Ein Abstecher vom Drautalradweg in die Geißlochklamm

Ende des markierten Weges in der Geißlochklamm. Foto: Martin Heppner

Die Kärnten Werbung hat auf ihrer Webseite eine neue Kategorie erstellt, die sie „Rail & Trail“ nennen. Die Idee dahinter: Wanderungen von Bahnhof zu Bahnhof. Viele Leute – gerade wenn sie noch nicht so viel Erfahrung mit Öffi-Touren haben, wollen nicht mit dem Bus zurückfahren. Aus Umfragen wissen wir, dass das Vertrauen in die Zuverlässigkeit der Buslinien nicht gegeben ist. Aus den selben Umfragen wissen wir aber auch, dass den Bahnlinien vertraut wird. Daher macht das „Rail & Trail“-Konzept der Kärnten Werbung – gerade in Kärnten, wo der Glaube vorherrscht, dass man mit Öffis nicht zur Wanderung kommt – absolut Sinn.

Ich probiere die Empfehlung „Dellach – Berg Kurztour“ aus, weil ich Klammen gerne mag. Die Kurzbeschreibung lautet: „Entlang des Drauradweges mit einem abwechslungsreichen Abstecher in die Geißlochklamm.“ Das lässt mich mein Fahrrad mitnehmen, was in der Gegend super einfach ist, weil man hier sowieso mit der S1 anreist, die zwischen Lienz und Friesach durch ganz Kärnten pendelt und man im Regionalzug keine Reservierung für das Fahrrad braucht.

Bike am Drautalradweg

So wie ich diese Tour gemacht habe, ist sie nicht tagesfüllend. Sie verlangt aber auch keine speziellen Fahrräder – weder e-Bikes noch Mountainbikes, weil der Teil, den man mit dem Fahrrad zurücklegt, am asphaltierten Radweg verläuft.

Damit ist diese Tour für mich perfekt für Kinder geeignet: Es gibt keine außergewöhnlichen Steigungen, die gesamte Strecke ist überschaubar lang und es gibt Abwechslung mittendrinnen.

Mein Idealszenario schaut so aus: Die ganze Familie nimmt sich Picknick und Grillsachen auf den Fahrrädern mit und verbringt einen wunderbaren Tag im Schatten, nahe des Wildwassers am Grillplatz. Dazwischen macht man einen kleinen Abstecher in die Klamm hinein.

Alternative: Als „kleinen Abstecher“, kann man die Geißlochklamm auch besuchen, wenn man mit dem Fahrrad am Drauradweg die Tagestour von Lienz nach Spittal an der Drau macht.

An der Bahnhaltestelle Dellach im Drautal steigen wir aus und fahren auf der Straße nach Süden, über die Drau. Gleich nach der Brücke biegen wir links ab: Entweder ganz scharf am Drauufer, um zur Aussichtstation zu kommen, oder in der Kurve auf den Radweg.

Der asphaltierte Drauradweg führt uns im Wald dahin. Ich fahre recht schnell und komme innerhalb von 15 Minuten zur Abzweigung, die in die Geißlochklamm hinauf führt. Direkt nach dieser Abzweigung kommt eine Brücke und auf der anderen Seite des Wasserlaufes ist die Grillstation.

Ich fahre das kleine Stück der Abzweigung noch hinauf und kette mein Fahrrad dort an einen Baum.

Abzweigung zur Geißlochklamm, vor dem Grillplatz. Foto: Martin Heppner
Abzweigung zur Geißlochklamm, vor dem Grillplatz. Foto: Martin Heppner

Hike in die Geißlochklamm

Das Schild, das mich darauf aufmerksam macht, dass ich die Klamm auf eigene Gefahr betrete, nehme ich zur Kenntnis. WAs ich auch zur Kenntnis nehme ist, dass es ganz ruhig ist und so angenehm kühl.

