Karwendel Nord-Süd Durchquerung

Karwendel. Foto: Simon Widy

Einmal quer durch den ganzen Naturpark, über die drei großen Bergketten und den höchsten Gipfel. Vom bayerischen Mittenwald zur Tiroler Landeshauptstadt Innsbruck. Sportliche Tour mit vielen Varianten.

Steckbrief

Tag 1: Mittenwald – Vereiner Alm – Bärnalplpass – Karwendelhaus17,5 km, +1.300/-400 hm, 7 Std.
Tag 2: Karwendelhaus – Birkkarspitze – Kastenalm – Hallerangerhaus15 km, +1.500/-1.600 hm, 7 Std.
Tag 3: Hallerangerhaus – Thaurer Jochspitze – Innsbruck14 km, +1.500/-1.000 hm, 7 Std.

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Anreise von Innsbruck und München: Immer müssen wir irgendwo in den RVO-Bus 9608 umsteigen, der die Haltestelle Isar-Seinsbrücke anfährt. Die Wanderung endet in Innsbruck, für die Rückfahrt Richtung München bietet sich die Bahn (ÖBB und DB, Schnellzugverbindung über das Inntal). Alle Fahrpläne und aktuellen Informationen: www.karwendel.org/anreise

Tag 1

Von der Bushaltestelle sehen wir schon die Felswände der westlichen Karwendelkette abweisend aufragen. In diese Wildnis wandern wir heute auf eher unbekannten Pfaden. Zunächst folgen wir der gut ausgebauten Forststraße zur Seinsalm, die wir schon nach wenigen Metern erreichen. Hier folgen wir rechts der Straße, die leicht bergan in Richtung Vereineralm (auch Krinner-Kofler-Hütte genannt) geht. Nach gut 20 Minuten erreichen wir eine Abzweigung, rechts geht es zur Aschaualm. Bei Nässe empfiehlt es sich, auf der Forststraße zu bleiben. Bei Trockenheit wenden wir uns hingegen nach rechts, überqueren den Seinsbach und wandern auf dem Jägersteig hinter der Aschaualm bis zur Vereineralm. Hier kann man gut auf den Wiesen pausieren und auf den Felsen südlich der Alm lassen sich oft Gämsen beobachten. Kurz hinter der Vereineralm zweigen wir dann rechts auf den

Steig zum Bärnalplpass (1.821 Meter) ab. Nach einer guten Stunde kommen wir an ein Steilstück, hier ist Vorsicht geboten. Im Frühling können hier Schneefelder die ansonsten harmlose Begehung lebensgefährlich machen! Mit Stahlseilen versichert erklimmen wir in einer Stunde den Bärnalplpass, der seinen Namen nicht grundlos hat: Früher nutzten die natürliche Lücke auch Bären auf ihren Wanderungen. Am Pass, der zugleich die Staatsgrenze ist, pausieren wir und halten eher nach Gämsen als nach Bären Ausschau. Gut anderthalb Stunden brauchen wir von hier aus für die teilweise recht mühsame Hangquerung durch den Latschengürtel, bis wir endlich unser spektakulär gelegenes Tagesziel erreichen: das Karwendelhaus.

Karwendelhaus. Foto: Naturpark Karwendel
Karwendelhaus. Foto: Naturpark Karwendel

Tag 2

Bei gutem Wetter lohnt sich ein früher Start heute doppelt: In den Morgenstunden ist der Weitblick vom Gipfel überragend,

