Wieder in Oberösterreich
Schon langsam wage ich mich aus den ostösterreichischen Gefilden ein Stück gen Norden und Westen und entdecke mein Heimatbundesland Oberösterreich als echtes Wanderjuwel.
Es ist ein wunderschöner Herbsttag – aber für diese Tour gibt es eigentlich kein unpassendes Wetter (außer vielleicht strömenden Regen und extremes Glatteis!). Sie ist nämlich in allen Jahreszeiten schön.

Bisschen wenig Plan
Manchmal kommen Touren auch aus pragmatischen Gründen zustande – so auch diese Flusswanderung. Der Hintergrund: Ich werde mit der Arbeit nicht fertig, es wird später und später. Eine Tageswanderung ist nun nicht mehr drin. Kurzerhand nehme ich von Steyr den nächsten Zug in Richtung Ennstal und steige in Ternberg aus. Eigentlich mit dem Hintergedanken, aufs Herndleck zu gehen. In Ternberg angekommen ist es früher Nachmittag und mein Magen sagt: Hunger!
Also schlendere ich erst mal ins Zentrum und suche mir etwas zu essen. Auf dem Weg entdecke ich den reizenden Dorfladen (der aber heute leider geschlossen hat). Das Essen braucht ebenso eine ganze Weile, dementsprechend schrumpft mein Zeitfenster auf wenige Stunden.

Es wird die Flusswanderung!
Doch ich lasse mich nicht entmutigen und erinnere mich an einen Wegweiser am Bahnhof Ternberg, der etwas von einer „Flusswanderung“ (Enns-Aktiv-Weg) an der Enns erzählte. Kurzentschlossen fällt meine Wahl also auf diese!

Die Weingartenstraße führt mich ein wenig in Richtung Felder und zur Siedlung Ebenboden, wo ich den – leider aktuell trockenen – Bachlauf zunächst überquere, dann an ihm entlang langsam in Richtung Enns komme.

Ich überquere gleich wieder die Gleise, dann die Grünburger Straße und dann bin ich endlich: An der Enns!
Ein neues Gesicht der Enns
In Steyr aufgewachsen, ist die Enns für mich ein sehr vertrauter Fluss, aber auch einer, den ich vor allem in Kraftwerksnähe kenne. Begradigt, einbetoniert, zugemauert. Zum zweiten Fluss der Stadt Steyr – der Steyr – habe ich einen viel persönlicheren Bezug, da sie doch wild glucksend aus dem Steyrtal kommt und sie für Menschen in und um Steyr im Sommer eine Kaltbadeparadies ist. Die Steyr war für mich im Vergleich zur Enns immer ein kleines bisschen wilder und ein großes bisschen unberührter.
Dennoch genieße ich es, direkt an der Enns entlang weiterzuwandern und so auch eine neue Seite dieses Flusses kennenzulernen. Immer wieder habe ich schöne Ausblicke direkt aufs Wasser, und der Flusswanderweg ist schmal, kurvig und schön angelegt. Diese Flussseite ist definitiv ruhiger als die andere, auf der ich immer wieder den Verkehr auf der Eisenstraße sehe.

Die Enns rechts von mir, die Schienen (außerhalb meiner Sichtweite) links von mir genieße ich also meinen Nachmittagsspaziergang und bin doch froh, diese abgespeckte Version meiner geplanten Tageswanderung zu machen.
Die Faller Bucht
Ein besonderes Highlight wartet noch auf mich – dort wo der Schädlbach in die Enns mündet befindet sich die „Faller Bucht“ und damit auch ein kleiner Wasserfall. Ob des trockenen Wetters ist dieser zwar nur sehr, sehr klein, aber dieser Ort ist dennoch richtig schön.

Als ich in der Bucht ankomme und kurz den weiteren Wegverlauf suche, merke ich, dass ich nun doch nicht ganz alleine unterwegs bin: Auf der anderen Seite des Baches verbringen etwa dreißig Jugendliche offenbar gerade ihre Nachmittagsturnstunde. Die Lehrer:innen drängen aber schon zum Aufbruch, offenbar wollen sie einen Zug vor mir für die Rückfahrt nehmen. Ich lasse ihnen genügend Abstand, damit ich wieder in meiner kleinen Einsamkeit den Rest des Weges gehen kann.


Überrasch dich selbst!
Kurz nach der Faller Bucht bin ich wieder ganz nah an der Enns. Ganz schön breit ist sie hier. Es ist Spätherbst, die heißen Temperaturen sind vorbei, ich frage mich aber trotzdem : Soll ich, oder soll ich nicht? Natürlich wird ein „Ja“ daraus. Flugs habe ich mich ausgezogen und tauche kopfüber in die Enns. Schön! Ich liebe diese Wassermomente, umso mehr, wenn sie so überraschend wie dieser Moment an der Enns sind. Ich überrasche mich selbst gern, finde das Wasser nun aber doch schon ganz schön kalt und den Flussboden sehr schlammig und verweile nicht lange. Kichernd tauche ich wieder auf und habe mich ebenso schnell wieder angezogen. Wenn mich nicht ein paar Blubberbläschen aus dem schlammigen Boden verraten würden, wüsste wohl niemand, dass gerade hier vor 2 Minuten noch jemand in der Enns geschwommen ist.

Erste Reihe fußfrei
Nach der Faller Bucht erreiche ich schon den nächsten Ort und damit auch das Ende meiner Wanderung: Dürnbach an der Enns.

Da ich bis zur Zugabfahrt noch genügend Zeit habe, entscheide ich mich für einen weiteren Schlenker und steche vom Wiesenweg wieder hinunter zur Enns. Ein Glück! So komme ich nämlich noch beim Enns-Freiluftkino vorbei und bekomme einen Sessel in der ersten Reihe. Sehr zu empfehlen!

Schließlich führt mich auch dieser Schlenker wieder zurück und ich erreiche zufrieden die Haltestelle „Dürnbach/Enns“. Die Schüler:innen steigen kurz vor mir in den Zug in die Gegenrichtung. Ich sammle noch alle Herbstsonnenstrahlen, die ich kriegen kann, bevor mich mein Zug wieder in Richtung Steyr bringt.

Fazit
Vielleicht mehr ein längerer Spaziergang als eine Wanderung. Aber: Zu allen Jahreszeiten schön (außer eben wenn es sehr eisig ist – manchmal geht der Weg am Flussufer sehr steil bergab!). Ganz nah an der Enns dran. Niederschwellig, mit guten Zuganbindungen. Ich würde sagen: Für einen Nachmittag in der Sonne / im Grünen / am Wasser eine absolut gute Wahl!

