Am besten „trocken“: Am Promillesteig auf die Schweizeben

Entspannte Vibes auf der Schweizeben. Foto: Tobias Brugger

Der Brucker Hochanger zählt neben dem schräg gegenüberliegenden Rennfeld zu meinen bevorzugten „Trainingsbergen“ – ich begehe beide mehrfach pro Jahr, da von Graz aus schnell mit dem Zug erreichbar. Der Hochanger ist dabei die moderatere, das Rennfeld die forderndere Tour. Auf und um den Hochanger gibt es eine größere Vielfalt an Wegen. Einige Wege wie z.B. der Susannensteig sind „offizielle“ Wege mit Nummerierung, andere Wege sind „inoffizielle“, aber markierte Wege wie der Herrensteig. Und dann gibt es noch unmarkierte Wege wie den Promillesteig.

Als ich einige Wochen vor meiner Tour über einen mir bis damals noch nicht bekannten Steig auf den Hochanger hinauf bin – den Kollmitschersteig –, begegnete ich einem mutmaßlich einheimischen Paar, das mir gegenüber einen „Promillesteig“ erwähnte. Ich war mir zuerst nicht sicher, ob es sich um einen Scherz handelte (es gibt im Übrigen auch einen Tausendersteig). Als ich wiederum ein paar Wochen später über einen teils gleichen, teils variierenden Weg zum Hochanger-Gipfel ging, bestätigte mir der Hüttenwirt – seines Zeichens Experte –, dass es den Promillesteig wirklich gibt. Der Wegführung vergewisserte ich mich nachträglich durch Facebook-Expertise.

Beim Promillesteig, auch Alkoholikersteig genannt, handelt es sich um einen vor allem Einheimischen bekannten Steig, der mit recht steiler Wegführung vom Wasserkraftwerk zur Schweizeben führt. Die Namensgebung ist „etwas“ irritierend, da man diesen Steig lieber nüchtern begehen sollte. Die Schweizeben (1.026 Meter) ist eine gegenüber dem Hochanger-Gipfel (1.308 Meter) deutlich tiefer liegende Almwiese mit Gasthaus als Einkehrmöglichkeit. Meine kurze und knackige Tour führt diesmal nicht über den Hochanger-Gipfel, sondern bloß über die Schweizeben und auf der anderen Seite nach Bruck an der Mur wieder hinab.

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Start ist bei der Bushaltestelle Zlatten Stauwehr. Hierher führt die Buslinie 100 (Graz – Bruck/Mur) nur wochentags. Ich bin der letzte Fahrgast und drücke rechtzeitig für den Halt, aber der Busfahrer war anscheinend unaufmerksam und überfährt leider meine Station. Ungünstig, da er direkt danach auf die Bundesstraße auffährt und unmittelbar nicht mehr stehen bleiben kann – jedoch dreht er im Folgenden extra für mich noch einmal um. Der Gast ist Kaiser.

Start bei der Bushaltestelle Zlatten Stauwehr – hier von der Brucker Seite, da mich der Bus zu weit mitgenommen hatte – hier nach meinem Ausstieg und vor seinem zweiten Umdrehmanöver. Foto: Tobias Brugger
Start bei der Bushaltestelle Zlatten Stauwehr – hier von der Brucker Seite, da mich der Bus zu weit mitgenommen hatte – hier nach meinem Ausstieg und vor seinem zweiten Umdrehmanöver. Foto: Tobias Brugger
Nach Überquerung der Bundesstraße geht es nicht links, sondern auf die Forststraße beim Albeggbach. Foto: Tobias Brugger
Nach Überquerung der Bundesstraße geht es nicht links, sondern auf die Forststraße beim Albeggbach. Foto: Tobias Brugger

Der Steig zweigt im Albeggbachgraben sehr bald rechts von der Forststraße ab und gewinnt rasch an Höhe. Zwei Mal kreuzt man auf dem Weg zur Schweizeben eine Forststraße. Beim ersten Mal habe habe ich mich von einem auf der Karte eingezeichneten Pfad direkt nach der Forststraßenkreuzung hinauf in die Irre führen lassen – der eigentliche Weg geht aber kurz vor der Hütte gut erkennbar wieder hinauf in den Wald.

Der Forststraße wird jedoch nur kurz gefolgt. Foto: Tobias Brugger
Der Forststraße wird jedoch nur kurz gefolgt. Foto: Tobias Brugger
Bald schon zweigt rechterhand ein Steiglein in den Wald hinauf – der Promillesteig. Foto: Tobias Brugger
Bald schon zweigt rechterhand ein Steiglein in den Wald hinauf – der Promillesteig. Foto: Tobias Brugger
Auf dem Promillesteig gewinnt man rasch an Höhe. Foto: Tobias Brugger
Auf dem Promillesteig gewinnt man rasch an Höhe. Foto: Tobias Brugger
Erste Forststraßenquerung. Foto: Tobias Brugger
Erste Forststraßenquerung. Foto: Tobias Brugger
Hier vor der Hütte führt der Weg wieder von der Forststraße in den Wald hinein. Foto: Tobias Brugger
Hier vor der Hütte führt der Weg wieder von der Forststraße in den Wald hinein. Foto: Tobias Brugger

Manche Passagen des Promillesteigs, insbesondere jene direkt bei der zweiten Forststraße, sind doch wirklich steil, sodass ich froh bin, den Steig auf- und nicht abwärts zu gehen und dies auch so weiterempfehlen würde – am besten im Doppelsinn bei trockenem Zustand. Ich treffe hier überraschenderweise doch auf mehrere Leute – das Wetter ist einfach zu schön an diesem Freitag. Das letzte Stück muss man auf der Forststraße zurücklegen, bis man zur Schweizeben gelangt.

