Freihut

Ganz kurzer Einsatz aller unserer Gliedmaßen zur Bewältigung der letzten steilen Höhenmeter. Foto: Protect Our Winters Austria

Aus St. Sigmund im Sellrain startet diese Überschreitung mit Endpunkt weit hinten im davon östlich gelegenen Seitental, dem Lüsenstal. Bevor man sich beim Gasthof Praxmar genüsslich die Wartezeit auf den Bus vertreiben kann, wartet ein Aufstieg über Forstwege, saftige Wiesen und – in den steileren Passagen – einige Steinblöcke. Kurz vor dem Gipfel liegt eine ebene Weidefläche, an deren Rand sich der Freihut aufbuckelt. Der Abstieg nach Praxmar ist leicht und bei Schönwetter sehr aussichtsreich!

Mit dem Bus 4166 nach Kühtai bzw. teilweise nur bis St. Sigmund gelangt man vormittags etwa im Stundentakt, nachmittags etwas unregelmäßiger, vom Hauptbahnhof Innsbruck in nur 50 Minuten zum Ausgangspunkt der Überschreitung St. Sigmund im Sellrain Gleirschtal. Ausgewählte Busse machen am Weg hinauf einen Abstecher in ein Seitental des Sellraintales. In diesem Talschluss liegt der Gasthof Praxmar, der das Ziel unserer heutigen Tour darstellt. Man ist mit etwas Glück also schon am Ziel, bevor die Tour überhaupt startet!

Aufstieg

Von der Haltestelle kurz weiter bergauf, in der Kurve ist linkerhand ein großer Parkplatz, bei dem auch der Forstweg in das Gleirschtal startet. Diesem folgen wir ein gutes Stück. Einmal überqueren wir den Gleirschbach, dann wird die Straße etwas steiler und macht eine Kurve. Wenn sich der Wald lichtet, kommt bald auf der linken Seite eine Straßenlaterne mit Wegweiser. Darauf lesen wir nur “Freihut”, was uns freut, denn diesen Gipfel steuern wir an! Also biegen wir links ab und gehen über eine heute recht nasse Wiese bergauf.

Nur wenige Schritte von der Haltestelle entfernt liegt der Parkplatz am Eingang zum Gleirschtal, Toilettenkabinen inklusive. Foto: Protect Our Winters Austria
Nur wenige Schritte von der Haltestelle entfernt liegt der Parkplatz am Eingang zum Gleirschtal, Toilettenkabinen inklusive. Foto: Protect Our Winters Austria
Warum hier Straßenlaternen stehen ist uns ein Rätsel, vielleicht wird die Straße im Winter zu einer Rodelbahn? Über den Wegweise freuen wir uns jedenfalls, über den Nebel weniger. Foto: Protect Our Winters Austria
Warum hier Straßenlaternen stehen ist uns ein Rätsel, vielleicht wird die Straße im Winter zu einer Rodelbahn? Über den Wegweise freuen wir uns jedenfalls, über den Nebel weniger. Foto: Protect Our Winters Austria

Vereinzelt beginnen dann Bäume zu wachsen, alles in allem haben wir den dichten Wald aber schon bei der Forststraße hinter uns gelassen und wir bewegen uns auf einer Weidefläche. Auf einer eher steilen Weidefläche, stetig geht’s bergauf. Das bringt uns ins Schwitzen, glücklicherweise, denn im Tal dachten wir, dass wir etwas zu leicht angezogen sind für dieses Wetter. Im Bus hatten die meisten doppelt so viel Stoff am Körper wie wir.

Endlich beginnt der Schweiß zu strömen, uns wird warm. Foto: Protect Our Winters Austria
Endlich beginnt der Schweiß zu strömen, uns wird warm. Foto: Protect Our Winters Austria

Irgendwann hört das Weidegebiet auf. Die Querungsstelle des Zaunes mussten wir bei der schlechten Sicht  kurz suchen, denn es ist lediglich das Stromband von Hüft auf Bodenhöhe verlegt. Am Weg ändert sich nach wie vor nichts, Höhenmeter gewinnt man in einem guten Tempo. Dafür erhaschen wir mittlerweile auch einen Blick tiefer ins Gleirschtal hinein, wo einige 3000er ihre schroffen Rücken und Gipfel präsentieren.