Eingang Geißlochklamm. Foto: Martin Heppner
Eingang Geißlochklamm. Foto: Martin Heppner

Die Geißlochklamm erinnert mich an die Ötschergräben. Ich bin kein Geologe und schlage daher nach der Tour nach: Die Geißlochklamm besteht aus Kalkstein und Schiefer und die Ötschergräben aus Kalkstein und Dolomit. In beiden Gegenden kann man potentiell Fossilien finden.

Der befestigte Weg führt über ein paar Brücken bis zu einer Engstelle, die mit großen Felsblöcken verkeilt ist und den Bach zu einem kleinen Wasserfall zwingen.

Bis zum Ende des Weges bin ich 15 Minuten unterwegs.

Geißlochklamm. Foto: Martin Heppner
Geißlochklamm. Foto: Martin Heppner

Wer ein bisschen Klettergeschick mitbringt, kann auf den nassen und rutschigen Steinblöcken hinaufklettern und weiter nach hinten gehen. Es gibt allerdings keinen Weg mehr und es wird deutlich zeitaufwändiger sich dort fortzubewegen.

Ende des markierten Weges in der Geißlochklamm. Foto: Martin Heppner
Ende des markierten Weges in der Geißlochklamm. Foto: Martin Heppner
Blockkletterei in der hinteren Geißlochklamm. Foto: Martin Heppner
Blockkletterei in der hinteren Geißlochklamm. Foto: Martin Heppner

An den steilen Felswänden finde ich viele Express-Sets vor, die an gebohrten Haken hängen gelassen wurden. Ich konnte keinen eingezeichneten Klettergarten in Erfahrung bringen, der dort angesiedelt wäre, aber offensichtlich geht dort jemand so oft hin, dass er seine Expressschlingen nicht jedesmal wieder mit nimmt.

Zurück geht es am selben Weg, aber mit neuem Ausblick. Foto: Martin Heppner
Zurück geht es am selben Weg, aber mit neuem Ausblick. Foto: Martin Heppner

Normalerweise ziehe ich es vor, nicht den selben Weg hinauf- und hinunterzugehen. Hier genieße ich aber die unterschiedliche Perspektive jetzt von oben hinunter schauen zu können und die Berge auf der anderen Seite des Drautals im Hintergrund in der Sonne als Hintergrund präsentiert zu bekommen.

Ich mache noch eine Pause auf einem Bankerl in der Klamm und esse meine Banane, bevor ich wieder zu meinem Fahrrad zurückkehre. Ich will einfach noch ein bisschen das Rauschen des Wasser genießen.

Grillplatz

Auf der anderen Seite der Radwegbrücke ist ein Grillplatz. Wie Eingangs schon erwähnt, ist mein Idealszenario diese kleine Bike & Hike Tour mit einer kleinen Grillaktion zu verbinden. Stelle ich mir im Hochsommer wunderbar vor.

Grillplatz. Foto: Martin Heppner
Grillplatz. Foto: Martin Heppner

Tourdaten

Die Route in Zahlen:   2:00 Std Bike & Hike   250 HM   250 HM   8 km   GPX Track

Heimfahrt

Schließlich mache ich mich wieder auf den Weg und fahre weiter. Nur wenige Minuten später, bin ich aus dem Wald heraus und fahre durch Kärntner Bauernhöfe, die fast alle Zimmer Vermietung anbieten.

Zuerst geht es durch Feistritz, dann bin ich schon in Berg im Drautal. Hier gibt es routenmäßig die letzte Entscheidung zu treffen: Zweigt man links auf die Bundesstraße ab und rollt Richtung Bahnhof hinunter, oder fährt man geradeaus in den Wald, um vor dem Golfplatz nach links abzubiegen.

In jedem Fall quert man die Draubrücke, um gleich danach zur Bahnhaltestelle Berg zu kommen. Der Regionalzug fährt stündlich, letzter Zug 20:50 Richtung Villach.

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