Vergleichsweise einfache Sommer-Hochtour als gemütliche Mehrtages-Hüttentour.
Eine durch Wanderbus und Seilbahn vergleichsweise leicht zugängliche Hochtour in den Stubaier Alpen, die keiner klettertechnischen Erfahrungen bedarf. Das Gebiet verspricht allerdings für alle alpinen Bedürfnisse erlebnisreiche Bergtouren, sei es eine Wanderung auf normalen Wegen von Hütte zu Hütte, oder doch lieber der Weg über Eis und schmalere oder breitere Felsgrate zum nächsten köstlichen Abendmenü. Am besten in einer gut eingespielten Gruppe, denn den Kaiserschmarrn von Wirtin Anna auf der Hildesheimer Hütte kann man nicht allein verspeisen!
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Den Postbus im Ötztal verlässt man in Sölden, am besten bei der “Gaislachkogelbahn Talstation”. Hier holt einen nämlich ein paar Minuten später der Wanderbus ab (Linie 54, talauswärts) Kostenpunkt: € 15,20,- nur Barbezahlung! Diese Info findet man leider nicht online. Zugegeben, der Preis macht einen zuerst stutzig. Mit einem guten Tempo bringt uns der Bus dafür fast 900 Meter weiter hoch, über eine zum Teil recht steile und enge Forststraße, die auch von Fahrradfahrer:innen genutzt wird. Im Busticket ist also eine Achterbahnfahrt integriert.
Tag 1 – Hüttenzustieg
Wir beginnen die Tour damit, nach der langen Anreise unsere Sachen im Rucksack zu ordnen. Wer das nicht an der Haltestelle machen möchte, kann auch gut 100 Meter zurücklegen, um das bei einer Stärkung im Gasthaus Figl auf der Windachalm zu erledigen. Für alle, die sich gegen den Wanderbus und für einen Aufstieg über die Wanderwege und Forststraße aus dem Tal entscheiden, stellt sie die perfekte Möglichkeit für eine Mittagspause dar!
Ansonsten bieten sich die weiten Almwiesen im Windachtal an, durch welche wir ein gutes Stück entlang des Forstweges und der Windache taleinwärts wandern. Nach etwa 3 Kilometern biegen wir am Wegweiser zur Hildesheimer Hütte links ab. Folgt man dem Talboden, gelangt man zwangsweise zur Siegerlandhütte über dem Talschluss.

Doch unsere Route führt uns nun endlich auf einen schönen Wanderweg. Mäßig steil zu Beginn wärmt man sich dabei von selbst für die spürbar steilere zweite Hälfte auf. Der Schweiß lohnt sich aber spätestens, wenn die Heidelbeersträucher beginnen, den Weg auf beiden Seiten zu säumen. Auch tierische Begleitung lässt nicht lange auf sich warten, viele Kühe und vor allem Schafe grasen in den südexponierten Hängen.



Folgt man den Markierungen und der Orientierung der Seilbahn, erblickt man ab dem kurzen Flachstück das Tagesziel, die Hildesheimer Hütte. Der letzte Anstieg hat es allerdings noch mal in sich, speziell durch das ganze Gepäck für die Hochtour am folgenden Tag. Essen gibt es ab 18 Uhr. Das ist ein guter Ansporn, um nochmal durchzubeißen und mit ein bisschen Zeit für eine Erholungspause dazwischen an der Hütte anzukommen.

Tag 2 – Wilder Pfaff und Abfahrt
Gestärkt von Abendmenü, Frühstück und guter Hüttengesellschaft, machen wir uns früh auf, um einen erfolgreichen Tourentag zu schaffen. Das Wetter der letzten Wochen hat immer wieder Schnee und Regen gebracht, so auch gestern und die Tage zuvor. Und auch heute soll sich das Wetter zum Nachmittag hin verschlechtern. Zudem fährt die letzte Gondel um 16:00 ins Tal (sh. Website für aktuelle Info), und wir möchten dazwischen noch unser auf der Hütte gelagertes Hab und Gut verstauen sowie einen Kaiserschmarrn schmausen!

Also heißt es Abmarsch! Hinunter zum Trinkwassersee und dahinter Einstieg in eine seilversicherte Querung eines Felsabschnittes. Im Anschluss geht es immer über Geröll und Schutt bis zum Rand des Pfaffenferners, zuerst noch kurz bergab bis zu einer Bachquerung, dann stetig bergauf.

