Der Talschluss der Taugl, der Tauglboden mit seinen wilden Gräben, Schluchten und Wandfluchten wird von zehn Gipfeln umrahmt. Schon länger arbeitete es in mir: Kann man an einem einzigen Tag all diese Gipfel überschreiten?
Es gibt eine Zeit des Überlegens, des Planens, des Erwägens, des Verwerfens. Und es gibt eine Zeit des Ausprobierens: Am 28. Mai 2026 wollte ich es wissen.
Mit Plan zum Berg – Personalisierte Fahrplanabfrage
Wenn man Ende Mai aufsteht, bevor der erste Vogel sein Lied in den noch dunklen Morgen singt, dann hat man etwas Besonderes vor … Um 5 Uhr fährt mein Zug ab: Hallein, dann Bus 460 nach St. Koloman. „Bitte bis zum Gmainweg“ – sage ich zu meinem Privatchauffeur; nur dann nämlich fährt er auch diese Haltestelle an.
Nun folgt der „logistisch“ schwierigste Teil der Tour, den ich über mehrere Tage „recherchiert“ habe: Wie komme ich von der letzten ÖFFI-Haltestelle hinauf zur Enzianhütte?
Es gibt sicher auch andere Möglichkeiten, meine Variante will möglichst wenig Asphalt, und will möglichst wenig Wiesen oder Weiden durchwandern – um Grundeigentümern und mir (und BzB) Unannehmlichkeiten zu ersparen.
Vom Gmainweg geht es hinunter, am Hotel Sommerau vorbei und dann hinauf in die Siedlung Hinterbichl. Man folgt der Straße bis an den Waldrand.

Dort beginnt ein alter, guter Zugweg. Man folgt diesem – er wird zu einem Pfad – bis an eine große Wiese, die man aber nur tangiert:

Am Waldrand kurz entlang, bis zu einem „Knusperhäuschen“.

Dort geht es wieder auf einem alten Forstweg eben in den Wald bis man, schließlich auf schmalem Pfad, über die Böschung absteigend eine breite Forststraße erreicht.

Dieser folgt man und erreicht schließlich die Mautstelle der Trattberg-Straße.
Nun ist wieder – unvermeidlich – Asphalt angesagt (ca. 1 Kilometer), bis ein gelber Wegweiser erlösend den „Almweg“ ankündigt auf dem man, die Straße mehrfach querend, die Enzianhütte erreicht.


Nun – zum letzten Mal – eine kurze Asphaltstrecke, und über schöne Almwiesen und guten, breiten Weg hinauf zum Trattberg (1.757 Meter): die erste Zacke der Krone ist erreicht.

Die Etappe hinunter zur Hintertrattbergalm führt zunächst über eine wunderbare weite Almfläche (Oberalm) und dann einen teilweise steilen Steig.

Nun sucht man sich den besten Weg auf den sehr einsamen, kaum besuchten, Frunstberg (1.673 Meter), der sich über Abwechslung sicherlich freut (Titelfoto). Meine Spur (Track) hat sich als gut gangbar erwiesen; der einzige unmarkierte Zacken der Tauglkrone ist erreicht.
Am ausgetretenen Weg dann auf den Hohen First (1.718 Meter) …

… und gleich weiter auf den nahen Dürlstein (1.697 Meter).

Der Grat zum Gruberhorn (1.732 Meter) wartet mit einigen – je nach Stimmung willkommenen! -„Schikanen“ auf und verteidigt den Gipfel mit mehreren Schultern.



Der Grat zum Regenspitz (1.675 Meter) hatte schon meine Schneeschuhe kennen gelernt. Nun lädt mich eine bankähnliche Felsstufe nahe der tiefsten Stelle des Grates zur ersten Rasten ein. Es ist ja schon gegen Mittag! Um den Füßen und Gelenken mehr Freiheitsgrade und dem Gehirn mehr Abwechslung zu gönnen, hole ich meine Barfußschuhe aus dem Rucksack, die mir bis unter den Schlenken dienen werden.

Am schönen Gipfelkreuz vorbei geht es zur Bergalm, deren Gastronomie zu nutzen sich nahe legt. Es soll ja nicht nur um die Leistung, sondern auch ein wenig ums Genießen gehen.

