Almglück und Märchentanne: Ein Feichtenstein-Wandertag

Foto: Karl Plohivich

Wer sich mit dem Bus 157 dem Ort Hintersee nähert, kann seine Aufmerksamkeit fasziniert der Felswand zuwenden, die mitten in den bewaldeten „Hügeln“ emporragt. (Als Wiener kommt mir sofort der Peilstein in den Sinn.)
Bei unserer Wanderung wird der imposante Feichtenstein von Lämmerbach kommend über vier Almen nach Hintersee überschritten. Die Route verläuft auf – teilweise nicht markierten – Wanderwegen und in kurzen Teilen auf Forststraßen. Keinerlei ausgesetzte Passagen treiben den Puls in die Höhe. Dies könnte allerdings der „Märchentanne“ (Titelfoto) gelingen – jedoch nicht vor Angst, sondern vor atemlosen Staunen.

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Kurz nach 7 Uhr steige ich in Lämmerbach aus dem Bus 157. Immer wieder ist die gut getaktete Anbindung der Ausgangspunkte für Wanderungen in diesem Teil der Osterhorngruppe erfreulich: hier ist Öffi-Wandern in vorbildlicher Weise leicht gemacht!

Die Wildbachverbauung ist mittlerweile fertig. Auf Asphalt geht es in wenigen Minuten zum Beginn der Mautstraße auf die Genneralm. Dieser folgen wir ein paar Schritte hinauf und dann -unmarkiert – gleich rechts, eine Allee entlang zu einem verträumt-verlassenen Gehöft mit Kapelle (Weberkapelle). Die perfekte Filmkulisse – sagt meine Fantasie… Der deutliche Steig führt weiter durch hohes Gras – die Wiese wird offenbar weder gemäht noch beweidet – in den Wald.

Als Kinder hätten wird dieses Wegstück als „Indianerschleichpfad“ betitelt. Über ein kleines Brücklein geht es ans andere Ufer des romantischen Gruberbaches und bald quert man die breite Zufahrt zur Alm. Auf der anderen Seite der Straße führt dieser „Alte Almweg“ – nun markiert – im Wald weiter bergan, zunächst über felsigen Untergrund.

Nähert man sich der Alm, kann man verschiedene „Ausstiege“ aus dem Wald wählen. Ich gehe geradeaus und trete auf die Gruberalm, die majestätisch vom Dreigestirn Gennerhorn-Gruberhorn-Regenspitz beschützt wird. Kaum eine Stunde ist vergangen. Jede der Hütten lädt mit Bewirtung zum Rasten ein. Der Qual der Wahl entkomme ich: es ist noch zu früh…

Die morgendliche Gruberalm. Foto: Karl Plohivich
Die morgendliche Gruberalm. Foto: Karl Plohovich

An der ersten Hütte rechts vorbei, dem Wiesenpfad folgend, durch die Gebäude der nächsten Hütte hindurch (zur Rechten eine Schweinekoppel) und am Zaun eben dem Waldrand entgegen. Hier wird die Alm offenbar nicht mehr bestoßen: Brombeeren, Disteln (Schmetterlingsnahrung!) und Farne haben – so auch auf weiten Teilen der Feichtensteinalm – die Regie übernommen.

Kinderspielplatz Bachbettquerung. Foto: Karl Plohivich
Kinderspielplatz Bachbettquerung. Foto: Karl Plohovich

Der Weg zur Feichtensteinalm ist zunächst nur leicht ansteigend. Bachbett-Gräben ausquerend und durch schönen Hochwald stößt man auf einen Zugweg. Dieser leitet dann deutlich steiler hinauf an den Waldrand zu einem Fahrweg. Diesem folgend gelangt man in einen weiten Sattel. Wieder meldet sich meine Fantasie: „Ein Gipfelkreuz gehört zu einem richtigen Wandertag“ – sagt sie zu den Kindern. Die links ansetzenden Fahrspuren über die Almwiese leicht bergab, durch einen Waldstreifen, und dann „der Nase nach“ dem Gipfelkreuz und dem Gipfelblick entgegen (ca. 1 Stunde von der Gruberalm).

