Das Tennengebirge war in den letzten Jahren bei verschiedenen Wanderungen rund um Salzburg immer wieder für mich sichtbar. Vor allem bei Zugfahrten ins Gasteiner- oder Großarltal fährt man von Salzburg aus spektakulär an dem sehr markanten und doch allein stehenden Bergmassiv vorbei. So richtig „erfahren“ kann man das Gebirge aber kaum über öffentliche Verkehrsmittel, beziehungsweise ist es etwas schwer, passende Touren zu finden. Das hat mich dazu bewegt, eine etwas längere Tagestour für eine (kleine) Süd-Nord-Überquerung des Tennengebirges zu planen, um einmal die schon so oft von anderen Bergen und aus Zügen gesehenen Bergspitzen zu überqueren.
Mit Plan zum Berg – Personalisierte Fahrplanabfrage
Bei mir geht es um 04:44 Uhr mit der S-Bahn am Salzburger Hauptbahnhof bis Pfaffenwerfen los. Von dort muss man das W3-Shuttle nehmen, welches direkt am Bahnhof Pfaffenwerfen startet. Das Shuttle benötigt eine telefonische Anmeldung, was ich für meine Sonntagswanderung bereits am Freitag erledigt hatte. Bei Fahrten vor 08:00 Uhr wird generell eine Anmeldung am Vortag bis 21:00 Uhr benötigt. Die Abfahrtszeiten des Shuttles sind fix geregelt, allerdings lässt sich ein flexibler Zielort in ganz Pfarrwerfen und Werfenweng auswählen. Bei mir ist dies der Wengerau-Wanderparkplatz. Beim 6-Uhr-Shuttle muss ich überraschenderweise kein schlechtes Gewissen haben, den Fahrer nur wegen mir aufgeweckt zu haben, denn es ist generell fast voll – mit zwei Hotelangestellten und drei Electric-Love-Heimkehrern.
Info: Da die Haltestelle Wengerau des W3-Shuttle in den Fahrplandaten nicht inkludiert ist, beginnt der hier gezeigte GPX-Track schon bei der Haltestelle Werfenweng Ortsmitte. Beim Buchen Wengerau-Wanderparkplatz als Zielhaltestelle angeben, dann spart man sich 2 Kilometer zusätzlichen Fußmarsch und startet am hier beschriebenen Ausgangspunkt.

Start in Wengerau
Das Shuttle fährt etwas früher als angeschrieben los, sodass ich bereits um 6:10 Uhr am Wengerau-Wanderparkplatz starten kann. Zunächst geht es etwa eine Stunde auf einem angenehmen und unproblematischen Waldweg bis zur Söldenhütte hinauf. Im Rücken gibt es einen wunderschönen Blick auf den Hochkönig und nach vorne auf die südlichen kalkigen Gipfel des Tennengebirges.

Tauernscharte
Von der Söldenhütte geht es eine Stunde lang auf einem sehr spektakulären Weg hinauf zur Tauernscharte. Die Scharte führt zwischen dem Tauernkogel und dem Napf auf das Plateau. Der Weg ist etwas schottrig und am Ende leicht seilversichert. Der Anstieg direkt auf das Plateau ist eine unglaubliche szenische Erfahrung. Beim Hochwandern wird man zwischen den kalkigen Gipfeln immer kleiner.

Tauernkogel
Auf dem Plateau kommt man an sehr vielen Bergen vorbei. Von dem Weg auf die Scharte begeistert nehme ich direkt den nach rechts ausgeschilderten Tauernkogel mit, dessen Gipfelkreuz in 15 Minuten über etwas schwierigeres Berggelände erreicht ist. Hier gibt es dann um 8:30 Uhr eine kleine Frühstückspause.

Wengerscharte
Vom Tauernkogel geht es auf dem gleichen Weg wieder hinunter zur Wegmarkierung an der Tauernscharte. Wunderschön an den begrünten Bergen entlang geht es dann tiefer in das Plateau Richtung Wengerscharte hinein. An diesem Tag treffe ich fast nur einzelne Wanderer, mit denen man in dem abgelegenen Gebirge doch recht schnell ein paar Worte wechselt. Tiefer im Plateau zieht der Wind etwas an, sodass ich auch im Hochsommer froh bin, etwas Langärmeliges dabei zu haben. Generell habe ich aber Glück mit den Wolken, die mir eine dauerhafte Ausgesetztheit der Sonne ersparen. Eine Stunde vom Tauernkogel entfernt erreiche ich die Wegmarkierung, welche den westlichen Weg Richtung Wengerscharte und den nördlichen Weg Richtung Bleikogel und Laufener Hütte trennt.

