Ich habe diese Tour als Sommertour unternommen – geht natürlich auch im Frühling. Auf gar keinen Fall würde ich sie bei rutschigen, nassen oder eisigen Bedingungen unternehmen, dazu halte ich sie für zu ausgesetzt und die Orientierung für zu schwierig (großteils unmarkierter Steig).
Ui, da oben! – Und schon ist es auf meiner Bucketlist.
Wer meine Tourenberichte aufmerksam verfolgt, weiß, dass sich jene aus meinem Heimatbundesland Oberösterreich mehren. Das ist schön zu merken und ich bin immer wieder begeistert von den Möglichkeiten dort. Zu dieser Tour bin ich inspiriert worden, als ich mit Marco Vanek von planetREISEN am Menweg unterwegs war. Irgendwie auf halbem Wege zeigte ein Mitwanderer nach oben zu einem markanten Felsen und meinte: „Ui, schaut, da ist der Steinerne Jäger!“
Und schon war ich angefixt.
Mit Plan zum Berg – Personalisierte Fahrplanabfrage
So war es an diesem Wandertag mit großartigen Bedingungen soweit – ich mach mich in der S-Bahn von Steyr aus auf den Weg nach Losenstein (das ist nicht weit!). Das Ennstal ist aber auch von Linz oder Wien super zu erreichen. Achtung nur auf die etwas seltsam anmutende 2-Stunden-Taktung der Züge – die sollte man bei der Öffi-Wanderplanung am Schirm haben!

Start in Losenstein und meinem guilty pleasure geht’s gut
Ich starte also am Bahnhof Losenstein und mache natürlich noch einen Schlenker durch den Ort, schließlich muss ich dem Regionalladen „Ums Egg“ noch einen Besuch abstatten und die Wertschöpfungsstatistik von Öffi-Wandersleuten dadurch verbessern.

Ja, ich sags gleich, meine guilty pleasure beim Öffi-Wandern sind regionale 24/7-Läden. Egal, was es dort gibt – ich finde dort immer was. Koste es, was es wolle. Ihr wollt gar nicht wissen, wie oft ich ganze Kilo Honig oder eine Glasflasche mit Sirup in meinem Rucksack auf einen Gipfel schleppe (und wieder hinunter).


Zwei Gipfel in einer Tour: Steinerner Jäger und Schieferstein
Zurück zur Tour: Die Burgruine Losenstein lasse ich dafür aus und folge der guten Beschilderung, immer in Richtung „Steinerner Jäger“.

Stetig bergan trabend (naja…) komme ich zum Schiefersteinweg und zum „Hack“, ein Gehöft, das wirklich wunderschön liegt.


Dann wird es langsam felsiger im Wald. Auf den Hackerschädl kraxle ich nicht ganz hinauf, sondern setze meinen Weg – jetzt immer im Wald – in Richtung Pfenningstein fort. Die 700er-Höhenlinie ist geschafft, dann kommt die 800er, die 900er und endlich der Tausender. Der Pfad führt mich fast die ganze Zeit direkt am Kamm entlang, im Wald, sehr einsam, und schön. Und durchwegs immer wieder mit abenteuerlichen Passagen – unter anderem einer Leiter.

Nach der 1100er-Höhenlinie bin ich schon fast an meinem Highlight-Ziel: Dem Steinernen Jäger (1.185 Meter). Juhu!


Ich freu mich und genieße zunehmend die Tiefblicke auf die grüne Enns unten im Tal und die umliegenden Ortschaften.
Doch auch ein zweiter Gipfel darf es heute noch sein – der Pfad zum Steinernen Jäger bringt mich nämlich auf direktem Wege auch zum Hauptgipfel des Schieferstein. Dabei kann ich sogar noch ein paar Höhenmeter sammeln (1.206 Meter).

Wenn der Rucksack ins Rollen kommt…
Ganz schön schön, denke ich mir. Da mir der Weg so gut gefällt, entscheide ich mich kurzerhand, ihm weiter zu folgen. Ich muss gleich dazu sagen – auf der Karte ist er mittlerweile nur mehr gepunktet und so erscheint er mir auch in der Landschaft.

Kurz gesagt: Ich muss mich richtig bemühen, ihn noch zu finden. Wenig begangen, dicht verwachsen und das alles in einem durchwegs sehr steilen Gelände. Kraxeliger könnte eine Tour kaum sein.