Die extremen Regenfälle dieses Sommers haben in weiten Teilen des Landes ihre Spuren hinterlassen. Entlang unseres Weges zum Glück nur kleinräumig. Die Wegfindung wird durch ausgespülte Gerinne aber nicht einfacher. Foto: Protect Our Winters Austria
Die extremen Regenfälle dieses Sommers haben in weiten Teilen des Landes ihre Spuren hinterlassen. Entlang unseres Weges zum Glück nur kleinräumig. Die Wegfindung wird durch ausgespülte Gerinne aber nicht einfacher. Foto: Protect Our Winters Austria
Heute erblicken wir wegen des schlechten Wetters nur einen kleinen Teil der höheren Gebirgsteile im Sellrain und den Stubaier Alpen. Hinter den Wolken verbirgt sich so manch alpine Schönheit. Foto: Protect Our Winters Austria
Heute erblicken wir wegen des schlechten Wetters nur einen kleinen Teil der höheren Gebirgsteile im Sellrain und den Stubaier Alpen. Hinter den Wolken verbirgt sich so manch alpine Schönheit. Foto: Protect Our Winters Austria
Ein mit Stahlseilen versicherter Jagdstand. Ob die dem Schutz gegen Lawinen oder gegen Wind dienen? Foto: Protect Our Winters Austria
Ein mit Stahlseilen versicherter Jagdstand. Ob die dem Schutz gegen Lawinen oder gegen Wind dienen? Foto: Protect Our Winters Austria

Der Weg führt noch an einem Jagdstand vorbei, bevor man weiter zum Nordwestrücken des Freihuts hinauszieht. Dort beginnen dann Steinblöcke am Weg zu liegen, außerdem wird es etwas flacher. Die Abwechslung tut gut, auch als es kurz vor Erreichen des Vorgipfels “Kleiner Freihut” nochmals steiler wird, freuen wir uns, nicht mehr nur auf nassen Wiesenwegen unterwegs zu sein. Und dann haben wir den Grat erreicht. Beim Anblick der ersten kleinen Erhebung am Grat denken wir, dass das schon unser Zwischenziel ist, doch das versteckt sich in den Wolken dahinter. Zwischen Kleinem Freihut und Freihut liegt noch eine wunderschöne, flache Wiese. Dort finden wir eine große Schafherde und erkennen vom Gipfel aus in der Vogelperspektive einige gelegte Steinfiguren! Sonst sehen wir nicht viel, nur einmal ganz kurz bis zum Stadtgebiet Innsbruck, vermuten wir zumindest!

Unser erster Steinblock-Kontakt, wir ziehen hin zum Nordwestrücken. Foto: Protect Our Winters Austria
Unser erster Steinblock-Kontakt, wir ziehen hin zum Nordwestrücken. Foto: Protect Our Winters Austria
Ganz kurzer Einsatz aller unserer Gliedmaßen zur Bewältigung der letzten steilen Höhenmeter. Foto: Protect Our Winters Austria
Ganz kurzer Einsatz aller unserer Gliedmaßen zur Bewältigung der letzten steilen Höhenmeter. Foto: Protect Our Winters Austria
”Captain, Ziel in Sicht!” Denkst du… Der kleine Freihut täuscht uns mit seinem Scheibensignal, das wir für ein Gipfelkreuz halten. Foto: Protect Our Winters Austria
”Captain, Ziel in Sicht!” Denkst du… Der kleine Freihut täuscht uns mit seinem Scheibensignal, das wir für ein Gipfelkreuz halten. Foto: Protect Our Winters Austria
Ein Buckel am Rand einer ebenen Grasfläche. Trotz diesem unspektakulären Auftreten bietet der Freihut bei Schönwetter tolle Aussicht in alle Himmelsrichtungen. Foto: Protect Our Winters Austria
Ein Buckel am Rand einer ebenen Grasfläche. Trotz diesem unspektakulären Auftreten bietet der Freihut bei Schönwetter tolle Aussicht in alle Himmelsrichtungen. Foto: Protect Our Winters Austria

