Weichselvariation mit Bschlag

… ein klassischer Hochschwabgipfel mit unmarkiertem, pittoreskem Abstieg über die sogenannte Bschlagstatt

Der Hochschwab ist ja bekanntlich nicht nur ein einzelner Gipfel, sondern ein ganzer, mächtiger Gebirgsstock, der allein schon mit seinem markierten Wegenetz unzählige schöne Bergerlebnisse für uns bereit hält. Speziell die Nordseite des „Schwåbn“ bietet außerdem einige äußerst feine unmarkierte bzw. weglose Pfade. Einer davon verbindet den Gipfel der Hochweichsel mit der Graualm in (halbwegs) „normalem“ Wandergelände und ist als ÖV-Tour geradezu prädestiniert.

Übrigens: Einen Bericht zu einer Tour auf die Weichsel mit demselben Anstieg über das Bruchtal hat Martina bereits verfasst, und Veronika & Martin haben ihn für eine 2-tägige Schwåbntour genutzt.

Die Buslinie 170 des steirischen Verkehrsverbundes zwischen Kapfenberg und Mariazell führt über den Ausgangspunkt der Wanderung – den Seebergsattel auf gut 1.200 Metern Seehöhe. Das ist gleich einmal ein schöner Vorteil, denn bis zum Gipfel sind es dadurch gerade einmal gut 800 Höhenmeter.

Von Mariazell aus ist der erste Bus an Wochenenden und Feiertagen um 6:31 dort, was auch an heißen Sommertagen wie diesem eine vernünftig frühe Zeit ist, von Kapfenberg aus ist man frühestens um 7:16 am Seeberg (Fahrplanstand Sommer 2025). Unter der Woche gibt es jeweils noch frühere Busse.

Start am Seebergsattel

Gleich bei der Bushaltestelle beginnt der Wanderweg, es geht das erste Stück relativ eben durch den Fichtenwald, nach etwa einem halben Kilometer zweigt der direkte Weg Richtung Weichsel aber nach links ab, während es geradeaus auf die Seeleiten geht. Es folgt ein kurzes Stück Forststraße, ehe der eigentliche Gamssteig beginnt, der am Anfang eine sehr mäßige Steigung aufweist, dann im Bruchtal aber steiler wird. Über die Baumgrenze kommend, ist die Morgenstimmung im Bruchtal herrlich und die Quelle auf gut 1.500 Metern ist eine wohlige Erfrischung. Einzig die Murmeltiere sind nicht recht glücklich über meinen Besuch – es gibt ein lautes Gepfeife.

Auf den Aflenzer Staritzen und weiter zur Hochweichsel

Halbwegs flott gehend, ist knapp 1 ½ Stunden nach dem Abmarsch das Plateau der Aflenzer Staritzen erreicht. Es geht Richtung Westen, schöne Blicke zur Weichsel und zum Ringkamp tun sich nun auf. Bevor nach rund 1 ½ Kilometern am Plateau der finale Aufstieg zum Gipfel beginnt, muss man – nomen est omen – noch etwas hinab zur Niederen Scharte. Es ist um diese Zeit ganz ruhig auf den Aflenzer Staritzen – lediglich ein paar Gämsen machen sich gemütlich bemerkbar.

Die Weichsel (rechts) und ihr Bruder, der Ringkamp (links dahinter). Foto: Manfred Hinteregger
Die Weichsel (rechts) und ihr Bruder, der Ringkamp (links dahinter). Foto: Manfred Hinteregger

Von der Niederen Scharte ist die Hochweichsel rasch erreicht, beim Aufstieg sind dann von den Aflenzer Staritzen her Leute zu hören. Am Gipfel um 8:40 dann die Überraschung: da ist ja schon einer oben! Ein junger Obersteirer ist (mit dem Auto kommend) vor mir vom Seebergsattel los. Wir kommen ins Reden und stellen fest, dass wir die gleiche Idee für den Abstieg haben. Na da gehen wir natürlich gemeinsam! Aber vorher gilt es noch, das wunderbare Panorama und die Morgenstimmung am Gipfel ausgiebig zu genießen. Nach Westen hat man einen großartigen Blick in einen Teil des oberen Rings – einem faszinierenden Felskessel, aus dem an der Westseite der Ringkamp aufragt. Gleich hinter dem Ringkamp erscheint der Hochschwabgipfel geradezu kontrastierend als sanfte Kuppe.

Blick zum imposanten Oberen Ring und zum daraus aufragenden Ringkamp, links dahinter der Hochschwabgipfel. Rechts hinter dem Ringkamp die Riegerin und dieser zu Füßen das Salzatal im Morgennebel. Foto: Manfred Hinteregger
Blick zum imposanten Oberen Ring und zum daraus aufragenden Ringkamp, links dahinter der Hochschwabgipfel. Rechts hinter dem Ringkamp die Riegerin und dieser zu Füßen das Salzatal im Morgennebel. Foto: Manfred Hinteregger

Den Blick um 90 Grad (und etwas darüber hinaus) im Uhrzeigersinn drehend tut sich eine andere, sanftere Welt auf – aber Moment: das hat doch eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Oberen Ring, nur viel genügsamer. Wenn man garstig ist, könnte man dieses Kar glatt den „Ring für Arme“ nennen … aber seien wir doch freundlich: es ist ein „Ring für Wandernde“.

