Eine schweißtreibende Workout-Wanderung, die auf knapp 4000 Stufen zu einem Wasserstollen und weiter zum idyllischen türkisblauen Vermuntstausee im Montafon führt.
Während meines Vorarlberg-Urlaubs letztes Jahr, bei dem ich viel wandern war – u.a. beim Silvrettastausee, beim Glattmar und in der Bürser Schlucht, bin ich auch auf die Europatreppe 4000 gestoßen, die von Partenen im Montafon von der Ortschaft hinauf zur Bergstation der Vermuntbahn führt. Die Bahn ist im Winter in Betrieb um Wintersportler in Richtung Bielerhöhe zu befördern. Im Sommer herrscht Betriebspause und da kann die meistens unterhalb der Seilbahn verlaufende Treppe als Outdoor-Trainingsgerät genutzt werden. Die Europatreppe ist jährlich von 01. Juni bis 31.Oktober geöffnet. Beim Beginn der Treppe lassen sich auf der Ehrentafel die Streckenrekorde lesen. Jährlich wird der Montafoner Treppencup veranstaltet, bei dem sich zahlreiche Sportler:innen beim „größten Fitnessgerät der Welt“ beweisen. Die angegebenen Streckenrekorde liegen unter 30 Minuten! für rund 3.600 Stufen, 700 Höhenmeter und 1,5 Kilometer! Weitere Infos zum Event auf www.scspartenen.at
Mit Plan zum Berg – Personalisierte Fahrplanabfrage
Vom Ort Gaschurn, in dem meine Unterkunft liegt, fahre ich direkt mit dem Bus 650 bis zur Bushaltestelle Partenen Bergbahnen. Der Bus fährt weiter auf die Bielerhöhe zum Silvrettastausee (wohin ich später auch noch fahre). Der Bus 650 fährt ab der jährlichen Sommeröffnung der Silvretta-Hochalpenstraße (ca. Mitte Juni) täglich über die Mautstraße hinauf und hinunter – zwischen Schruns und Bielerhöhe. Es kann aufgrund von Straßensperren auch zu Änderungen des Fahrplans kommen. Im Jahr 2025 dürfte die Straße erst Mitte Juli geöffnet werden, da im Sommer 2024 massive Schäden durch Murenabgänge entstanden sind. Aktuelle Infos zur Straße findest du hier: https://www.silvretta-bielerhoehe.at/de/silvretta-hochalpenstrasse
Die Fahrplanabfrage/ -auskunft zeigt eventuelle Streckensperren auch an.

Von der Bushaltestelle ist es gar nicht mehr weit bis zum Treppenbeginn. Ich gehe in Richtung Seilbahn, die ich bald entdecke. Bei der Talstation kann ich (erstaunlicherweise, da sie nicht in Betrieb ist) noch das WC nutzen, bevor ich meine Wanderung so richtig starte. Hinter dem Gebäude ist schon eine Treppe in Sicht, die mit einem grünen Schild auf die Europatreppe verweist. Oben angelangt quere ich noch über eine nette Holzbrücke ein Bächlein und sehe auch schon die Europatreppe 4000. Ich lese mir die oben erwähnten Streckenrekorde und Infotafeln durch. Mal schauen, wie lange ich brauchen werde 😉


Europatreppe in Sicht; Ehrentafel. Fotos: Alice Frischherz
Stufe für Stufe
Es geht gleich ordentlich hinauf und so viel lässt sich sagen: Das Ende der Treppe ist noch lange nicht in Sicht. Die Treppe ist abwechselnd aus Betonstufen, Steinstufen und Gitterrost gebaut. Sie wurde übrigens einst als Versorgungsstrecke für den Bau des Stausees errichtet.


Aussicht auf Partenen; Auf Los geht’s los: Stufe für Stufe. Fotos: Alice Frischherz
Nach 500 Stufen, dann nach 1.000, nach 1.500 usw. gibt es motivierende Worte auf Infotafeln. „Weiter so!“ Zugegeben: mit der Zeit wird es etwas eintönig, aber der Verlauf der Treppe verändert sich immer wieder und außerdem: so schnell macht man sonst selten Höhenmeter! 😉


Impressionen Europatreppe. Fotos: Alice Frischherz


Bald im Ziel ;). Fotos: Alice Frischherz
Ungefähr 1:25 Std. nach meinem Start bin ich am Ende der Treppe angekommen – ich bin zufrieden und überlege, ob ich für 680hm bergauf schon mal so schnell unterwegs war – ich glaube nicht. Ich gönne mir oben angekommen eine Rast (auch dazwischen habe ich natürlich ein paar kurze Pausen eingelegt). Beim Ende der Treppe befindet sich die Bergstation der Vermuntbahn. Dort nutze ich die Gelegenheit und suche das WC auf, bevor es weitergeht. Alternativ könnte man rechtshaltend auch über einen Wanderweg wieder nach Partenen absteigen.
Abkühlung im Stollen
Ich folge den Wanderschildern in Richtung Vermuntstausee (1 ¼ Std.), Madlenerhaus, Bielerhöhe, Saarbrücker Hütte (Tromenier).