Abstieg

Eigentlich ist der Gipfel nur ein Mini-Abstecher auf der Überschreitung. Lässt man ihn weg, geht man einfach geradewegs daran vorbei, denn der Abstieg ins Lüsenstal verläuft einfach in der Flucht des Aufstiegs weiter. Und wieder einmal: durch nasse Wiesen. Eine Zeit lang quert man den Hang, bis sich ein breiter Kessel auftut. Hier steigt man ab, dabei ist Vorsicht geboten, den Weg nicht zu weit zu verlassen. Das Gras ist lang und die Markierungen nicht allzu deutlich. Immerhin gibt es keine anderen Wege, also ist jede Markierung auch eine richtige!

Zügig und gesprächig geht es abwärts voran, meist über Graswege. Foto: Protect Our Winters Austria
Zügig und gesprächig geht es abwärts voran, meist über Graswege. Foto: Protect Our Winters Austria

Bevor es wieder steiler werden würde, zieht der Weg weiter Richtung Süden den Hang entlang. Das geht dann ein gutes Stück lang so, bis man den Gasthof Praxmar schon sehen kann. Bald erreicht man wieder einen Weidezaun, wo auch eine Kreuzung ist. Hier folgen wir dem Weg geradeaus bergab, auch wenn dieser dem Anschein nach nicht zu unserem Ziel führt. Weiter unten zieht er aber schön flach hinaus. Und als wir dann angekommen sind, uns unterdach zur Jause hingesetzt haben, um auf den Bus zu warten, kam uns die nasse Wiese gar nicht mehr so schlimm vor. Denn in dem Moment hat es zu regnen begonnen, aber das war uns schon egal!

Und auch wenn uns der Regen erwischt hätte, wäre es eine richtig gute Tour gewesen, mit schönen Landschaftsbildern und einigen Begegnungen mit Tieren am Weg!

Auf Weidegebieten trifft man meist Weidetiere. Diese Kühe lassen sich beim Wiederkäuen nicht von uns stören, ausweichen tun wir ihnen dennoch. Foto: Protect Our Winters Austria
Auf Weidegebieten trifft man meist Weidetiere. Diese Kühe lassen sich beim Wiederkäuen nicht von uns stören, ausweichen tun wir ihnen dennoch. Foto: Protect Our Winters Austria
Alpensalamander sehen wir heute massenweise. Wenn sie uns auch sehen, erstarren sie vor Schreck und fallen teilweise sehr ungelenk um. Dabei sehen sie eigentlich athletisch aus?!
Alpensalamander sehen wir heute massenweise. Wenn sie uns auch sehen, erstarren sie vor Schreck und fallen teilweise sehr ungelenk um. Dabei sehen sie eigentlich athletisch aus?!
Sieht man Löcher im Boden, sind Murmeltiere nicht weit, so auch in dieser Region! Foto: Protect Our Winters Austria
Sieht man Löcher im Boden, sind Murmeltiere nicht weit, so auch in dieser Region! Foto: Protect Our Winters Austria

Heimreise

Beim Alpengasthof Praxmar steigen wir in den Bus ein, der uns bis Innsbruck mitnimmt.

Tourdaten

Die Route in Zahlen:   5:30 Std Wandern   1.100 HM   1.000 HM   11 km   GPX Track

Autorentipp:

Wer die Runde umdrehen will, kann im Gleirschtal bei der Gleirschalm einkehren. Unsere Route geht nicht direkt daran vorbei, sie ist aber nur einen kurzen Abstecher die Forststraße weiter taleinwärts entfernt!

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