ACHTUNG: Nach stärkeren Niederschlägen kommt es entlang des Weges vermehrt zu Steinschlägen. Aufgrund von Sicherheitsbedenken wurde der Weg deshalb nach unten verlegt, die Neuerung des Weges ist an den entsprechenden Kreuzungen gut markiert, unbedingt den neuen Markierungen folgen!

Man erreicht den Pfaffenferner nunmehr mittig, so hat sich auch hier die Aufstiegsroute vom Rand in die Mitte des flachen Gletschers verlagert. Auf Spalten ist dadurch etwas mehr Acht zu geben, größere Spalten waren für uns trotz Schnees gut sichtbar und überwindbar. Bevor man den Sulzenauferner erreicht, gilt es, ganz kurz das felsige Pfaffenjoch zu überwinden. Im Anschluss bei der ersten guten Möglichkeit wieder aufs Eis, um dann leicht bergan die rechts gelegene Flanke zu queren.


Das folgende Flachstück sollte man oberhalb der Spalten erreichen, um es dann flach in den Sattel zwischen Zuckerhütl und Wilder Pfaff zu durchqueren. Der Einstieg zum Gipfelaufbau des Wilden Pfaff sollte je nach Bedingungen gewählt werden. Die vorherrschenden guten Schneebedingungen ermöglichten uns ein einfaches Stapfen durch die immer steiler werdende Wand. Den Einstieg wählten wir jedoch über das Blockwerk, da eine Eiskante am unteren Hangende im Neuschnee schwer einzuschätzen war.

Zum Glück ist es nach dem Steilhang nicht mehr allzu weit, ansonsten hätte uns die nun deutlich verschlechterte Sicht die Gipfelträume verwehrt. Keine fünf Minuten steigen wir noch flach durch den Schnee und dann die letzten Höhenmeter über eingeschneite Felsblöcke zum Gipfelkreuz.

Aussicht gibt es keine, glücklicherweise auch keinen Wind. So kehren wir dennoch schnell dem Gipfel den Rücken zu, die Orientierung im Abstieg fällt uns aber spürbar leichter, da wir unseren Spuren sehr gut folgen können und keinen neuen Weg suchen müssen. Wir kommen nun auch deutlich schneller voran als gedacht, was den nach hinten verrutschten Zeitplan bis zur Hütte fast wieder korrigiert.

Rucksack packen und Kaiserschmarrn sind schlussendlich möglich – und Letzteres bitter nötig. Auch wenn die Hochtour vergleichsweise kurz war, hat sie uns trotzdem einiges an Kraft geraubt. Der tiefe Schnee machte den Aufstieg anstrengend, die warmen Temperaturen und die feuchte Luft den Abstieg sehr nass. Für den letzten Abschnitt, den man auch auf einen dritten Tag hinausschieben könnte, reichen die Reserven aber noch. Somit geht es im Anschluss an die kurze Hüttenpause nochmals hinaus in die wolkenverhangenen Felsen.
Über den gut versicherten Steig zum Falkengrat hinter den Wäscheleinen der Hildesheimer Hütte und den ausgesteckten Weg über den Gaiskarferner gelangen wir recht zügig zur Bergstation der Schaufeljochbahn. Von der rohen, schroffen Bergwelt der Stubaier Alpen wechseln wir nun in den weichen Sitz einer Gondel. Die Beine freuen sich, der Kopf sammelt viele Eindrücke. Das Panorama aus der Gondel ist ebenso weit wie von manchen Gipfeln ringsherum. Die menschlich stark geprägte Szenerie eine andere. Nichts desto trotz erreichen wir das Tal sehr angenehm. Drehkreuze gibt es keine, das Ticket für die Talfahrt ist nach Ankunft zu lösen.


Tipp
Diverse Erweiterungen der Tour bieten sich an, beispielsweise eine Runde über die Müllerhütte und die Sonklarspitze. Einen sanfteren Einstieg in die Stubaier Alpen bildet allerdings der Schussgrubenkogel im Aufstieg zur Schaufeljochbahn mit kurzer, leichter Kraxelei oder eine Verlängerung über die Siegerlandhütte und etwaige Nachbargipfel vorab. Wichtig ist dabei, sich über die aktuellen Bedingungen auf den Hütten zu informieren und Wetterumschwünge frühzeitig zu erkennen.



