Südlich von Lech am Arlberg ragt markant das Omeshorn als Hausberg in die Höhe. Wer schon ein paar Mal in Lech war, hat irgendwann vielleicht Lust darauf, einmal die 1.100 Höhenmeter von oben runter zu schauen – zumindest war das bei mir so.
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Anreise und Beginn
Vom Bahnhof in St. Anton geht es mit dem Bus der Linie 760 über den Arlberg- und den Flexenpass in einer halben Stunde direkt bis Lech Rüfiplatz. Dort gibt es einen schönen Brunnen und auch ein Lebensmittelgeschäft. Man könnte mit dem Ortsbus noch weiter nach Zug fahren und von der Haltestelle Kirchle losgehen, ich beginne die Wanderung aber direkt am Rüfiplatz.
Etwa 150 Meter gegen die Fahrtrichtung neben der Straße und dann geht es nach rechts und nach etwa weiteren 200 Metern beginnt der Wanderweg.


Aufstieg zum Omeshorn
Zunächst geht es gemächlich ansteigend einen Güterweg entlang (der im Winter als Skiabfahrt genutzt wird).
Auf 1.845 Metern ist die Gstüetalpe erreicht, es ergibt sich schon ein schöner Blick hinunter nach Lech, im Hintergrund ist der markante Biberkopf in den Allgäuer Alpen zu sehen.

Die kommenden 700 Höhenmeter aufs Omeshorn werden nun zunehmend steiler, der Weg ist teilweise etwas wegerodiert und an diesem Tag feucht-erdig – es ist Aufmerksamkeit gefragt.

Nach etwa 2 Stunden bin ich auf 2.560 Metern am Omeshorn angelangt. Die Rundumsicht ist nicht zuletzt durch den wolkenarmen Tag fantastisch! Gleich nebenan der höchste Gipfel des Lechquellengebirges: die Untere Wildgrubenspitze, ebenso nebenan die „Zwillinge“ Spullerschafberg und Mehlsack, rechts dahinter die Rote Wand in interessanter Seitenperspektive. Verwall, Lechtaler und Allgäuer Alpen, Zugspitze, Ifen, Rätikon, Alpstein, etc. – kurzum: ein reichlich bunter, schöner Gipfelstrauß, der sich da offenbart!
Das Gipfelkreuz des Omeshorns ist etwas unterhalb des höchsten Punktes. Das hat wohl den Grund, damit man es vom (ganzen) Ort gut sehen kann (und vice versa).


Durchquerung über den Spullersee
Um diese Tour etwas großzügiger anzulegen, soll es heute über den Spullersee ins Klostertal hinuntergehen.
Dazu ist der Abstieg bis zu einer Höhe von rund 2.020 Metern gleich wie der Aufstieg, dann geht es direkt nach links hinauf Richtung Gümplekopf (Stierlochkopf). Markierungen und Wegspuren sind hier spärlich, aber durch die Topografie ist die Wegfindung nicht allzu schwer. Es fällt auf, dass hier für die Skiabfahrt stellenweise das Gelände planiert wurde – das nimmt dem Ambiente in dieser an und für sich wunderbaren Umgebung leider etwas an Reiz.
Unterhalb des Gümplekopfs wird auf den winterlichen „Weißen Ring“ hingewiesen, am Gipfel oben ist ein Biwakhüttlein.

Kurze Zeit später ist direkt neben dem Weg eine seltsame „Hütte I“…

Es geht leicht bergab zur Senke des Spuller Gümple, einer Art ebenen feuchten Wiese. Von links (Osten) herab kommt die planierte Skiabfahrt – es empfiehlt sich hier, weglos direkt nach rechts hinauf zu gehen, um zum weiteren Wanderweg zu kommen, ohne die lange straßenartige Schleife zu abzumarschieren.
Auf etwa 2.400 Metern ist der Sattel erreicht – der Spullersee ist schon zu sehen und es geht über das Almgebiet der Brazer Stafel hinab zur Ravensburger Hütte auf 1.947 Metern, wo gerade die Bergrettung für eine Übung zugegen ist.


Nach einer erfrischenden Hütteneinkehr und dem Auffüllen der Wasservorräte geht es rund 100 Höhenmeter hinab zum Spullersee. Der kürzere Weg ins Klostertal wäre jener über die Grabsalpe nach Klösterle bzw. Langen. Ich gehe jedoch über die nördliche der beiden Staumauern und möchte über das Glong-Hochtal nach Wald absteigen.
Gegenanstieg und Abstieg nach Wald
Dazu ist aber vorher noch ein Gegenanstieg von gut 250 Höhenmetern erforderlich. Es geht den Weg Richtung Gehrengrat und Formarinsee hinauf, auf etwa 2.100 Metern ist die Abzweigung Richtung Glong.

Nach dem Sattel geht es ein Stück ziemlich eben durch ein recht wasserreiches Gebiet. Dann öffnet sich das Hochtal Glong und auch der Blick auf das gegenüberliegende Verwall – sehr eindrücklich!

Der etwas seltsam anmutende Name „Glong“ dürfte vom romanischen „colonia“ kommen. Dieses Hochtal wurde bis in die 1960er-Jahre für die Heumahd genutzt. Ein paar interessante Informationen dazu gibt es auf der Informationsseite zur Kulturlandschaft des Klostertals bzw. beim Land Vorarlberg (PDF).
Der Weg übers Glong ist nicht durchgehend erkenntlich und scheint nicht oft begangen zu werden. Im unteren Bereich ist das Hochtal sehr orchideenreich – unzählige Knabenkraut-Pflanzen leuchten um die Wette. Und auch einige Schafe sind anzutreffen.


Nach dem Hochtal kommt der Steilabschnitt des Glongtobels – von gut 1.600 auf 1.200 Meter. Fast unvorstellbar, wie die früher hier das Heu hinunter geführt haben! Der Weg verläuft westlich des wasserführenden Glongtobels, im unteren Bereich wird dieser gequert und ist recht imposant anzuschauen – auch wenn die Wassermengen nicht üppig sind. Das liegt wohl vor allem daran, dass weiter oben für den Spullersee abgezapft wird.


Es geht noch etwas durch den Wald von Wald, unter der Eisenbahn durch und zur Bushaltestelle Göttschlig. Von hier je nach Fahrplan mit der Linie 720 nach Bludenz oder Langen. In meinem Fall wird noch ein kurzer Ländle-Verpflegungseinkauf im Lebensmittelgeschäft in Dalaas gemacht.
Mit dem Strom vom ÖBB-Kraftwerk Spullersee geht es dann von Langen mit dem Zug wieder zurück auf die andere Seite des Arlbergs.
Eine schöne, ausgiebige, eindrückliche, überwiegend wunderbar-einsame Durchquerung des Lechquellengebirges war das!