Es fielen mir zwei Zacken aus der Krone, wollte ich nun auf Almwegen gleich hinüber zum Schmittenstein gehen. Also:
Gestärkt und schon recht entspannt – zwei Drittel der Höhenmeter und mehr als die Hälfte der Kilometer hab ich schon in den Beinen – geht es auf das Bergköpfel, mit seinen1480m deutlich niedriger als die bisherigen Zacken.

Beim Abstieg suche ich auf der Almwiese den Schatten einer großen Fichte auf – 20 Minuten Schläfchen: welch Wohltat!
Der Rosi-Berti Steig auf das Sattelköpfel (1.478 Meter) regt – ob seiner Sprüche, die ich nur z.T. lese – immer wieder zum Schmunzeln an.


Schließlich muss ich mich dem letzten großen Aufstieg stellen: mehr als 400 Höhenmeter trennen mich vom Gipfel des Schmittensteins (1.679 Meter). Unter der Gipfelpyramide bleibt der Rucksack zurück: zum Kreuz hinauf ist es ja eine „Sackgasse“; ich komme gleich wieder vorbei.



Der Abstieg in den Sattel zum Schlenken wartet, obwohl sichtlich viel begangen, noch mit großen Stufen und Seilgeländern auf.
Den Schuhwechsel nütze ich auch zu einer Jausenpause – und gegen 17:20 Uhr stehe ich unter dem Gipfelkreuz von Kronenzacke Nr. 10: Der Schlenken (1.648 Meter) ist der bei weitem meistbesuchte Gipfel dieser Runde: beim Abstieg über die Jägernase kommen mir noch Wanderer und Läuferinnen entgegen!
Nun befrage ich Scotty nach einem passenden Bus – und kann es gar nicht glauben, dass ich 70 Min später – wieder mal als einziger Fahrgast – dem Chauffeur der Linie 450 stille Gesellschaft leiste.

rot: Schlenken-Schmittenstein-Sattelköpfel (versteckt)-Bergköpfel-Regenspitz-Gruberhorn-Dürlstein-Hoher First-Frunstberg-Trattberg; gelb: Enzianhütte; Ausgangspunkt in der Sommerau. Foto: Karl Plohovich
Fazit
Ich hatte Glück: Ich war an einem Wochentag unterwegs: die mögliche Startzeit ist bis zu zwei Stunden früher als am Wochenende! An Sonntagen ist das mögliche „ÖFFI-Zeitfenster“ nur 13,5 Stunden, unter der Woche bis zu 16 Stunden! (Man könnte vom Gipfel des Schmittensteins auch das Tennengau Shuttle (0662 265500) zu rufen versuchen: „Bitte holen sie mich in 2 ½ Stunden – dies sollte sich zeitmäßig ausgehen – von der Zillreith ab.“ Man erspart sich ca. 2 km Asphalt. Als „Alleingänger“ verzichte ich puristisch auf diesen Luxus.)
Das Wetter war niederschlagsfrei (leichterer Rucksack!) und viele Stunden bewölkt. Wie wäre es unter praller Sonne oder mit Regenschauern gewesen?
Die Abwechslung der Schuhe tat gut; hätte ich die Wanderstöcke doch nicht „einsparen“ sollen?
Der große Trinkbeutel mit Trinkschlauch spart Rastzeiten, speziell, da leider bei der herrschenden Trockenheit die erhofften Tränken auf den Almen stumm und leer waren. Nur knapp vor der Abzweigung zum „Almsteig“ (Mautstraße) und auf der Bergalm hätte ich bei einem Brunnen gratis nachfüllen können.
Die Möglichkeit, auszubüxen (nach Lämmerbach; nach Hintersee; in die Gaißau) nimmt den Druck, sich die ganze Krone auf einmal aufsetzen zu müssen.
Solche Unternehmungen stellen so manche Frage, auch die, ob sie sich zur Veröffentlichung hier eignen. Aber vielleicht gibt es ja andere, die „es auch wissen wollen!?“




[…] So manche Äste auf dem Weg lassen mich vermuten, dass ich der erste bin, der nach dem Winter hier unterwegs ist: romantisch bis wildromantisch schlängelt er sich – ohne irgendeine Sicherung – fast durchwegs auf der Höhenschichtenlinie, in alle Falten und Wasserläufe der Hänge: eine gefältelte Halskrause, unterhalb der „Krone“ (https://www.bahn-zum-berg.at/salzkammergut-berge/die-tauglkrone/). […]