Oben angekommen geht’s weiter zum Stolleneingang. Foto: Alice Frischherz
Zunächst geht’s auf einer asphaltierten Straße weiter und bald führt mich der Weg zu einem Tunnel. Es ist der Stollen, durch den im Winter Kleinbusse fahren um Wintersportler auf die Bielerhöhe zu fahren. Das Rolltor ist geöffnet, die Ampel zeigt auf grün. Nachdem ich seit dem Beginn meiner Wanderung niemandem begegnet bin, muss ich gestehen, dass es ein seltsames Gefühl war in diesen Tunnel hineinzugehen. Ich hatte mich auch nicht genau informiert, wie lange man im „Dunkeln“ gehen wird, aber eine Stirnlampe hatte ich immerhin mit. Zu Beginn gibt es eine gute Deckenbeleuchtung, die Taschenlampe brauche ich erst nach einer Weile. Schnell wird es recht frisch und still, wobei man im Tunnel ganz andere Geräusche wahrnimmt als draußen. Es ist ein bisschen nass. An vielen Stellen tropft es von der Decke und am Rande der Fahrbahn fließt das Wasser.

Die Geräusche sind ein bisschen gruselig und so passiert es, dass mein Kopf mit mir durchgeht und ich mir alle möglichen Szenarien vorstelle, die aber alle nicht eintreffen. 😉 Etwas ausgekühlt komme ich nach ca. 30 Minuten und 2 Kilometer endlich wieder ins Freie. Die Sonne tut gut, sie wärmt mich gleich auf und ich freue mich außerdem Menschen zu sehen! Schon kurz vor dem Ende des Stollens habe ich Motorengeräusche auf der Straße gehört.

In etwa visasvis des Tunnelausgangs ist eine Parkbucht, wo gerade ein Pärchen ausgestiegen ist und mich fragt, woher ich komme 🙂 Nach der netten, kurzen Unterhaltung gehe ich bestens gelaunt weiter in Richtung Vermuntstausee.
Vermuntstausee
Es dauert nicht lange bis ich die Staumauer sehe, auf der ich, als ich beim See ankomme, zuerst entlang gehe.

Ich könnte hier schon zur nächsten Bushaltestelle Partenen Vermuntsee gehen, aber ich möchte den Stausee vorher noch umrunden – und das lohnt sich. Denn der Wanderweg rundherum ist sehr nett. Und die Aussicht einmalig! Ich staune über die türkisblaue Farbe des Sees und blicke auf die schneebedeckten Berge rundum.



Auf 1.700 Metern blüht der Löwenzahn später; Netter Wanderweg; Seespitz. Fotos: Alice Frischherz
Beim Seespitz angekommen gibt es wieder Wandertafeln: zur Bielerhöhe über das Madlenerhaus wären es 2 Stunden. Zur Saarbrücker Hütte (so heißt auch die Bushaltestelle, bei der ich später einsteige) sind es laut Tafel 2 ¾ Stunden. Ich dachte, dass das Gebäude direkt bei der Bushaltestelle die Saarbrücker Hütte wäre, das ist aber ein Gebäude, das zum Wasserkraftwerk gehört. Ich gehe zu eben diesem Haus weiter und warte dort auf den Bus. Bei der Haltestelle gibt es einen weiteren Tunneleingang, der vermutlich auch im Winter genutzt wird.

Weiterreise
Für mich geht’s mit dem Bus 650 hinauf auf die Bielerhöhe, wo ich den Silvrettastausee umrunde und auf den Bielerkopf wandere, bevor ich wieder retour in meine Unterkunft fahre.
Info und Fazit
Eine Wanderung, die man nicht so leicht mit anderen vergleichen kann!
In der Tourismusinformation Gaschurn kann man sich eine Urkunde abholen, wenn man die Europatreppe gemeistert hat. Ich habe das leider erst im Nachhinein gelesen.
Aktuell (2025) wird der Wasserstand beim Vermuntstausee und beim Silvrettastausee geplant gesenkt, da Bauarbeiten anstehen. Eventuell kann es zu Absperrungen kommen, Infos hier: https://www.silvretta-bielerhoehe.at/de/aktuelles#absenkung
Rückblick auf die anderen Touren, die ich während dieses Urlaubs gemacht habe:








