein Uhr. Bevor wir uns zum „Gipfelsturm“ in das Reich der Wieselsteine (Wie viele Erhebungen gibt es da eigentlich? Nördlicher, mittlerer, südlicher… aber da sind noch andere Erhebungen…) begeben, stärken wir uns ausführlich. Zu unserem Erstaunen und zu unserer Freude ist es windstill. Nur das dumpfe Sturmes-Rauschen aus dem Tal dringt herauf.

Ins Reich der Wieselsteine. Foto: Karl Plohovich
Ins Reich der Wieselsteine. Foto: Karl Plohovich

Gegen halb drei Uhr haben wir über schneegefüllte Mulden, Wechten und abgeblasene Rücken den (die? das?) Wiesei (AV-Karte) 2300m, erreicht. Nicht nur der Wind schweigt – absolute Stille, Blick vom Großen Priel bis zum Großvenediger, sogar die Hochalmspitze lugt hervor…

Gipfelkreuz Wieselstein. Foto: Karl Plohovich
Gipfelkreuz Wieselstein. Foto: Karl Plohovich

In einer Beschreibung stand, dass man vom Hochtörl abfahren kann. In einer anderen hingegen: Abfahrt wie Aufstieg. Wir versuchen die vorhandenen Spuren zu deuten, und entscheiden uns dann für die erste Variante.

Ski Abfahrt

Was uns nun erwartet, konnten wir nicht ahnen!

Hochtörl (1919m) - Einfahrt bei der kleinen Verflachung links des Gipfels. Foto: Karl Plohovich
Hochtörl (1919m) – Einfahrt bei der kleinen Verflachung links des Gipfels. Foto: Karl Plohovich
800 Höhenmeter Pulver warten. Foto: Karl Plohovich
800 Höhenmeter Pulver warten. Foto: Karl Plohovich

Statt des harten Harsches im Gipfelbereich bieten sich uns Hänge mit kompaktem, vom Wind teilweise gepresstem Schnee dar, die je tiefer wir kommen desto mehr pulvrig werden. Unsere Juchetzer hallen von den Felswänden wider, jede/r findet unverspurte Hänge, die sich über gekonnte Unterschriften freuen.

Ein ganz besonderer Slalom. Foto: Karl Plohovich
Ein ganz besonderer Slalom. Foto: Karl Plohovich

Und dazu die Landschaft! Wir fahren zwischen Felsen, die, von Wind und Schnee weich ausgekleidet, zu Skulpturen gestaltet wurden.

Bei etwa 1000 Meter zieht eine Forststraße in das Kar herein. Die Spuren sammeln sich und präparieren die Fahrbahn, die uns in flotten Windungen wieder zum Pass Lueg leiten.

Nach den dankbaren Abschieds-Umarmungen mit Margit und Christian geht es, diesmal vom immer noch starken Wind angenehm getrieben, zum Bahnhof. Es bleibt noch Zeit (17:04 Abfahrt) für ein Foto und für den Versuch, die Route im Gelände zu finden.

Unsere Route hinter den Oberleitungen. Foto: Karl Plohovich
Unsere Route hinter den Oberleitungen. Foto: Karl Plohovich

In der Schnellbahn findet mein Rad einen bequemen Platz.

Auch das Fahrrad bekommt ein gemütliches Plätzchen. Foto: Karl Plohovich
Auch das Fahrrad bekommt ein gemütliches Plätzchen. Foto: Karl Plohovich

Ich freue mich, als der junge Mann mit seinem MTB einsteigt. „Wie war es?“ „Unten Sturm, oben windstill – herrlich!“ – Es war nicht Chile, aber es war die nahe und heute so freundliche Wildnis des Tennengebirges!

Diese Tour lässt sich verkürzen: Man kann das Hochtörl als Gipfel wählen und spart sich 400 Hm, die zwar mit weiter Aussicht danken, für den Abfahrtsgenuss aber außer „Windbäckerei“ und abgewehter Rücken wenig bringen.  Zeitersparnis ca. 2 Stunden.
Wer dem steilen Aufstieg entlang der Markierung bis zur Schildkar-Jagdhütte entgehen will, kann auch die Forststraße wählen.

Unser Zeit-Bedarf, incl. Rasten: knapp 8 Stunden.

Tourdaten

Die Route in Zahlen:   8:00 Std Skitour   1.800 HM   1.800 HM   25 km   GPX Track

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