Wer könnte sich nicht in die Dankbarkeit der Heimkehrer hineindenken? Hintersee. Foto: Karl Plohivich
Wer könnte sich nicht in die Dankbarkeit der Heimkehrer hineindenken? Hintersee. Foto: Karl Plohovich
Sommerlicher Feichtensteinalm–Bewohner in voller Schönheit. Foto: Karl Plohivich
Sommerlicher Feichtensteinalm–Bewohner in voller Schönheit. Foto: Karl Plohovich

Natürlich könnte man nun auf der Almstraße nach Hintersee absteigen. Aber meine Fantasie-Kindegruppe geht aus dem Sattel weiter zu den Almhütten.

Der weite Sattel; Feichtensteinalm mit dem Dreigestirn. Foto: Karl Plohivich
Der weite Sattel; Feichtensteinalm mit dem Dreigestirn. Foto: Karl Plohovich

Auch hier könnte man sich bewirten lassen – und an der Wand einer Hütte gedeihen auf 1200m Marillen!

Wir folgen dem markierten Steig hinüber zur Bergalm. Zunächst quert man am besten fast eben die Wiese um dann im kühlen Wald unter dem Regenspitz in leichtem Auf und Ab zur nächsten Einkehrmöglichkeit, der Bergalm (Neureithütte und Bergalm) zu gelangen. Meine Fantasie-Kindergruppe nützt hier auch den Spielplatz (eine gute Stunde von Alm zu Alm).

 Ich aber habe heute noch etwas vor und gehe auf dem Wanderweg gleich bergab. (Er ist hier auch die markierte MTB-Route; bis zur Forststraße ganz schön wild für Räder.) Bald kann, wer will, eine Kehre über einen Steig (unmarkiert) abkürzen und erreicht in der nächsten Kehre wieder die Almstraße (es gibt einen Durchlass durch den elektrischen Almzaun). Nun kurz der Straße folgen, bis von rechts her ein bewachsener Forstweg (Radfahrverbot; unmarkiert) einmündet.

Diesem folgen wir ohne Gefälle fast bis zu seinem Ende. Es bedarf einiger Aufmerksamkeit, um den Zugweg zu entdecken, der links in den Wald hinunter leitet.
Jetzt könnte sich der Puls beschleunigen: nach kurzer Zeit tritt meine Kindergruppe auf die Wiesen der Unteren Tiefenbachalm. Zur linken ragt ein Gebirge von Baum empor, wie man es wohl noch nie gesehen hat: erst wer sich vorsichtig, mit ehrfürchtigem Schritt, unter diesem Baum befindet, wird vollständig von der Vitalität dieses jahrhundertealten Mitgeschöpfs ergriffen… Wieder schlägt meine Fantasie Purzelbäume: die Kindergruppe setzt sich auf eine Decke und lauscht im Schatten der Tanne einer Märchenerzählerin, um nachher eine Reigen zu tanzen…

Auf diese Weise gestärkt geht es den Almweg hinab und, an der renovierten, großen Almhütte vorbei (Krapferalm heißt sie auf der OpenStreetMap), nochmals in den Wald. Für den Abstieg ins Tal wählt unsere Kindergruppe natürlich das „Wasserwunder Tiefenbach“ (https://www.outdooractive.com/de/poi/fuschlsee/waldwasserzauber-hintersee/55885525/). Und zur Ortschaft und zur Busstation wird man den Josef-Mohr-Weg mit seinen Stationen wählen (https://www.wanderdoerfer.at/salzburg/wanderweg/joseph-mohr-gedenkweg-hintersee/). Gilt es noch die Zeit bis zur Abfahrt des Busses zu überbrücken, kann man das Selbstbedienungs-Dorfhäusl (https://www.gastroacker.com/standorte-dorfhaeusl/), das Gasthaus oder die Kirche besuchen.

Diese Wanderung könnte sich als Familienausfug, mit einer motivierten Kindergruppe als Schulausflug oder auch als kleiner Trail-Run eignen. Beide Richtungen sind möglich. Die vorgestellte Variante hat für mich den Vorteil, dass sich die Vorfreude auf die Begegnung mit der Märchentanne länger dehnen lässt.

P.s.: So manche Etappe dieses Wandertags habe ich bereits, zu anderer Jahreszeit, beschrieben:

Tourdaten

Die Route in Zahlen:   5:00 Std Wandern   550 HM   600 HM   15 km   GPX Track

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