Für den kürzesten Tag im Jahr habe ich mir eine der längsten Touren des Jahres vorgenommen: Zwischen den Schnellzugstationen Semmering und Mürzzuschlag verläuft sie 21 Kilometer lang über Pinkenkogel, Kampalpe, Tratenkogel und Große Scheibe. Meine Winterwanderung kontrastiert witterungsmäßig mit der Wanderung von Martin Heppner im Juli 2019. Aber nicht so, wie es sich für einen „ordentlichen“ Winterbeginn gehören würde: Ich lasse heute sogar die Grödeln im Rucksack, meistens braucht man sie auf Teilen der Strecke im Winter doch.

Aber um ohne Hetzerei bei Tageslicht am Ziel zu sein, nehme ich den ersten Schnellzug aus Wien, der ist um 7:39 am Semmering. Vom Bahnhof führen einige Wege in Richtung Pinkenkogel, der rascheste führt links um die neugotische Kirche „zur Heiligen Familie“.

Am Ende des Anstiegs entscheide ich mich gegen den Weg über den Pinkenkogel mit dem leider verwahrlosten Pinkenkogel-Schutzhaus und für den kürzeren Weg über die Forststraße. Beim schönen Schneeberg- und Raxblick und der Abzweigung in Richtung Kampalpe treffen die Wege wieder zusammen.

Obwohl am Weitwanderweg 01a vom Pinkenkogel bis zur großen Scheibe, treffe ich an diesem Sonntag erst bei der Kampalpe und später bei der Scheiben-Hütte andere Wanderer.

Ich genieße die recht attraktiven Waldwegen, großteils nahe dem Kamm, und die zahlreichen schönen Ausblicke über das Mürztal zum Sonnwendstein, Stuhleck und Pretul sowie Schneeberg, Rax, Schneealpe und bei guter Sicht noch weiter.

Der Aussichtsplatz Kampalpe lädt zur Jause ein, etwa der halbe Weg ist geschafft.


Der weitere Wegverlauf ist gut markiert, doch am Tratnerkogel hat der Sturm die Markierungen zerstört, der Weg führt deutlich sichtbar (s. Foto!) den Kamm bergab. 300 Meter nach der Schmidelruhe gabelt sich die en Forststraße. Hier gehe ich gleich wie Martin 2019 rechts leicht ansteigend ca. 200 Meter,

dann aber rechts den mit roten Herzen markierten schmalen Waldweg nördlich des Beeralpkopfes weiter.

An dessen Ende ist es nur mehr eine Viertelstunde bis zur Großen Scheibe mit einer wunderbaren Aussicht über fast 200 Kilometer. Die Scheiben-Hütte ist wie fast jedes Wochenende bewirtschaftet, hier gönne ich mir eine längere Pause. Es gibt hier nur eine schlichte Speisenauswahl (Suppe, Würstel und einen Kuchen), aber man darf Mitgebrachtes verzehren.

Bergab starte ich etwa anderthalb Stunden vor einem Schnellzug: zuerst am Weg 822 bis zu einer Forststraße, dort – kürzer und abwechslungsreicher als auf dem markierten Weg – halbrechts auf der Forststraße zuerst sanft bergab. Nach der Linkskurve führt mit Fähnchen markiert ein schmaler Waldweg bergab, der auf 1.100 Metern auf den Weg 821 trifft.


Am Schluss komme ich heute doch noch ein wenig in den Nebel, aber oft habe ich hier die Nebelgrenze bei rund 1.000 Metern erlebt. Die letzten Meter durch die Siedlung geradeaus bergab zum Bahnhof Mürzzuschlag verlaufen großteils auf Asphalt. Dort lande ich 15 Minuten vor der Abfahrt des Retourzuges.
Fazit
Technisch gibt es keine Schwierigkeiten, doch die Länge und vielen Höhenmeter verlangen gute Grundkondition. Unter der Woche könnte man bei mehr Tageslicht auch weiter nach Kapellen im Mürztal wandern.
Info zur Einkehr auf der Scheiben-Hütte an den meisten Wochenenden und Feiertagen: Meist nur schlichte Speisenauswahl (Suppe, Würstel und einen Kuchen), mitgebrachte Jause darf verzehrt werden.