Der „Ring für Arme Wandernde“ unterhalb der Hochweichsel. Der vom Wald umgebene Wiesenbereich etwa in der Bildmitte ist die Bschlagstatt. Foto: Manfred Hinteregger
Der „Ring für Arme Wandernde“ unterhalb der Hochweichsel. Der vom Wald umgebene Wiesenbereich etwa in der Bildmitte ist die Bschlagstatt. Foto: Manfred Hinteregger

Abstieg über die Bschlagstatt und zur Graualm

Nachdem wir vom Gipfel aus den weiteren Weg schon fein begutachten konnten, gehen wir zwei Teilzeit-Bergspezln gemütlich den grasigen Nordrücken von der Weichsel hinab. Es sind Steigspuren gut erkennbar und der Pfad ist auch durchgehend in der Open Street Map verzeichnet. Alsbald kommen wir in Latschengelände.

Dann wird es flacher und es gibt den geländemäßig logischen Übergang in das Kar hinunter. Nach einem mit Plastikplanen ausgelegten Miniteich gilt es dann, nicht nach links Richtung Rosshölle zu gehen, sondern nach rechts. In der Folge leiten uns Steigspuren, Steindauben und punktuell der Standort auf der digitalen Karte weiter. Es ist eine pittoreske Gegend, durch die wir gehen – sanfte Wiesenkuppen, lichter Lärchenwald, dazu der Rückblick auf die Weichsel und ihre ins Kar stürzende Felswand. Ich hätte nicht gedacht, dass dieser Weg so dermaßen schön ist!

Auch beim Gegenanstieg aus dem Kar heraus bleibt es eindrücklich: bizarre Felstürme tauchen auf, und der Rückblick zum bisherigen Wegverlauf ist ein schöner Perspektivenwechsel.

Als das Kar endgültig hinter uns ist, geht es zunächst einen grasigen Boden entlang, ehe wir wieder in lichten Wald kommen. Hier sind die Steigspuren und Steindauben deutlich weniger ausgeprägt als im Kar der Bschlagstatt und die Orientierung mit der digitalen Karte ist eine große Erleichterung. Dann geht es eine Art Gassl hinauf und schließlich kommen wir in den Einzugsbereich der Graualm, wo wir auf eine Kuhherde treffen. Kurze Zeit später treffen wir auf den Prinzensteig, der von der Graualm auf die Aflenzer Staritzen führt.

Zusatzvariation: Über den Kastenriegel nach Wegscheid

Von der Graualm wäre dann der wohl naheliegende Weg ins Tal jener zum Brandhof oder nach Gollrad (jeweils Bushaltestelle). Zwecks der Abwechslung wähle ich aber diesmal den Weg zum Kastenriegel hinunter. Die Wege von uns zwei „Bschlagstättnern“ trennen sich und wir verabschieden uns voneinander (nicht ohne eine Idee für eine künftige gemeinsame Tour).

Der Weg von der Graualm zum Kastenriegel ist an und für sich ein gut angelegter, anregender Waldsteig – aber er ist echt steil und bei meinem Besuch an ein paar Stellen von einzelnen umgestürzten Bäumen betroffen, die meist durch gut erkennbare Ausweichrouten umgangen werden können. An einer Stelle (auf rund 1.250 Meter) musste ich jedoch ein Stück querfeldein runtergehen (womöglich aber durch mangelnde Aufmerksamkeit). Am Ende des Steiges wird es wieder flacher, und nachdem die gut 400 Höhenmeter Abstieg von der Graualm geschafft sind, wird man mit einem feinen Blick vom Kastenriegel entlohnt: die Dippelwand – die Verlängerung des nördlichen Rückens der Weichsel – zeigt sich recht markant als felsiger Spitz, und zu ihren Füßen liegen die Rosshölle und die Hintere Höll.

Zum Abschluss gibt es dann den langweiligsten Teil dieser Tour: es gilt, die 5 Kilometer durch das Rammertal zu marschieren, um zur Bushaltestelle an der Bundesstraße zu kommen. Ein paar Mal kann man abseits der Forststraße durch den Wald gehen und einmal gibt es einen erfrischenden Brunntrog an einer lieblichen Wiese, ansonsten ist es einfach ein Forststraßenhatscher par excellence. Aber nein – doch nicht ganz, denn zum Ende hin kommt die Teufelsbrücke immer wieder in den Blick, eine spannende Felsbildung bei den Spielmäuern in Wegscheid (Alice hat einen Tourenbericht zu den dortigen Klettersteigen geschrieben). Das ist dann doch eine schöne kleine Entschädigung für den Hatscher…

Nach insgesamt knapp 7 Stunden an diesem Tourentag sind die Häuser neben der Bundesstraße und sogleich die Bushaltestelle Wegscheid Rammertal erreicht (mit Wartehäuschen in Fahrtrichtung Kapfenberg). Ich habe zwar auch ordentlich pausiert, bin aber recht flott gegangen, also vielleicht lieber etwas mehr Zeit als diese 7 Stunden einplanen (laut Outdooractive reine Gehzeit 7:30). Mit dem Bus geht es dann in 22 Minuten zurück nach Mariazell.

Fazit

Eine Hochschwab-Tour, die so einiges vereint, was Freude bringt: ein hoch gelegener Ausgangspunkt, wunderbare und vielfältige landschaftliche Eindrücke, ein Gipfel mit fantastischem Panorama, ein gewisser Hauch von Abenteuer auf unmarkierten Wegen und viel schöne Einsamkeit! Der Wermutstropfen des abschließenden Forststraßenhatschers wird durch diese Freuden meiner Meinung nach mehr als ausreichend gesüßt. Tipp für weniger Wermut: von der Graualm Abstieg nach Gollrad oder zum Brandhof.

Tourdaten

Die Route in Zahlen:   8:00 Std Wandern   1.100 HM   1.500 HM   19 km   GPX Track

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