Im Jahr 2020 begann unsere Italien-Bergliebe. Da waren wir, mein Mann V. und ich, zwei Wochen lang auf verschiedenen südlicheren Etappen des bekannten GTA, dem Grande Traversata delle Alpi, unterwegs. Seitdem vergeht fast kein Jahr, in dem wir nicht zumindest ein paar Tage in italienischen Gefilden unterwegs sind. Nördlichere Etappen des GTA, die Julischen mit einem Abstecher nach Slowenien hinein und Amalfiküste-Schnuppern sind dazugekommen.
Die Mischung aus unterwegs sein auf historischen Wegen, durch alte Dörfer vor grandiosen Bergkulissen wandern, einzigartiger Flora, kulinarischem Verwöhnprogramm und dem Besuch von Kleinstädten, die nicht vom Overtourism geplagt sind und die man bei der Öffi-An- und Abreise entdeckt, macht süchtig!
Mittlerweile stehen schon einige Wanderbücher für verschiedene Regionen in Bella Italia in unserem Bücherregal bereit und die Qual der Wahl, welches das nächste Ziel werden soll, ist nie einfach. Im Winter 2025 ist mir das Buch ‚Marmor, Meer und Maultierpfade – Die Apuanischen Alpen – Wandern in einer unbekannten Toskana‘ wieder in die Hände gefallen, ich hatte es schon vor Jahren in meiner Fernwehbuchhandlung Freytag und Berndt erworben.
Mir ging es zunächst wie dem Autor – Apuanische Alpen, noch nie gehört, wo sind die eigentlich? Bei näherer Recherche war der Entschluss schnell gefasst – mit dem Nightjet kommt man von Wien bis La Spezia, von dort ist es nur mehr ca. eine Stunde nach Carrara (genau, von dort kommt der berühmte Marmor!).
Die Planung der Etappenlängen und die Kombination mit geeigneten Übernachtungsmöglichkeiten, um dabei möglichst die schönsten Ecken des Gebirges zu erkunden, war doch recht zeitintensiv. Die 7-Tages-Tour hat den Reality Check sehr gut bestanden. Die Route ist in den unterschiedlichsten Facetten äußerst lohnenswert, wenn auch nur mit guter Kondition und Trittsicherheit zu bewältigen.
Die zusammengestellte Route folgt keinem einzelnen Weitwanderweg. Im Wanderbuch ist eine andere Mehrtagestour beschrieben, aber diese hätte einige Orte, die wir unbedingt sehen wollten, nicht eingeschlossen.
Unterwegs waren wir Ende Mai und zu dieser Zeit hatten bis auf eines die Rifugios nur am Wochenende offen. Deshalb war es notwendig, in kleinen Bergdörfern zu übernachten. Man könnte es am Ankunftstag schaffen, sofort loszuwandern, aber wir empfehlen unbedingt eine Übernachtung in Carrara, eine wirklich sehenswerte Kleinstadt!
Übersicht

Ankunftstag
Wir kommen um ca. 11 Uhr an, drehen eine Runde durch La Spezia. Ein erster Caffè ist dringend notwendig! Vom Hafen aus sieht man bereits ein bisschen auf die Alpe Apuani, ganz charakteristisch die weißen Flecken der Steinbrüche.

Der Regionale von La Spezia nach Carrara-Avenza fällt aufgrund eines Streiks aus, wir fahren mit dem IC (in einer guten Viertelstunde nach Carrara-Avenza. Vom Bahnhof nimmt man den Bus 51 oder 52 ins etwa 4 Kilometer bergwärts gelegene Zentrum von Carrara, das Busticket bezahlt man mit Bankomat- oder Kreditkarte (Achtung: pro Karte nur für 1 Person möglich!). Wir steigen in den 52er – allerdings in die falsche Richtung. So geht’s erstmal ans Meer, bevor wir Carrara erreichen.
Carrara ist ein wirklich interessantes Städtchen mit verschiedenen Gesichtern: wohlhabend, Arbeiterstadt, künstlerisch. Carrara-Marmor überall, sogar die Krippe im Duomo di Sant‘ Andrea besteht aus Marmorfiguren, die in die Szenerie der Steinbrüche gesetzt wurden. Die Piazza delle Erbe eignet sich perfekt für einen Aperitiv – so eine bunte Mischung an verschiedensten Menschen haben wir schon lange nicht mehr gesehen!
Übernachtung im B&B Carrara Bella sehr schön und geschmackvoll, mit herrlichem Ausblick von der Dachterrasse).
Abendessen im Ristorante La Roma sehr empfehlenswert und freundlich

