Oft ist ja der Weg das Ziel. Hier aber nicht, hier geht es um’s Ziel. Mir zumindest. Die Berliner Hütte muss man meiner Meinung nach mal gesehen haben. Aber dazu dann später im Bericht mehr.
Natürlich bietet sich der Berliner Höhenweg an. Allerdings sind mir die Übergänge zu schwierig, daher habe ich mich an einem verlängerten Wochenende auf den Auf- und Abstieg zur Berliner Hütte beschränkt.
Steckbrief
| Tag 1: Aufstieg zur Berliner Hütte vom Gasthof Breitlahner | 10 km + 800 hm, einfach, SAC T2 |
| Tag 2: Berliner Hütte – Schwarzsee – Gletscherweg – Gasthof Breitlahner | 16 km +500/-1300 hm, einfach, SAC T2 |
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Aufstieg zur Berliner Hütte vom Gasthof Breitlahner
Ich hatte im Zillertal in Kaltenbach übernachtet. Im Prinzip verläuft die Anreise mit dem Zug aber immer gleich: in Jenbach Umstieg von den ÖBB in die Zillertalbahn bis zur Endstation in Mayrhofen und von dort mit dem Bus an den Startpunkt der Wanderung, dem Gasthof Breitlahner. Die meisten Fahrgäste im Bus fahren bis zum Schlegeisspeicher; der letzte Abschnitt ist mautpflichtig (beim Busfahrer zu zahlen). Wir steigen hingegen schon in Ginzling Breitlahner Mautstelle aus, bis dahin herrscht keine Mautpflicht. Fahrkarten bekommt man bei der Zillertalbahn übrigens beim Schaffner, man kann dort ganz normale Tickets des Verkehrsverbund Tirol (VVT) zuschlagsfrei erwerben und bar oder mit Karte zahlen. Alternativ nutzt man die VVT- oder ÖBB-App.
Angekommen an der Mautstelle überquert man die Straße, läuft am großen Wanderparkplatz und dem Gasthof vorbei und folgt sogleich der Forststraße nach oben. Das Wetter an diesem Samstag im Juli ist eher bewölkt, Regen ist aber keiner vorhergesagt.

Kurz darauf überquert man den Zemmbach und läuft an einem kleinen Hof vorbei.
Was den Weg auszeichnet: Wasser überall. Rauschen überall. Ich finde ja die Ruhe angenehmer als das ständige Rauschen des Wassers, aber es hat schon trotzdem was. Die Wasserfälle sind auf alle Fälle sehr imposant.

Ansonsten ist der Weg aber eher unspektakulär. Halt ein Forstweg, der fortlaufend bergauf geht. Mit sehr schönem Ausblick.

Auf ungefähr zwei drittel des Weges befindet sich die Grawandhuette. Dort kann man einkehren und sogar übernachten. Bis zur Waxeggalm bleibt der Weg breit, bis hierhin könnte man auch mit dem Mountainbike fahren. Theoretisch sogar mit dem Geländewagen, was aber natürlich nicht erlaubt ist bzw. nur den Almbesitzern gestattet ist.
Bei der Alpenrosenhütte (1.878 Meter) wird der Weg nun schmäler und zu einem „richtigen“ Bergwanderweg. Aber immer noch sehr einfach zu gehen ohne schwierige oder ausgesetzte Stellen.

Nach dem Kriegerdenkmal ist die Berliner Hütte dann nicht mehr weit.

Das Wort „Hütte“ für diesen Prachtbau ist die Untertreibung des Jahrhunderts. Sie befindet sich auf 2.042 m auf der Schwarzensteinalm im oberen Zemmgrund.
Ein paar Worte zur Geschichte (Quelle: Berliner Hütte » Geschichte):
Am 28. Juli 1879 weihte die Sektion Berlin, noch nicht ganz zehn Jahre alt, die Berliner Hütte ein. Das erste Schutzhaus der Zillertaler Alpen besaß eine Grundfläche von 10 x 6 m und war mit Küche, Aufenthaltsraum und Strohlager unter dem Dach ausgestattet. Ab 1882 wurde die Hütte im Sommer bewirtschaftet. Schon bald war das Gebäude dem Ansturm der Bergsteiger nicht mehr gewachsen. Die bescheidenen Anbauten aus den Jahren 1885 und 1888 konnten nur kurzzeitig eine Entlastung bringen.
So wurde 1892 mit dem Bau des „Logierhauses“ erstmals mehrstöckig gebaut. Nur sechs Jahre später wurde mit dem östlich angebauten Speisesaal der für Schutzhütten geltende Maßstab deutlich überboten, indem man mit über 4 m Deckenhöhe, großen Fenstern und aufwändigem Schnitzwerk einen überaus repräsentativen Raum schuf. Schon bald reiften Pläne, die beiden isoliert erscheinenden hohen Baukörper mit einem zentralen Gebäude zu verbinden.
In den Jahren 1910 und 1911 verwandelte sich die Hütte zum letzten Mal in eine große Baustelle und das alles überragende „Haupthaus“ wuchs empor. Mit ihrer großen Eingangshalle und dem riesigen Speisesaal erhielt die Berliner Hütte den Nimbus des Einzigartigen. Neben dem herrschaftlichen Stil erhielt das Innenleben der Hütte die seinerzeit modernste Technik.
Bereits 1898 wurde eine Telefonleitung gezogen, 1906 folgten eine Post- und Telegraphenstelle und 1911 konnten eine Gaserzeugungsanlage und ein Wasserkraftwerk in Betrieb genommen werden. Eine hütteneigene Backstube und eine Schuhmacherwerkstatt rundeten das Serviceangebot für die Gäste ab. 1997 wurde die Hütte als erste Hütte des DAV unter Denkmalschutz gestellt.
Der Checkin erfolgt im prunkvollen Eingangsbereich. Ich hatte Buchungsglück und hatte das (einzige) Einzelzimmer der Hütte. „Klein aber fein“ lautet das Motto.

