Taugl – Schmittenstein – Gaißau: Eine alpine Schneeschuh-Überschreitung

Foto: Karl Plohovich

Den Schmittenstein, einen der markantesten Gipfel der Osterhorngruppe, aus der Taugl nach Gaißau zu überschreiten, war das Ziel dieser Unternehmung. Der weithin imponierende Gipfelaufbau ist bei Schneelage von allen Seiten nur etwas für verwegene Alpinisten!
Die Winter-Episode, die in der Osterhorngruppe Skitouren zulässt, war wieder vorbei. Ein ungetrübter Sonnentag stand bevor. So sollten und mussten Schneeschuhe zeigen, was sie können.

Obgleich mir ÖBB-scotty die Verbindung über Bad Vigaun anzeigt, steige ich schon in Hallein um.

Zeit zum Schauen und Staunen – Untersberg-Südseite aus dem Zug. Foto: Karl Plohovich
Zeit zum Schauen und Staunen – Untersberg-Südseite aus dem Zug. Foto: Karl Plohovich

Dort gibt es einen Bahnhof, in dem man 15 Minuten warten kann, ohne zu frieren. Das erste Mal fahre ich nun nicht mit dem Rad, sondern mit dem Bus 460 in die Taugl. Aufmerksam beobachte ich – als einziger Fahrgast – die Anzeige der Haltestellen, und drücke (Haltewunsch), nachdem wir „St. Koloman Tiefenbach“ passiert haben, um bei „Gmainweg“ die Tour zu starten. Der Bus hält dann erst in „St. Koloman Ortsmitte“. Der Chauffeur teilt mir sehr freundliche mit: Wenn Sie Gmainweg aussteigen wollen, müssen sie das vorher besprechen, sonst fahren wir diese Station nicht an.
(Die Verbindung direkt nach Sommerau gibt es nur in der Früh an Werktagen.)

Der „Bedarfshalt“ nur zum Aussteigen, mit Blick auf Kasbach und Schlenkensteinalm. Foto: Karl Plohovich
Der „Bedarfshalt“ nur zum Aussteigen, mit Blick auf Kasbach und Schlenkensteinalm. Foto: Karl Plohovich

Ich suche mir also den Abstieg in die Sommerau und weiter zum Hohen Steg und hinauf nach Kasbach.

Immer wieder beeindruckend: Hoher Steg – Geländer mit Tauglblick. Foto: Karl Plohovich
Immer wieder beeindruckend: Hoher Steg – Geländer mit Tauglblick. Foto: Karl Plohovich

Die schattige Straße ist, wie ich vermutet habe, stellenweise sehr eisig. Die Sonne hingegen hat die Wiesen dieses Weilers bereits fast völlig vom Schnee befreit.

Göllblick vor dem Weiler Kasbach. Foto: Karl Plohovich
Göllblick vor dem Weiler Kasbach. Foto: Karl Plohovich

Ich suche mir meinen Weg über die Wiesen und die Forststraße bis an die große Almwiese. Nun ist es Zeit für die Schneeschuhe.

Schlenkensteinalm; links ein bemerkenswerter Jägerstand. Foto: Karl Plohovich
Schlenkensteinalm; links ein bemerkenswerter Jägerstand. Foto: Karl Plohovich

Der Schmelzharschdeckel trägt noch, besonders in der Aufstiegsspur einstiger Tourengeher.

Der Grat, der dann an den Gipfelaufbau des Schmittensteins führt, zeigt die tiefen Stapfen einer Abstiegsspur, die Latschen dienen bei Gelegenheit (dies wird sich wiederholen) als Versicherungen.

Der Grat vom der Schlenkensteinalm zum Gipfelaufbau des Schmittensteins. Foto: Karl Plohovich
Der Grat vom der Schlenkensteinalm zum Gipfelaufbau des Schmittensteins. Foto: Karl Plohovich

Nach drei Stunden begrüße ich das prächtige Gipfelkreuz, und einen Wanderer, der mit SnowSpikes auf dem offenbar mehrfach begangenen und gut gespurten Steig vom Schlenken herüber gekommen war.