Wandertag 1
Unser ursprünglicher Plan war ja, direkt von Carrara loszuwandern, aber uns reizt es nun, die Steinbrüche von Fantiscritti und die berühmte Ponti di Vara zu sehen. Wir entscheiden uns also, erst am Nachmittag einen Bus nach Castelpoggio zu nehmen und von dort zum Rifugio Carrara zu gehen.
Am Wochenende dürfen keine LKW fahren, drum kann man recht angenehm die Straße rauf zu den Steinbrüchen spazieren, es nimmt uns aber schnell ein Wanderer mit. Bei der Ponti di Vara steigen wir aus, die Brücke war Teil der Marmifera-Eisenbahnlinie, die im Kreisverkehr Marmorblöcke aus den Bergen zum Hafen transportierte; sie wurde im 2.Weltkrieg zerstört.
Dann wandern wir weiter zum großen Fantiscritti-Steinbruch, hier gibt’s etliche Souvenirstandeln, Werkstätten und eine große Marmorblock-Bandsäge. Dort starten auch die Touren in einen unterirdischen Steinbruch. Wir schließen uns der ersten Tour an und mit dem Tourguide, die perfekt Deutsch spricht, haben wir recht viel über den Marmorabbau erfahren. Runter nach Carrara werden wir von anderen Besuchern mitgenommen.

Jede Stunde fahren Kleinbusse nach Castelpoggio, in einer knappen halben Stunde ist man dort. Nach einem späten Mittagessen auf der Terrasse des La Luna Ripiena mit Blick aufs Meer spazieren wir noch durch den pittoresken Ortskern von Castelpoggio, bevor wir um ca. 3 Uhr zum Rifugio Carrara aufbrechen, das im Ort bereits ausgeschildert ist.
Der Großteil der einfachen Wanderung führt durch wunderschönen Wald, ab und zu bieten sich Ausblicke. Schließlich erreicht man die Alm Acquasparta, es tröpfelt ein bisschen, aber die Regenwolken verziehen sich gleich wieder Richtung Norden. 15 Minuten später erreichen wir nach etwa 2,5 Stunden Gehzeit das Rifugio Carrara.


Gut markiert; Grandiose Aussicht von der Terrasse. Fotos: Bigit Reiter
Ein 10 Minuten Spazierer von der Hütte führt zur Prati di Campocecina, von dort genießt man einen grandiosen Ausblick auf die nördlichen Steinbruch-Becken von Carrara und das Meer!
Eine Luxusunterkunft ist das Rifugio Carrara nicht, im Gastraum ist es frisch, in den Zimmern ist es richtig kalt. Die roten metallenen Stockbetten sehen wir nicht zum ersten Mal auf einer italienischen Hütte; ich schlaf‘ oben und komm mir vor wie auf hoher See, so sehr wackelt das Ding.
Das Abendessen war sehr gut, das Frühstück allerdings italienisch, mit unserem Einkauf vom Vortag und meiner Ribislmarmelade pimpen wir es auf.
Unterkunft: CAI Rifugio Carrara
Link zur Tagesetappe: https://out.ac/IamXVe
Wandertag 2
Vom Rifugio weg geht’s erst mal gemütlich durch den Wald zum Foce di Pianza. Von hier starten viele Sonntagswanderer, die bis hierher mit dem Auto fahren, wie wir haben sie den Monte Sagro im Visier. In 1,5 bis 2 Stunden hat man die knappen 500 Meter zum Gipfel erreicht, der Steig, mit T2 klassifiziert, ist sehr aussichtsreich und gut zu gehen.


Aufstieg zum Monte Sagro; Die Alpe Apuani haben es in sich – sehr steil und schroff! Fotos: Birgit Reiter
Vom Monte Sagro geht’s wieder zurück bis zur Foce della Faggiola. Der Abstieg nach Colonnata ist wenig begangen, aufmerksames Steigen in recht steilem Gelände absolut notwendig, der Weg ist mit T3 klassifiziert. Der Pfad mündet schließlich in den stillgelegten Steinbruch Cava Buco del Fagiano, spektakulär geht es an Marmorwänden, in die Treppenstufen geschnitten wurden, entlang


