Frühsommerliches Bergerlebnis am Weg von Semmering nach Prein an der Rax

Foto: Barbara Wanzenböck

Wunderschöne und nicht allzu anstrengende Streckenwanderung im Semmeringgebiet.

Seit ich diese Tour auf dem Portal von „Outdooractive“ entdeckt habe, will ich sie selbst ausprobieren, habe mich aber zunächst vom Schienenersatzverkehr auf der Semmering-Strecke abschrecken lassen (er endet am 29. Mai). Aber dann entdecke ich, dass der Railjet um 10:24 vom Hauptbahnhof mich um 11:39 auf dem Semmering aussteigen lässt, und der letzte Bus in Prein am Sonntag um 16:59 fährt. Die 5 ¼ Stunden sollten für die 12 Kilometer lange Strecke eigentlich locker ausreichen.

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Bahnhof Semmering. Foto: Barbara Wanzenböck
Bahnhof Semmering. Foto: Barbara Wanzenböck

Start am Bahnhof Semmering

Ich starte an einem Sonntag Anfang Mai am Bahnhof Semmering und gleich hinter dem Bahnhof beginnt der Fußweg, der in Serpentinen zur Südbahnstraße hinaufführt. Auf einem der vielen Wegweiser ist Prein bereits angeschrieben, aber die Zeitangabe von 5 ¼ Stunden macht mich etwas nervös, denn normalerweise ist auf solchen Schildern die reine Gehzeit angegeben. Ich beschließe daher, meine Pausen eher kurz zu halten, um den letzten Bus nicht zu versäumen.

Ein Abschneider beim Südbahnhotel. Foto: Barbara Wanzenböck
Ein Abschneider beim Südbahnhotel. Foto: Barbara Wanzenböck

Vom Bahnhof weg geht’s jetzt ca. 1,5 Kilometer über asphaltierte Wege bis zum spektakulären Südbahnhotel. Ab hier kann man das letzte Straßenstück auf einem Fußweg über Privatgrund umgehen und landet bei einem kleinen Parkplatz an der Hochstraße. Hier halte ich mich rechts und nach wenigen Metern zweigt bei der Einmündung der Friedrich Schüler Straße etwas versteckt vor der kleinen Villa der Fußweg mit dem Namen „Meiereiweg“ ab.

Gemütlicher Meiereiweg. Foto: Barbara Wanzenböck
Gemütlicher Meiereiweg. Foto: Barbara Wanzenböck

Ab hier wird’s richtig schön und ich spaziere gemütlich über den wunderschön und annähernd eben angelegten Waldweg bis zum Golfplatz. Man kann sich gut vorstellen, wie hier vor über hundert Jahren die Sommerfrischler flaniert sind.

Blick Richtung Schneeberg und Rax. Foto: Barbara Wanzenböck
Blick Richtung Schneeberg und Rax. Foto: Barbara Wanzenböck

Immer wieder bieten sich tolle Ausblicke in Richtung Schneeberg und Rax. Nach der Querung einer kleinen Straße erreiche ich bald den oberen Rand des Golfplatzes, auf dem wohl ehemals Kühe weideten.

Die ehemalige Meierei. Foto: Barbara Wanzenböck
Die ehemalige Meierei. Foto: Barbara Wanzenböck

Aus der seinerzeitigen Meierei wurde das Zentrum der Golfplatzanlage.  Hier empfiehlt es sich, immer am markierten Weg zu bleiben und nicht – so wie ich – einen Abschneider durch den Wald zu nehmen, denn dabei fliegen mir tatsächlich Golfbälle um den Kopf.

Am Weg in den Adlitzgraben. Foto: Barbara Wanzenböck
Am Weg in den Adlitzgraben. Foto: Barbara Wanzenböck

Hinter dem Golfplatz wird’s dann richtig schön einsam und der Weg führt in den Adlitzgraben. Hier zweigt der Weg links ab und es beginnt der sanfte Aufstieg auf den Alpkamm.

Aufstieg zum Aussichtsplatz. Foto: Barbara Wanzenböck
Aufstieg zum Aussichtsplatz. Foto: Barbara Wanzenböck

Tini-Rast, Kalte Rinne und Gaiskircherl

Auch dieses Wegstück ist perfekt angelegt und führt mich mit recht wenig Anstrengung durch einen schönen Föhrenwald zum wunderbaren Aussichtsplatz namens „Tini-Rast“ mit Tisch und Bankerl.

Aussichtsplatz „Tini-Rast“. Foto: Barbara Wanzenböck
Aussichtsplatz „Tini-Rast“. Foto: Barbara Wanzenböck

Hier halte ich meine Mittagsrast und kann wie bei einer Modelleisenbahnanlage die Züge beobachten, die im Wolfsbergtunnel verschwinden. Und ganz hinten kann man das Südbahnhotel erkennen.

Kalte Rinne. Foto: Barbara Wanzenböck
Kalte Rinne. Foto: Barbara Wanzenböck

Weiter geht’s jetzt wieder leicht bergab in den Graben der „Kalten Rinne“, der heute alles andere als kalt ist. Da das markierte Wegerl, das die Straßenkehre abkürzen würde, offiziell immer noch gesperrt ist (obwohl der Windbruch offensichtlich bereits entfernt wurde), wähle ich die Route über die Straße und nach 10 Minuten bin ich am Einstieg in den Fußweg, der unter den Falkensteinwänden entlangführt.