Tatsächlich habe ich an einer Stelle ganz schön Glück – etwas verwegen werfe ich meinen Rucksack (der mir in diesem Moment einfach zu schwer erscheint) ein Stück nach vorne, um einen Felsen zu umkraxeln. Dabei verschätze ich mich, der Rucksack bleibt nicht dort liegen, wo er soll, sondern landet im steilen Gelände, setzt sich langsam in Bewegung, dann immer schneller – ich kann ihm nur mehr zuschauen, wie er Meter für Meter Dinge verliert und den Steilhang weit, weit nach unten kugelt.
Meine Stöcke, mein Wasserflaschenschutz, meine Wasserflasche. Kleine Flüche murmle ich in diesem Moment vor mich hin – zugleich bin ich froh, dass ich in diesem Moment nicht am Rucksack dranhänge. Ich versuche, kühlen Kopf zu bewahren. Sehr behutsam und langsam klettere ich ihm nach und sammle nach und nach alles wieder auf. Das kostet mich viel Zeit, aber ich finde alles und bin letztendlich sehr froh, dass der Rucksack in einem Brennesselgestrüpp hängenbleibt. (Wenn ihr demächst mit mir wandern geht, wisst ihr nun, warum meine heißgeliebte Edelstahlflasche so zerdepscht ist.) Als ich Rucksack und Wanderutensilien wieder habe, klettere ich die Böschung wieder nach oben – die ganze Aktion ist ziemlich kräftezehrend und beinezerkratzend, aber ich überstehe sie gut.
Mein Learning: Wirf deinen Rucksack nicht so verwegen auf einen Felsen, sondern behalt ihn lieber bei dir und kraxle langsam!

Vom schwarzen Fellknäuel begrüßt
So erreiche ich viel später als gedacht den Schratlboden (knapp 950 Meter) und pausiere dort ein wenig.

Ein Stück weiter könnte ich eigentlich bereits ins Tal absteigen, aber ich bin schon wieder von einem Ort, den ich bereits sehe, angefixt worden: Nach Großraming soll es gehen.

So starte ich nun den Abstieg – über den Wachberg. Es bleibt eine sehr fordernde Tour, denn Markierungen gibt es schon lange keine mehr und der Pfad ist so zugewachsen, dass ich mich sehr bemühen muss, ihn zu finden. Viele Stopps, um mich zu orientieren, viele Blicke auf die Karte – es fühlt sich wild und abenteuerlich an und ich bin sehr langsam unterwegs.
Mein Aufatmen kann man wohl in ganz Großraming hören, als ich im Reingrub endlich die Straße erreiche.

Die Belohnung dort: Eine der süßesten Schafherden ever mit einer Menge schwarzer Schafe.

Ja, und einem kleinen Lamm, das mir ein ganzes Stück bergab folgt, dann stehenbleibt und von der Nachbarin, bei der ich meine Wasserflasche auffülle, wieder zurück zur Herde getrieben wird. Ein Selfie mit dem kleinen wolligen Knäuel geht sich noch aus, dann nehme ich das letzte Wegstück in Angriff.


Jetzt geht es rasch nach unten und bevor ich ans andere Ufer der Enns wandere, um zum Bahnhof zu gelangen, schaue ich noch kurz bei der nächsten Bushaltestelle vorbei (Aschabrücke) und siehe da, der Bus kommt in einigen Minuten! Großartig.

Ich warte als Einzige auf ihn, werde von vorbeifahrenden Autofahrer:innen etwas mitleidig angesehen, betrachte meine zerkratzten Beine und fühle mich ein bisschen wild und sehr lebendig.

Fazit
Ich mochte diese Tour trotz oder wegen ihrer Wildheit sehr – die Ausblicke vom Steinernen Jäger und vom Schieferstein sind sehr lohnenswert, außerdem sind die Gipfel jeweils alpin anmutend und kraxelig. Der Pfad am Kamm, den ich nach Großraming genommen habe, erfordert einiges an Orientierungskompetenz ebenso wie Durchhaltevermögen. Ich habe dazwischen manchmal ganz schön geflucht (aber auch wegen der Rucksack-Aktion). Man kann es sich natürlich einfacher machen und einen markierten Wanderweg nehmen oder früher absteigen.




Sehr schöner Bericht! Auch in die Gegenrichtung (mit Start beim Bhf. Großraming) zu empfehlen – nicht zuletzt einkaufstechnisch 😉 -, am besten im Frühjahr oder Herbst, dann ist der nicht markierte Abschnitt weniger verwachsen.
Großartig erzählt – danke fürs Mitnehmen in die Wildnis!