Duschen kann man auf der Hütte mit Euromünzen. Wasserknappheit ist hier wohl kein Thema, die Hütte ist quasi umgeben von Wasser und besitzt zur Stromversorgung ein Wasserkraftwerk.
Schön ist auch die Terrasse zur anderen Seite mit Blick auf den Waxeggkeesgletscher.

Ich hatte leider am letzten Tag unabsichtlich verdorbene Kirschen gegessen und es ging mir nicht so gut. Daher habe ich mich für den restlichen Tag etwas ausgeruht obwohl durchaus noch Zeit gewesen wäre, zum Schwarzsee zu gehen. Das habe ich auf den nächsten Tag verschoben.
Das Wetter ist am Abend dann etwas besser geworden. Kalt war es dennoch, so knapp über 10 °C im Juli. Essen gab es in diesem prunkvollen Speisesaal. In so einem Ambiente schmeckt es gleich nochmal besser.

Der Gletscherrückgang durch den Klimawandel ist auch hier in vollem Gang. Frappierend wenn man die heutigen Bilder mit den Postkarten von vor über 100 Jahren vergleicht:

Berliner Hütte retour
Bevor es am zweiten Tag retour geht, möchte ich erst noch nach oben zum Schwarzsee. Den Übergang von der Berliner Hütte zur Greizer Hütte über die Mörchenscharte traue ich mir nicht zu, aber bis zum Schwarzsee ist es ein normaler Bergwanderweg.
Berliner Hütte – Schwarzsee und zurück
Der Tag startet mit gutem Wetter, allerdings sollen im Laufe des Tages Gewitter aufziehen. Ich will bis dahin zumindest dann an der Alpenrosenhütte sein. Ab dort wird man zwar nass aber ohne jegliche Gefahren, die bei Gewittern in den Bergen halt so vorhanden sind.
Der Wanderweg ist gut beschildert. Bald hat man nochmal herrliche Ausblicke auf die Hütte als Ganzes.

Es gibt ein paar schmälere Stellen wo man Quellen queren muss, aber ansonsten ist der Wanderweg gut zu gehen.

Nach rund 400 Höhenmetern ist der Schwarzsee erreicht. Es ist frisch, auch etwas windig, aber es gibt tatsächlich einen jungen Mann, der sich auszieht und ins Wasser geht. Mein Fall wäre das nicht.

Den gleichen Weg geht es nun wieder zurück. Gegen Mittag bin ich dann wieder auf der Berliner Hütte. Zunächst kommt dann nochmal die Sonne raus.
Abstieg von der Berliner Hütte über den „Gletscherweg“
Ich gehe ab der Berliner Hütte nicht den gleichen Weg zurück sondern den sog. Gletscherweg. Steigeisen braucht man dafür nicht, es handelt sich um einen Lehrpfad. Der Name kommt daher, weil der Weg früher vom Gletscher bedeckt war.


Am Ende landet man dann wieder bei der Alpenrosenhütte. Ich mache dort kurz Pause (Kaffee und Kuchen), gucke auf das Regenradar und jetzt zieht ein größerer Schauer auf. Nichts wie weg nach unten. Zum „Aussitzen“ dauert er zu lange.

Der Regen ist aber zum Glück nicht stark und nach einer Stunde ist der Spuk auch wieder vorbei. Ich muss mich aber sputen, die Busse fahren hier etwas unregelmäßig und ich möchte den um 16:50 Uhr dann erreichen. Es ist zwar nicht der letzte aber danach kommt eine größere Lücke.

Es war dann auch eine ziemliche Punktlandung.
Fazit
Die Berliner Hütte muss man definitiv mal gesehen haben. Es geht auch als Tagestour, aber mit Übernachtung ist es doch schöner und entspannter.