Weg entlang der Falkensteinwand. Foto: Barbara Wanzenböck
Weg entlang der Falkensteinwand. Foto: Barbara Wanzenböck

Hier begegne ich wieder ein paar Wanderern und einigen jungen Leuten, die in den beeindruckenden Feldwänden klettern. Aber gleich danach bin ich wieder allein unterwegs und genieße die Waldeinsamkeit.

Das Gaiskircherl. Foto: Barbara Wanzenböck
Das Gaiskircherl. Foto: Barbara Wanzenböck

Hinter den Felswänden geht’s ein kurzes Stück etwas steiler hinauf und ich mache einen kurzen Abstecher zum Gaiskircherl – eine natürliche Felsnische, in der 1913 ein Andachtsraum eingerichtet wurde, der den weiblichen Dienstboten gewidmet wurde. Sehenswert ist auch die hölzerne Tisch-Bank-Kombination, in der ich Gravuren aus dem Jahr 1934 gefunden habe. Unglaublich, wie lange Holz überdauern kann, wenn es halbwegs witterungsgeschützt ist!

Rastplatz am Weg zur Luckerten Wand. Foto: Barbara Wanzenböck
Rastplatz am Weg zur Luckerten Wand. Foto: Barbara Wanzenböck

Luckerte Wand

Nach einer kleinen Rast geht’s zuerst eben dahin bis zu einer Forststraße und nach der etwas versteckt beschilderten Abzweigung Richtung Prein beginnt ein etwas steilerer Aufstieg. Nach dem kleinen Aussichtsplatz am Bild geht’s über einen felsendurchsetzen Grat bis zum „Blickplatz Luckerte Wand“.

Blickplatz Luckerte Wand. Foto: Barbara Wanzenböck
Blickplatz Luckerte Wand. Foto: Barbara Wanzenböck

Der Blickplatz wird seinem Namen gerecht und das Raxmassiv ist plötzlich zum Greifen nahe. Leider hat mich das Schild bei der Abzweigung nach Prein mit der Zeitangabe von 1 ¼ Stunden wieder etwas nervös gemacht, denn es ist bereit 15:45 und so mache ich mich ohne Pause an den Abstieg.

Die Luckerte Wand unter dem Aussichtsplatz. Foto: Barbara Wanzenböck
Die Luckerte Wand unter dem Aussichtsplatz. Foto: Barbara Wanzenböck

Der Name Luckerte Wand erschließt sich erst beim Abstieg, aber leider habe ich keine Zeit, diese spektakulären Felsformationen genauer zu erkunden. Aber ich werde sicher einmal wiederkommen…

Blick auf die Preiner Wand. Foto: Barbara Wanzenböck
Blick auf die Preiner Wand. Foto: Barbara Wanzenböck

Ab jetzt geht’s stetig und streckenweise ziemlich steil bergab und ich bin sehr froh, meine Stecken mitgenommen zu haben. Ausgerechnet an der steilsten Stelle liegt noch trockenes Laub aus dem Vorjahr, das den Weg ziemlich rutschig macht.

Wiesenidylle am Ortsrand von Prein. Foto: Barbara Wanzenböck
Wiesenidylle am Ortsrand von Prein. Foto: Barbara Wanzenböck

Im Großen und Ganzen ist aber auch dieser Streckenteil schön angelegt und gut zu gehen, aber 470 Höhenmeter in einem Stück bergab, ist doch etwas anstrengend für meine Knie. Das nächste Mal werde ich deshalb auf halber Höhe noch einmal eine kleine Pause einlegen. Endlich ist der Ortsrand erreicht und die Strahlen der Abendsonne bringen die Wiesen zum Leuchten.

Bushaltestelle „Prein/Rax Ortsmitte“. Foto: Barbara Wanzenböck
Bushaltestelle „Prein/Rax Ortsmitte“. Foto: Barbara Wanzenböck

Pünktlich in Prein

Letztendlich habe ich für den Abstieg nur 45 Minuten gebraucht und habe noch 30 Minuten Wartezeit, bis der Bus fährt. Das Hotel gegenüber der Bushaltestelle hat eigentlich schon geschlossen, aber ein Glas Soda bekomme ich doch noch. Später entdecke ich, dass es am Parkplatz vor dem Hotel auch einen Trinkwasserbrunnen gegeben hätte.

Der letzte Bus vom Preiner Gscheidt nach Payerbach-Reicheinau kommt pünktlich um 17:00, ist aber schon voll besetzt. Trotzdem muss er noch zur Talstation der Raxseilbahn fahren und sammelt dort noch einmal ca. 30 Leute ein (was dem Busfahrer ein lautes „Leck mich“ entlockt). Er fährt dann durch alle weiteren Stationen durch und bringt uns tatsächlich pünktlich zum Zug. Aber die Verkehrspolitik in Niederösterreich ist schon sehr zu hinterfragen!!!

Fazit

Eine wirklich lohnende und abwechslungsreiche Streckenwanderung über perfekt angelegte Wege. Obwohl man meist im Wald unterwegs ist und der Weg dadurch gut beschattet ist, bieten sich immer wieder schöne Ausblicke auf Semmering, Rax und Schneeberg. Der Weg ist sehr gut beschildert, auch wenn die Zeitangaben offenbar inklusive Pausen und für ein sehr moderates Gehtempo zu lesen sind – aber das ist sicherlich besser als umgekehrt. Es gibt auf der Strecke mehrere Rastplätze mit schöner Aussicht, aber keine Einkehrmöglichkeit. Trotzdem kommt diese für mich neue Wanderung auf jeden Fall auf meine Hitliste!

Tourdaten

Die Route in Zahlen:   4:30 Std Wandern   550 HM   800 HM   13 km   GPX Track

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