Bleikogel
Von der Wegmarkierung bis zum Bleikogel ist eine Stunde angeschrieben. Im Nachhinein war ich etwas geschockt, dass ich tatsächlich auch nur eine Stunde gebraucht hatte, um das 2.412 Meter hohe Gipfelkreuz von diesem Wegpunkt aus zu erreichen. In dieser Stunde läuft man auf Kalkstein mit vereinzeltem Gras und sieht fast nur die direkt umliegenden Kalksteinspitzen mit vereinzeltem Gras. So schön die Einsamkeit mit den wenigen getroffenen Wandernden am Anfang auch war, ist es dann tief im Gebirge mit dem monotonen Ausblick auf Kalk und Gras irgendwann mental ziemlich anstrengend – es sei denn, man hat eine abgrundtiefe Liebe für Kalkstein mit vereinzeltem Gras. Auch der Weg wird anstrengender und schottriger, was neben der landschaftlichen Monotonie immer wieder zu kleinen Stolperern führt. Die Wegmarkierungen sind zudem nicht immer eindeutig ersichtlich, sodass ich mich an einer Stelle fast verlaufen hätte, weil der Kalkstein neben dem Weg genauso wanderbar aussieht wie der eigentliche Weg. Umso besser fühlt sich schließlich das Erklimmen des Bleikogels an.


Dieser Teil der Wanderung ist wirklich ziemlich anstrengend, sodass ich nach einer kurzen Gipfelpause den zweistündigen Weg Richtung Laufener Hütte wieder starte. Nach etwa 30 Minuten entlang felsiger Abgründe wird der Weg weniger schottrig und deutlich angenehmer. Auch die Blicke in die umliegenden Berge werden wieder vielseitiger und abwechslungsreicher. Eineinhalb Stunden vor Erreichen der Laufener Hütte sieht man sie bereits klein und weit unten liegen. Bis man die Hütte erreicht, ist es ein eigentlich schöner Bergweg, auf dem man immer wieder Gämsen sieht und hört. Es zieht sich dann, wie fast alle bisherigen Wege, aber doch. Als die Hütte erreicht ist, sehe ich dann das erste Mal nach inzwischen über vier Stunden wieder andere Menschen. Am Tag zuvor sind den Weg anscheinend insgesamt vier Leute gegangen. Heute bin ich die erste und vermutlich einzige Person, die von oben und nicht von unten für ein kurzes Getränk in der Laufener Hütte einkehrt. Trinkquellen gab es – zumindest im Juli – zwischen den beiden Hütten überhaupt nicht.


Abstieg nach Abtenau
Die Selbstversorger-Laufener-Hütte macht einen wunderbaren Eindruck. Da es dann aber doch noch immer drei Stunden bis zum tatsächlichen Ziel sind, geht es recht schnell weiter. Richtung Abtenau gibt es immer wieder Sommer- und Winterwegsvarianten, die alle dankbar und bergsteigerisch einfach zu gehen sind. Inzwischen treffe ich dann auch wieder etwa alle 30 Minuten andere Wanderinnen und Wanderer, die den Weg nach oben gehen. Nach etwas offenem Gelände und einem kleinen wunderbaren Waldstück erreicht man eine Autostraße. Ich würde empfehlen, diesem Weg zur Karkogelbahn zu folgen. Ich selbst entschließe mich, mich noch einmal etwas im Wald zu verirren und bei Au herauszukommen, um am Ende noch etwa 30 Minuten länger als nötig auf einer Autostraße bis zur Ortsmitte von Abtenau zu gehen. Immerhin ist es kein Kalkstein mit vereinzeltem Gras.
Nach dann etwa zehn Stunden schaffe ich es perfekt, den Bus um 16:50 Uhr von der Ortsmitte Abtenau nach Golling zu erreichen, von wo aus wieder alle Zugverbindungen erreichbar sind.
Alternative Routen
Es gibt diverse Berggipfel und Kreuze, die man entlang des Weges mit einem kleinen Umweg erreichen kann. Vor allem der Eiskogel, dessen Gipfel mit 30 Minuten Gehzeit von der Route angeschrieben ist, und das Glaskreuz an der Schartwand seien hier kurz erwähnt.
Fazit
Vor allem die Tauernscharte ist eine wahnsinnig schöne Erfahrung. Die Wege ziehen sich allerdings wirklich in die Länge und der einsame Weg rund um den Bleikogel ist in seiner meditativ einsamen Einöde zwar ein Erlebnis. Wie schön und erfahrenswert dieses Erlebnis tatsächlich ist, bin ich mir jedoch selbst unsicher. Auf alle Fälle freue ich mich, bei den nächsten Blicken auf das Tennengebirge die Erinnerung zu haben, es einmal erklommen zu haben.




tolle Tour und schöne Reportage, ich hab einen guten Eindruck bekommen, wie es da oben ist, wohin ich mich nur mal bei Skitouren „verirrt“ habe; eine große Sache – Gratulation; regt zum Nachahmen an