und der südseitige Abstieg weniger schweißtreibend. Zum höchsten Gipfel im Karwendel, der Birkkarspitze (2.749 Meter) folgen wir dem Weg hinter dem Haus, der nach 20 Minuten etwa den Latschengürtel verlässt und auf das erste Schotterfeld trifft. Hier gabelt sich der Weg: als Variante für trittsichere und alpin erfahrene Bergsteiger empfiehlt sich der Brendl-Steig (+ 1 Std. Gehzeit), der über die Ödkarspitzen zum Gipfel führt und hier rechts abzweigt. Der Standardweg 225 führt weiter geradeaus durch das Schlauchkar gleichmäßig im Kalkschotter bergauf, im letzten Bereich sind einige mit Drahtseilen versicherte Stellen, die aber ohne Schwierigkeiten zu überwinden sind. Auf dem Schlauchkarsattel treffen wir auf das Birkkar-Notbiwak, das uns bei schlechtem Wetter Schutz bietet. Wer ausreichend schwindelfrei und trittsicher für den höchsten Gipfel im Karwendel ist, erreicht diesen über den versicherten, aber teils ausgesetzten Steig in ca. 20 Minuten. Teile des Gepäcks können auch im Biwak warten, da wir hierher zurückkommen. Der breite Gipfel der Birkkarspitze ist ideal für eine ausgiebige Pause. Zurück zur Biwakhütte, folgt nun der Abstieg nach Süden ins westliche Birkkar. Der Abstieg ist durchwegs steil, felsig und etwas brüchig. Seilsicherungen helfen aber diesen Abschnitt gut zu meistern. Haben wir das Birkkar erreicht, flacht sich das Gelände etwas ab und führt oberhalb des Birkkarbaches Richtung Kastenalm (Einkehrmöglichkeit) hinunter ins Hinterautal. Wer den wunderschönen Isar-Ursprung besuchen möchte, erreicht diesen im Talboden nach ca. einen Kilometer talauswärts auf der Forststraße. Ansonsten folgen wir von der Kastenalm dem Wanderweg 224 zum Hallerangerhaus bzw. zur Hallerangeralm, unserem heutigen Tagesziel.

Tag 3

Der letzte Teil unserer Karwendel-Durchquerung führt uns über eine ausgezeichnete Panoramawanderung hinab ins

Inntal. Es gibt aber auch zahlreiche Varianten. Wir empfehlen zunächst, nach Süden, vorbei an spektakulären Felsformationen zu unserer Linken, zum Lafatscher Joch (2.081 Meter) aufzusteigen.

Sunntiger Spitze(2.321 Meter), Blick Richtung Lafatscher Joch. Foto: Naturpark Karwendel
Sunntiger Spitze(2.321 Meter), Blick Richtung Lafatscher Joch. Foto: Naturpark Karwendel

Über dem Talschluss des Halltals liegt uns die Hochfläche des Issanger zu Füßen. Am südlichen Horizont grüßen bereits die Gipfel des Alpenhauptkamms jenseits des Inntals – wir haben soeben den südlichen Rand des Karwendels erreicht. Nun ein kurzes Stück dem Steig talwärts folgend, münden wir rechterhand in den Wilde-Bande-Steig 222 ein. Am Fuße des Kleinen und Großen Lafatscher, des Rosskopf und der Stempeljochspitzen gelangen wir in das Schotterkar der Stempelreise, über diese wir zuletzt steil das Stempeljoch (2.215 Meter) erreichen. Im Frühsommer können pickelharte Schneefelder hier ein Risiko darstellen, deshalb sollte man vorher Erkundigungen beim Hallerangerhaus oder bei der Pfeishütte einholen. Hier bietet sich ein Ausflug zur Stempeljochspitze (2.529 Meter) an (+ 1:15 Std.). Ansonsten folgen wir bei trockenem Wetter dem etwas ausgesetzten, aussichtsreichen Weg zur Thaurer Jochspitze über fantastische Wiesenhänge bergab zum Kreuzjöchl. Der Weg zweigt gleich in der ersten Wegbiegung unterhalb des Stempeljochs ab. Mit etwas Glück erspähen wir hier Steinböcke. Bei Nässe nehmen wir den zweiten, links abzweigenden Weg, der unterhalb der Thaurer Jochspitze auf dem Schotterfeld zum Kreuzjöchl quert. Vom Kreuzjöchl geht es unterhalb der Rumer Spitze weiter auf einem Steig durch den Schotter zur Arzler Scharte (2.158 Meter). Jetzt sind wir schon oberhalb von Innsbruck und auf der Zielgeraden unserer Karwendeldurchquerung. Von hier folgen wir in anderthalb aussichtsreichen Stunden gemütlich dem Goethe-Weg (Steig Nr. 219) zur Hafelekarspitze (2.334 Meter), die den Endpunkt der Tour markiert. In wenigen Minuten erreichen wir von hier die Bergstation der Hafelekarbahn, mit der wir bequem hinab nach Innsbruck kommen.

Varianten

Vom Halleranger ins Inntal gibt es zahllose Möglichkeiten. Im Folgenden nur ein paar Vorschläge:

Mösalm. Foto: P. Steinmüller
Mösalm. Foto: P. Steinmüller

Dieser Tourentipp stammt aus der Wöffi-Broschüre Karwendel.

Tourdaten

Die Route in Zahlen:   3 Tage Wandern   4.300 HM   3.000 HM   46.5 km   GPX Track

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