In der Senke führt der mässig gut sichtbare Weg runter; Eindrucksvolle Marmorwände. Fotos: Birgit Reiter
Der normale Weg führt nochmals in einen grasbewachsenen Hang, wir beschließen jedoch, da Sonntag ist und in den Steinbrüchen nicht gearbeitet wird, die unzähligen Serpentinen hinunter bis zur Straße nach Colonnata zu gehen; wir begegnen niemandem.
Colonnata ist ein kleines Cavatore-Dorf, das sich auf die Herstellung von Lardo spezialisiert hat; früher ein hochkalorisches Essen für die harte Arbeit der Steinhauer. Jetzt finden sich im Dorf etliche Bars und Verkostungslokale, ein beliebtes Ziel für Sonntagsausflügler. Hunger und Durst sind nach unserem langen Abstieg groß und wir speisen ganz köstliche italienische Brettljause aka Tagliata – inklusive Lardo selbstverständlich!


Der Abstieg nach Casette wird offensichtlich ebenfalls nicht oft genutzt – nicht gefährlich, aber viel zu steigen und im unteren Teil ist der Weg fast zugewachsen. Die Freude war groß, als wir nach einer guten Stunde ab dem Grat endlich Asphalt unter unseren Füßen hatten!
Im Gegensatz zum gestrigen Tag residieren wir heute feudal im B&B von Gianni, schöner Garten mit Swimming Pool und stilvollen Zimmern. Ristorante gibt es keines in Casette und unser Vermieter hat für uns Abendessen bei der Nachbarin Francesca bestellt. Das Ambiente dort ist rustikal, zum Essen gibt es ein Fernsehquiz, bei dem wir trotz spärlicher Italienischkenntnisse so gut es geht mitgeraten haben!


Casette im Abendlicht; Abendessen mit Fernsehquiz. Fotos: Birgit Reiter
Nach guten 8 Stunden Gehzeit sind wir streichfähig und widmen den restlichen Abend der Entfernung unserer eingesammelten Zecken!
Unterkunft: La Cava di Terzo
Link zur Tagesetappe: https://out.ac/IbgRjG (über Wanderweg, nicht über Steinbruch)
Wandertag 3
Gianni hat uns im Garten ein super Frühstück gerichtet – er ist wirklich ein netter Gastgeber und eigentlich würde man an dem schönen Ort länger bleiben. Aber die heutige Tagesetappe ist lang.
Wir müssen zunächst zur Straße runter, die nach Resceto führt, und auf eine gute Mitfahrgelegenheit hoffen, die uns dorthin bringt. Wenn man sich nicht aufs Stoppen verlassen will, kann Gianni bestimmt ein Taxi organisieren.
Wir warten nicht lang und ein älterer Mann nimmt uns in seinem Fiat mit. Die Straße schlängelt sich durch das enge Tal, früher gab es hier Marmorsägereien, jetzt sterben die Ortschaften aus.
In Resceto endet die Straße. Der Herr, der uns mitgenommen hat, ist aus dem Ort und er winkt uns später bei unserer Dorfrunde aus einem Fenster zu. In der einzigen Bar noch ein schnelles Lemon Soda. Es dürfte sich herumgesprochen haben, dass Touris da sind, und ein paar Männer (und eine Frau) tauchen auf. Jeder erzählt uns etwas von der Gegend, der Speisesaal ist voll mit Bildern, die wir erklärt bekommen. Wir verstehen nur Brocken und machen uns einen Reim zu bereits Gelesenem.

Wir wandern heute hauptsächlich auf der Via Vandelli, einer historischen Route, die Mitte des 18. Jahrhunderts gebaut wurde. Der Herzog von Modena, Francesco III., heiratete Maria Teresa Cybo Malaspina aus dem Fürstenhaus von Massa-Carrara und konnte sich so einen langgehegten Traum des Herrscherhauses Este erfüllen – einen direkten Zugang zum Meer. Ingenieur Vandelli wurde beauftragt, einen Plan für die schwierige Routenführung über die apuanischen Alpen auszuarbeiten. Bedeutungsvoll wurde die Route wegen vieler Erdrutsche und Zerstörungen im Winter jedoch nie. Aber der gepflasterte Weg wird nach wie vor instand gehalten und die fuhrwerksgeeignete Steigung ist perfekt, um die 1.100 Hm zum Passo della Tambura recht angenehm zu überwinden. Ein wirklich schöner Weg!
Von der Hauptroute machen wir einen Abstecher zum inmitten von Felstürmen gelegenen Rifugio Nello Conti (das bis Mitte Juni nur am Wochenende offen hat) – ein geeigneter Jausenplatzerl.