Gipfelglück. Foto: Karl Plohovich
Gipfelglück. Foto: Karl Plohovich

Ich hatte mich darauf eingestellt, dass der Abstieg durch die Rinne und die Querung auf der NW- und der N-Seite eisig sein könnten.

Das erste Stück – im Hintergrund Watzmann und Hochkalter, davor der Schlenken. Foto: Karl Plohovich
Das erste Stück – im Hintergrund Watzmann und Hochkalter, davor der Schlenken. Foto: Karl Plohovich

Sie war jedoch vom Schnee in eine einheitliche Flanke verwandelt worden, sodass ich den Wegverlauf nur ahnen konnte.

Schritt für Schritt durchschlagen die Schneeschuhe den Harschdeckel; jeder Schritt wird vorsichtig gesetzt, die Skistöcke (mit den Sommer-Tellern) werden tief versenkt.

Die NW-Seite im Rückblick. Foto: Karl Plohovich
Die NW-Seite im Rückblick. Foto: Karl Plohovich

Erneut wird die Latschenversicherung angepeilt und genutzt; da drüben ist es flacher… Die erste Kante ist erreicht. Und die Kante ist hart und abgeweht.

Die N-Seite - Blick in die Gaißau. Foto: Karl Plohovich
Die N-Seite – Blick in die Gaißau. Foto: Karl Plohovich

Dann geht es unter der N-Wand der Gipfelfelsen an die nächste Kante, wo mich Entspannung, Fußstapfen und die Sonne begrüßen. Offenbar hatten sich die Skitouristen, deren Spur ich nun bergab folgen konnte, nur bis hierher herauf gekämpft (an den „Abfahrtsgenuß“ will ich gar nicht denken).

Der Grat hinunter zum Sattel und das erste Stück Richtung Lasserbauer. Foto: Karl Plohovich
Der Grat hinunter zum Sattel und das erste Stück Richtung Lasserbauer. Foto: Karl Plohovich

Am Sattel, da keine weiteren Herausforderungen mehr zu erwarten sind, gibt es die verspätete, entspannte Sonnen-Mittagsrast.

Nun folge ich den Hinweisschildern „Lasserbauer“. Im dichten Wald kommen die Schneeschuhe auf den Rucksack, auf den Forststraßen sind sie wieder hilfreich.

Besser mit Schneeschuhen. Foto: Karl Plohovich
Besser mit Schneeschuhen. Foto: Karl Plohovich

An einer schönen Jagdhütte vorbei geht es über sonnige Wiesen zum großen Anwesen Lasserbauer.

Beim Lasserbauer - Untersbergblick. Foto: Karl Plohovich
Beim Lasserbauer – Untersbergblick. Foto: Karl Plohovich

Von hier sind es max. 20 Minuten auf Asphalt zur Endstation von Bus 450 (Reitlehen).

„Da komm ich her“: die NW- Seite des Schmittensteins und das Sattelköpfl. Foto: Karl Plohovich
„Da komm ich her“: die NW- Seite des Schmittensteins und das Sattelköpfl. Foto: Karl Plohovich

Diese Überschreitung wird im Winter wohl nicht viele Wiederholungen finden. Die „Scheitelstrecke“ ist ihr „Pferdefuß“. Sie bleibt bei Schneelage offenbar eine unberührte weiße Flanke, die zu begehen man – auch bei entsprechender Erfahrung – wollen muss. Die Asphaltpassagen sind, da sehr ruhig, wegen der schöne Linienführung der Überschreitung erstaunlich selbstverständlich in Kauf zu nehmen. Somit bleibt Taugl-Schmittenstein-Gaißau für schwindelfreie Alpinisten jedenfalls ein Tipp für schneefreie Zeiten.

Tourdaten

Die Route in Zahlen:   7:00 Std Schneeschuh   1.100 HM   1.100 HM   15.5 km   GPX Track

Ein Kommentar

  1. Spannende Tour und im Winter sicher nicht ohne.
    am Ende kann man sich eine gute Stunde vor Ankunft im Tal auch ein Tennengau shuttle zum Lasserbauer rufen, spart sich 2 km Wegstrecke und ist zeitlich flexibler!

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