Den Schmittenstein, einen der markantesten Gipfel der Osterhorngruppe, aus der Taugl nach Gaißau zu überschreiten, war das Ziel dieser Unternehmung. Der weithin imponierende Gipfelaufbau ist bei Schneelage von allen Seiten nur etwas für verwegene Alpinisten!
Die Winter-Episode, die in der Osterhorngruppe Skitouren zulässt, war wieder vorbei. Ein ungetrübter Sonnentag stand bevor. So sollten und mussten Schneeschuhe zeigen, was sie können.
Obgleich mir ÖBB-scotty die Verbindung über Bad Vigaun anzeigt, steige ich schon in Hallein um.

Dort gibt es einen Bahnhof, in dem man 15 Minuten warten kann, ohne zu frieren. Das erste Mal fahre ich nun nicht mit dem Rad, sondern mit dem Bus 460 in die Taugl. Aufmerksam beobachte ich – als einziger Fahrgast – die Anzeige der Haltestellen, und drücke (Haltewunsch), nachdem wir „St. Koloman Tiefenbach“ passiert haben, um bei „Gmainweg“ die Tour zu starten. Der Bus hält dann erst in „St. Koloman Ortsmitte“. Der Chauffeur teilt mir sehr freundliche mit: Wenn Sie Gmainweg aussteigen wollen, müssen sie das vorher besprechen, sonst fahren wir diese Station nicht an.
(Die Verbindung direkt nach Sommerau gibt es nur in der Früh an Werktagen.)

Ich suche mir also den Abstieg in die Sommerau und weiter zum Hohen Steg und hinauf nach Kasbach.

Die schattige Straße ist, wie ich vermutet habe, stellenweise sehr eisig. Die Sonne hingegen hat die Wiesen dieses Weilers bereits fast völlig vom Schnee befreit.

Ich suche mir meinen Weg über die Wiesen und die Forststraße bis an die große Almwiese. Nun ist es Zeit für die Schneeschuhe.

Der Schmelzharschdeckel trägt noch, besonders in der Aufstiegsspur einstiger Tourengeher.
Der Grat, der dann an den Gipfelaufbau des Schmittensteins führt, zeigt die tiefen Stapfen einer Abstiegsspur, die Latschen dienen bei Gelegenheit (dies wird sich wiederholen) als Versicherungen.

Nach drei Stunden begrüße ich das prächtige Gipfelkreuz, und einen Wanderer, der mit SnowSpikes auf dem offenbar mehrfach begangenen und gut gespurten Steig vom Schlenken herüber gekommen war.

Ich hatte mich darauf eingestellt, dass der Abstieg durch die Rinne und die Querung auf der NW- und der N-Seite eisig sein könnten.

Sie war jedoch vom Schnee in eine einheitliche Flanke verwandelt worden, sodass ich den Wegverlauf nur ahnen konnte.
Schritt für Schritt durchschlagen die Schneeschuhe den Harschdeckel; jeder Schritt wird vorsichtig gesetzt, die Skistöcke (mit den Sommer-Tellern) werden tief versenkt.

Erneut wird die Latschenversicherung angepeilt und genutzt; da drüben ist es flacher… Die erste Kante ist erreicht. Und die Kante ist hart und abgeweht.

Dann geht es unter der N-Wand der Gipfelfelsen an die nächste Kante, wo mich Entspannung, Fußstapfen und die Sonne begrüßen. Offenbar hatten sich die Skitouristen, deren Spur ich nun bergab folgen konnte, nur bis hierher herauf gekämpft (an den „Abfahrtsgenuß“ will ich gar nicht denken).

Am Sattel, da keine weiteren Herausforderungen mehr zu erwarten sind, gibt es die verspätete, entspannte Sonnen-Mittagsrast.
Nun folge ich den Hinweisschildern „Lasserbauer“. Im dichten Wald kommen die Schneeschuhe auf den Rucksack, auf den Forststraßen sind sie wieder hilfreich.

An einer schönen Jagdhütte vorbei geht es über sonnige Wiesen zum großen Anwesen Lasserbauer.

Von hier sind es max. 20 Minuten auf Asphalt zur Endstation von Bus 450 (Reitlehen).

Diese Überschreitung wird im Winter wohl nicht viele Wiederholungen finden. Die „Scheitelstrecke“ ist ihr „Pferdefuß“. Sie bleibt bei Schneelage offenbar eine unberührte weiße Flanke, die zu begehen man – auch bei entsprechender Erfahrung – wollen muss. Die Asphaltpassagen sind, da sehr ruhig, wegen der schöne Linienführung der Überschreitung erstaunlich selbstverständlich in Kauf zu nehmen. Somit bleibt Taugl-Schmittenstein-Gaißau für schwindelfreie Alpinisten jedenfalls ein Tipp für schneefreie Zeiten.

Spannende Tour und im Winter sicher nicht ohne.
am Ende kann man sich eine gute Stunde vor Ankunft im Tal auch ein Tennengau shuttle zum Lasserbauer rufen, spart sich 2 km Wegstrecke und ist zeitlich flexibler!