Auf der Via Vandelli in vielen Kehren zum Passo della Tambura; Jausenzeit beim Rifugio Nello Conti. Fotos: Birgit Reiter
Vom Rifugio weg ist es mittlerweile recht neblig, die Wolken bleiben aber auf der einen Bergseite. Vom Passo della Tambura blickt man in den aktiven Steinbruch von Vagli (der Marmor von dort wurde offenbar im UNO-Gebäude in NY verbaut). Der Lärm vom Steinbruch trübt die Idylle des schönen Abstiegs etwas. Viele uralte Rotbuchen säumen den Weg, und auch hier ist – wir sind noch immer auf der Via Vandelli unterwegs– das Gefälle sehr angenehm, ein Genuss im Vergleich zu den gestrigen Abstiegen.
Wir gehen nicht ganz am Talboden zu unserem heutigen Ziel Vagli Sotto, sondern zweigen beim Beginn des Steinbruchs auf eine höhergelegene Traverse. Ein Stück mit Schwierigkeitsgrad T4 ist zu überwinden, aber die fünf Meter hohe Felswand ist seilversichert und hat gute Tritte.


Cave Vagli und weiter hinten der Lago di Vagli; Einzige schwierige Stelle des ganzen Tages. Fotos: Birgit Reiter
Auch hier führt der Weg durch wunderschönen, wilden Wald. Ein Schild weist später auf das Eremo Viviano hin (eine Einsiedelei). Es steht aber nirgends, dass man fast 150 Meter runter muss! Der Abstieg durch die grüne Schlucht ist sehr lohnenswert. Die Kapelle ist verschlossen, aber durch ein Guckloch kann ich ein Foto vom Inneren machen.

Weiter geht es zur Alm Campocatino in herrlicher Lage. Bewirtschaftet wird hier nicht mehr, die Hütten wurden großteils recht geschmackvoll zu Ferienhäusern umgebaut, von hier haben wir auch einen wunderbaren Ausblick auf Vagli Sopra und unser heutiges Ziel Vagli Sotto, das wir in einer guten Stunde erreichen.
Unser heutiges Ziel, der Ortsteil Renaio von Vagli Sotto hat schon bessere Zeiten erlebt. Ein größeres Hotel hat zugesperrt, unsere heutige Unterkunft gehört zum Typ einfache Pilgerrast. Es gibt nebenan ein Alimentari/Bar/Ristorante, wo wir – die einzigen Gäste – bei schöner Aussicht auf das alte Vagli Sotto sehr gut essen.
Unterkunft: Il Vecchio Convento
Link zur Etappe: https://out.ac/IaT4je
Wandertag 4

Wir verschmähen das bereitgelegte, eingeschweißte Brioche und gehen wieder zum Nachbarn frühstücken.
Es fängt zu schütten an, auch der Wetterbericht sagt einen regnerischen Tag voraus. Wir entscheiden uns, mittels Autostop und Bus zu unserem nächsten Etappenziel zu fahren. Vorher wollen wir aber noch das alte Vagli Sotto anschauen. Nach dem Bau der Staumauer waren die Häuser eine Zeit lang nicht bewohnt, weil man fürchtete, dass der Dorfhügel dem Wasserdruck nicht standhält.

Wir queren die Brücke, dort müssten wir links gehen, um später über die Hängebrücke zur Hauptstraße zum Autostoppen zu gelangen. Aber der Regen hat aufgehört, und es schaut recht freundlich aus, deshalb beschließen wir, doch beim ursprünglichen Plan zu bleiben und biegen rechts ab.
Schon Outdooractive hat gezickt, als ich den Weg nach Isola Santa plante, ich wurde immer wieder über die Forststrasse geschickt. Auf der Topokarte war dann aber für die Garfagnana Route ein Umweg eingezeichnet. Allerdings müssen wir feststellen, dass auch diese Route nicht mehr gewartet wird. Der Aufstieg war sehr mühselig und ohne GPS wären wir nicht weitergekommen. Es war aber nirgendwo gefährlich und der Urwald wunderschön!


Umleitung auf der Garfagnana Trekking Route; Eindrucksvolle Baumstümpfe. Fotos: Birgit Reiter
Nach dem fordernden Aufstieg und einer Jausenpause bei der Maestà del Trebbio (Kapelle) geht’s noch eine Stunde durch schönen Buchenwald (Wienerwald-Feeling!) zur Colle delle Capanne, und dann wird’s endlich aussichtsreich – über blumenübersäte, ehemalige Almen mit Steinhausruinen geht’s runter nach Capanne di Careggine.

Trotz unwegsamen Geländes kommen wir früher bei unserem Ziel an und kehren um 15:30 in der Bar ein. Kaum steht das Bier auf dem Tisch, beginnt es draußen aus Schaffeln zu schütten – was für ein Timing!
Die Bar gehört zum Ristorante Ceragetta, hier habe ich auch das Zimmer reserviert. Allerdings nächtigen wir im knapp 1 Kilometer weiter unten liegenden Albergo Diffuso. Die verfallenen Häuser des Weilers wurden zu Ferienwohnungen umgebaut, der Dorfcharakter ist erhalten geblieben.
Das Ceragetta ist ein Familienbetrieb, wie schon am Nachmittag bedient uns die Seniorwirtin, schenkt gleich mal Frizzante ein und bringt Antipastiteller – zum Niederknien gut! Dann zählt sie die Pasta auf, wir können uns nicht schnell genug entscheiden, dann bringe sie am besten alle drei Gerichte! Beim Secondo winken wir ab, ‚Aber ein Dessert und ein Caffè gehen sich schon noch aus, oder?‘. Mittlerweile ist auch der fitte Seniorchef und die Juniorchefin gekommen. Da wir an diesem Wochentag die einzigen Gäste sind, kommen wir ins Plaudern – ein sehr netter Abend, und der Verdauungsspazierer später runter zum Apartment tut gut.
Unterkunft: Ceragetta Resort
Link zur Etappe: https://out.ac/IaT4je
Wandertag 5
Die heutige Etappe ist wieder etwas kürzer, wir müssen nicht so früh weg und genießen das Frühstück (die Zutaten wurden uns im Apartment bereitgelegt) an diesem herrlichen Platz.


Ein herrlicher Tag kündigt sich an! Bahn zum Berg beim Frühstück! Fotos: Birgit Reiter
Zunächst gehen wir nach Isola Santa runter, auch hier wurden die alten Häuser zu Ferienwohnungen umgebaut. Die Kirche ist leider – wie so oft – verschlossen. Der Weg führt über den Staudaum, dann durch dichten Laubwald rauf zum Col de Favilla Hier stehen eine schöne Kirche und neben ein paar Häuserruinen auch zwei intakte. Es dürften hier ab und zu Messen stattfinden. Durch eine hübsche Allee kommt man zum Friedhof.

Dann geht’s weiter zur Foce di Mosceta, der Pfad wurde früher wohl als Wirtschaftsweg genutzt. Oben, kurz vor dem Übergang, wird es etwas flacher, und wir kommen in den Nebel – eine besondere Stimmung.
Der Weg nach Pruno ist blumen-, aussichts- und abwechslungsreich. Mein linkes Knie spinnt ein bissl, und so muss ich langsam gehen und hab damit genug Zeit, die Flora zu bewundern. Auch hier gibt’s wieder mit weißem Affodill übersäte Wiesen!



Über Grashänge nach Pruno; Mit Hahnenfuß gesäumter Pfad; Bilderbuchdorf Pruno. Fotos: Birgit Reiter
Pruno ist eines der Bilderbuch-Bergdörfer der Alpi Apuane – die Lage mit der Bergkulisse des Pania della Croce, dem Monte Forato (der mit dem Felsloch) und dem Monte Procinto – einmalig! Wir nächtigen im Ostello Pania Forato – ein nettes Haus mit einer im ganzen Haus verteilten Bibliothek. Als ich Silvia, der Wirtin, ein paar Pflanzenteile zeige, kommt sie gleich mit ein paar Botanikbüchern daher!
Das einzige Lokal des Ortes hat am Mittwoch Ruhetag, das habe ich glücklicherweise schon vor der Reise recherchiert. So bekommen wir Abendessen bei unseren Gastgebern. Nach dem Essen noch ein Abendspaziergang durch Pruno, das Licht ist berauschend und um den alten Kirchturm sausen Mauersegler mit ihrem schrillen Rufen.
Unterkunft: Pania Forata Hostel
Link zur Etappe: https://out.ac/IaqzIr
Wandertag 6
Wir bekommen plastikfreies Frühstück – das ist in Italien nach wie vor erwähnenswert, weil selten! Bevor wir zu unserer nächsten Etappe aufbrechen, spazieren wir noch in den Nachbarort Volegno.


Steinbrücke auf dem Weg runter nach Cardoso; Erfrischung gefällig! Fotos: Birgit Reiter
Von Pruno muss man zunächst runter nach Cardoso, auf dem Weg überquert man das Bacherl über eine alte Steinbrücke. Im Ort folgt man der Straße und biegt bei den Wegweisern Richtung Monte Procinto. Nach einem Stück auf der kaum befahrenen Asphaltstrasse geht es wieder hinein in den Dschungel. Eine Gumpe mit Wasserfall bietet sich für ein erfrischendes Bad an. Später wird der Wald lichter, die beiden Felstürme des Piccolo Procinto und des Monte Procinto blitzen immer wieder durch.
Vorbei am B&B Giorgini (herrliche Lage, wäre sicher eine gute Übernachtungsmöglichkeit) geht es über einen alten Saumpfad nach Stazzema.
Die gebuchte Unterkunft „L’Antico Asilo“ ist ein echter Glücksgriff! Ein erst kürzlich renoviertes Haus mit der sehr netten und aufmerksamen Gastgeberin Daniela, die ursprünglich aus der Nähe von Udine kommt. Ich erfahre, dass ihr Partner Moreno aus Stazzema stammt, kunstbegeistert ist, und er all die Kunstwerke, die im ganzen Haus hängen, gesammelt hat.
Nach einem Spaziergang durch den hübschen Ort (der laut Daniela sogar Zuzug hat), werden wir mit köstlichen, selbstgemachten Tordelli und Salat aus dem Garten verwöhnt. Normalerweise gibt’s kein Abendessen, aber ein Wirtshaus fehlt im Ort, so haben uns Daniela und Moreno (auf vorherige Anfrage) bekocht!
Unterkunft: L’Antico Asilo
Link zur Etappe: https://out.ac/Iasxrx


L’Antico Asilo; Stazzema. Fotos: Birgit Reiter
Wandertag 7
Daniela hat ein herrliches Frühstück kredenzt – mit etlichen selbstgebackenen Kuchen und Törtchen, wir können nur einen Teil probieren. Bevor wir aufbrechen, bekommen wir noch eine Führung durchs Haus. Moreno erzählt, dass er früher hier zur Schule gegangen ist. Mit viel Fachkunde und Liebe kümmert er sich um die Restaurierung des Hauses.
Wir wandern eine Stunde nach Pontestazzemese runter. Um 11:04 sollte der Bus nach Pietrasanta fahren, so steht es auch auf dem Aushang. Aber zur Abfahrtszeit ist kein Bus in Sicht. Die Damenrunde, die in der Bar des Hotels zusammensitzt, meint, der Bus fahre erst um kurz vor zwölf und von der anderen Bushaltestelle. Ich bin nicht überzeugt, aber V. meint, dann könne er ja noch aufs Klo gehen – und ist weg. Was passiert? Der Bus biegt ums Eck, ich renne ihm hinterher, bitte den Fahrer noch kurz zu warten. Der Busfahrer ist ungeduldig – er sei eh schon so verspätet. Die Damen rufen V., er muss jetzt noch seinen Rucksack – der stand ja nun noch an der anderen Haltestelle!
Link zur Etappe: https://out.ac/IatdOT
Ärger könnte der Kontrast nicht sein – innerhalb einer halben Stunde haben wir die recht einsame Bergregion verlassen und finden uns im dichtbesiedelten Küstenstreifen wieder.
Von Pietrasanta gelangt man in einer knappen Stunde La Spezia, wo um ca. 17 Uhr der Nightjet zurück nach Wien fährt. Es bleibt noch Zeit, das Zentrum von Pietrasanta oder La Spezia zu besuchen.
Wir haben allerdings noch 2 Tage angehängt, um Lucca (dort haben wir übernachtet) und Pisa zu besichtigen. Unsere Wanderwoche haben wir mit einer Übernachtung im Rifugio Muzzerone oberhalb von Portovenere und einer kleinen Wanderung auf der Isola Palmaria abgerundet!
Literatur und Karte:
Pepo Hofstetter, Marmor, Meer und Maultierpfade: Die Apuanischen Alpen – Wandern in einer unbekannten Toskana, Rotpunktverlag Zürich, 2010
Land Karte 200, Alpi Apuane 1:25:000




Obwohl ich den Artikel von Italien aus lese, bekomme ich trotzdem Fernweh! Es klingt wunderschön 🙂
Liebe Grüße
Birgit
Herrlich! Und vermutlich alles andere als überlaufen… Viel Vergnügen beim Planen der nächsten Wanderung durch unbekanntes italienisches Bergland!
Wir waren in der Tat meistens die einzigen Übernachtungsgäste. Komplettes Kontrastprogramm zu den nicht weit entfernten Cinque Terre.