Da hat Manfred Hinteregger schon Recht, manche Berge (wie zum Beispiel den Ausseer Zinken, auf dem wir gemeinsam waren) muss man ersteigen um ihre ganze Schönheit erleben zu können. Das ist auch bei diesem Gipfel so, erscheint er doch neben seinen prominenten Nachbarn Traunstein und Erlakogel eher unscheinbar. Erst wer auf dem langen Gipfelgrat dahinschreitet erkennt seine vollkommene Strahlkraft. Schaut man ans Südende des Traunsees fällt der bewaldete Bergrücken zuerst gar nicht auf. Mir auch nicht. Erst ein Bild von seinem besonderen Gipfelkreuz hat mich neugierig gemacht.
Mit der Salzkammergutbahn nach Ebensee
Und weil die Neugier so groß ist, mache ich mich aus Wien auf den Weg zum Traunsee. Das geht eigentlich recht fix. Mit Umsteigen in Attnang-Puchheim und Aussteigen in Ebensee-Landungssteg bin ich dabei. Gleich merken, gegenüber der Bahnstation hat der Giovanni ein Eisstandl hingestellt und über eine Treppe kommt man zum Seeufer (falls man sich vor der Heimfahrt noch Zeit nimmt).
Gut zu wissen: Es gibt auf der Strecke eine Quelle im oberen Drittel des Weges, aber keine Einkehrmöglichkeit. Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind nötig.
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Durch Rindbach
Vom Bahnhof weg, geh ich am Eisstand vorbei und überquere die Bundesstraße – ein Stück an dieser entlang Richtung Rindbach über die Traun. Gleich nach der Brücke links auf eine Nebenstraße, die auch als Weitwanderweg 04 dient. Durch den Ortsteil Rindbach in Richtung Gasslhöhle (vorbei an der Abzweigung zur Schlafenden Griechin). Nach den Parkplätzen für die Gasslhöhle biegt rechts ein Waldweg zum Eibenberg ab. Drei Stunden sind angeschrieben. Vom Bahnhof bis hierher waren es etwas mehr als eine halbe Stunde.

Aufstieg Eibenberg
Der schattige, nordseitige Aufstiegsweg ist sehr abwechslungsreich und führt durch die verschiedenen Vegetationsstufen des Bergwalds entlang des Waltersgrabens in mittlerer Steigung nach oben. Er kreuzt eine Forststraße, die zu einem privaten Forsthaus führt und ist gut markiert. Der Wald wandelt sich vom Laub- in Mischwald, beginnt sich ab der Hälfte des Weges zu lichten und lässt die großartige Aussicht schon erahnen.

Ich passiere eine weitere Jagdhütte mit grandioser Aussicht auf den Traunsee – ab hier steilt der Pfad ordentlich auf – mit einigen kurzen Flachstücken dazwischen. Eine Quelle am Weg bietet willkommene Erfrischung. Durch Latschen und Gebüsch steige ich auf die Eibenberg Schneid.


Am Grat zum Gipfel
Ab hier beginnt nun der Genussteil der Strecke. Etwa vierzig Minuten sind es noch bis zum Gipfel. Der nun flachere Steig ist mit T3 beschrieben und und führt entlang des Grates weiter. Aufpassen muss man bei ein paar Stellen, die etwas ausgesetzt sind. Aber meistens ist es breit genug um nicht in Schwierigkeiten zu geraten. „Stehen zu bleiben und zu schauen wäre sicher besser, als gehen und schauen gleichzeitig.“ (Selbstgespräch).

Aber schauen muss ich – und komme gar nicht mehr heraus aus dem Staunen. Rundherum steigen die Gebirgsgruppen und -Stöcke Oberösterreichs hoch: Totes Gebirge, Höllengebirge, Dachstein, Traunstein, Erlakogel, Hohe Schrott um nur einige zu nennen. Unten im Tal glitzern im Norden der Traunsee und im Süden der Offensee türkis, blau und dunkelgrün um die Wette. Muss ich nix mehr dazu sagen oder?
Auch das Gipfelkreuz (Titelbild) ist besonders: ein Bogen mit Köcher, der das Gipfelbuch verbirgt und zwei gemütliche Sessel mit Blick zum Offensee. Ich warte geduldig bis diese frei werden und genieße meine Jause dann erste Reihe fußfrei. Jede/r sollte hier mal gesessen haben.

Seinen Namen erhielt der Eibenberg durch die zahlreich vorkommenden Eiben, früher ein wertvolles und begehrtes Holz. Das Holz der Eibe wurde im Mittelalter zur Herstellung von mannhohen Bögen benötigt; weiters wurde damit Pfeilgift hergestellt. (Wikipedia)
Abstieg
Ich wähle den gleichen Weg für den Abstieg, obwohl ich auf der Karte auch noch eine andere Möglichkeit übers Gschliff und durch den Ebenseer Kalksteinbruch entdecke. Vorteil: Länger am Bergrücken oben. Nachteil: lange Forststraßen Passage und ich bin nicht sicher wie der Weg durch den Kalksteinbruch verläuft. Lass ich lieber.

Ich komme auch beim Abstieg über die Hiaslalm (nicht bewirtschaftet) Richtung Offensee vorbei. Bessere Planung und die Fahrt mit dem Salzkammergut Shuttle (muss reserviert werden) vom Bahnhof über die Offenseestraße bis zur Abzweigung Hiaslalm könnten aus dieser Wanderung eine Überschreitung machen. Dieser südseitige Aufstieg ist kürzer und steiler und ab der Hiaslalm etwas anspruchsvoller mit einigen schrofigen Passagen.

Heute finde ich den gleichen Abstiegsweg überhaupt nicht langweilig. Ich labe mich an Brombeeren und Himbeeren, erfreue mich an den von der Natur komponierten Sommerblumenarrangements entlang des Wegs und genieße die Aussicht auf den Traunsee ohne mich wie im Aufstieg umdrehen zu müssen.
Später im Wald merke ich dann schon die Müdigkeit in meinen Beinen aufsteigen und visualisiere das Eis beim Giovanni beim Bahnhof bevor ich in den Zug steige. Schokolade oder Pistazie oder Topfen oder Heidelbeere oder Himbeere … und schon bin ich da!





Ja in den OÖ Voralpen gibt es so manchen unscheinbaren Schatz zu entdecken… Danke für den schönen Tourenbericht!