Recht straight geht es aufwärts. Foto: Tobias Brugger
Recht straight geht es aufwärts. Foto: Tobias Brugger
Nach der zweiten Forststraßenquerung ist noch ein kurzes, richtig steiles Stück zu absolvieren. Foto: Tobias Brugger
Nach der zweiten Forststraßenquerung ist noch ein kurzes, richtig steiles Stück zu absolvieren. Foto: Tobias Brugger
Entspannte Vibes auf der Schweizeben. Foto: Tobias Brugger
Entspannte Vibes auf der Schweizeben. Foto: Tobias Brugger

Nach einer Rastpause setze ich meinen Weg über den mir ebenfalls noch bis dahin unbekannten Pfaffenwaldsteig fort. Dieser führt zunächst fast wieder in die gleiche Richtung, aus der ich gekommen bin – nach Osten. Er ist nicht so steil und recht angenehm zu gehen. Leider reicht er nicht bis ins Tal, sondern endet frühzeitig bei einer Forststraße. Bevor ich hier den Weg hinunter nach Bruck fortsetze, gehe ich noch rechts zum so bezeichneten Gamskogel. Dieser wirkt nicht wie ein richtiger Gipfel, aber man hat von dort einen freien und vorzüglichen Blick zum gegenüberliegenden Rennfeld und das mittlere Murtal bis Pernegg und Richtung Hochlantsch und Röthelstein.

Ein nicht ganz einfach lesbares Schild deutet den Beginn des Pfaffenwaldsteigs auf der Schweizeben an. Foto: Tobias Brugger
Ein nicht ganz einfach lesbares Schild deutet den Beginn des Pfaffenwaldsteigs auf der Schweizeben an. Foto: Tobias Brugger
Der Pfaffenwaldsteig schlängelt sich elegant am Berg entlang. Foto: Tobias Brugger
Der Pfaffenwaldsteig schlängelt sich elegant am Berg entlang. Foto: Tobias Brugger
Ein Schild deutet jedoch leider bald sein Ende (oder, von umgekehrter Richtung, seinen Anfang) an. Foto: Tobias Brugger
Ein Schild deutet jedoch leider bald sein Ende (oder, von umgekehrter Richtung, seinen Anfang) an. Foto: Tobias Brugger
Am Gamskogel gibt es gute Aussichten... Foto: Tobias Brugger
Am Gamskogel gibt es gute Aussichten… Foto: Tobias Brugger
...Richtung Pernegg mit Röthelstein (Mitte) und Hochlantsch (links)… Foto: Tobias Brugger
…Richtung Pernegg mit Röthelstein (Mitte) und Hochlantsch (links)… Foto: Tobias Brugger
…oder auf die andere Seite der Mur zum Rennfeld. Foto: Tobias Brugger
…oder auf die andere Seite der Mur zum Rennfeld. Foto: Tobias Brugger

Nun folgt ein längerer Forststraßenhatscher, der aber zumindest zum Ende noch durch einen Waldweg abgerundet wird. Ich habe meine Tour so getimed, dass ich rechtzeitig zum Abendeintritt beim nahezu am Weg liegenden JUFA im Weitental vorbeischaue um mir hier noch den abschließenden Kick in der Sauna zu verpassen. Nach einer Bewegungseinheit ist Sauna sehr zu empfehlen. Sofern der Kreislauf mitspielt, sind mehrere ausgedehnte Saunagänge inkl. Aufgüssen eine gute Alternative zu diversen Substanzkonsumationen. Als ich die Saune wieder verlasse und zum Bahnhof in Bruck gehe, ist es finster und der sternenklare Himmel weiß mich zu bezaubern.

Weiter gehts auf der mäßig spannenden Forststraße. Foto: Tobias Brugger
Weiter gehts auf der mäßig spannenden Forststraße. Foto: Tobias Brugger
...die aber zum Ende hin noch mal von einem Waldwegerl abgelöst wird. Foto: Tobias Brugger
…die aber zum Ende hin noch mal von einem Waldwegerl abgelöst wird. Foto: Tobias Brugger
Unten im Weitental angekommen, statte ich der Sauna im JUFA noch einen Abendbesuch ab. Foto: Tobias Brugger
Unten im Weitental angekommen, statte ich der Sauna im JUFA noch einen Abendbesuch ab. Foto: Tobias Brugger

Die beiden Steige können nach Lust und Laune variiert bzw. mit anderen Steigen kombiniert werden. Für mich hat der Hochanger daher Ansätze eines „Bastelbergs“.

Zurück gehts dann erst kurz vor halb 10 am Abend vom Bahnhof in Bruck an der Mur. Foto: Tobias Brugger
Zurück gehts dann erst kurz vor halb 10 am Abend vom Bahnhof in Bruck an der Mur. Foto: Tobias Brugger

Tourdaten

Die Route in Zahlen:   3:30 Std Wandern   375 HM   350 HM   9 km   GPX Track

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