Winterwanderung Dörfelstein im Gesäuse: auch ein Eintausender kann alpin sein

Dörfelstein Ostgipfel. Foto: Alice Frischherz

Aus der Oststeiermark ist es ein langer Weg bis ins Gesäuse. Obwohl ich nur eine verhältnismäßig kurze Wanderung vor mir habe, nehme ich den langen Weg auf mich. Wie lange ich mit dem Auto brauchen würde, weiß ich nicht, mit den Öffis sind es am Sonntag über 4 Stunden (inklusive Wartezeit). Zuerst hab ich gezögert, ob sich das auszahlt – im Nachhinein kann ich sagen: es war ein perfekter Tag und die An- und Abreise vollkommen entschleunigend.

Aber von Anfang an: ich wollte dieses Jahr (es ist Ende November) nochmal ins Gesäuse um meine Jahres-Challenge (Alphabet-Wandern) abzuschließen. Die geplante Sommertour auf den Buchstein wurde leider auch im Herbst nichts. Also nochmal ein Versuch im Winter und dann halt nur was Kurzes. Sonntag, Sonne und Minusgrade – ohne die prognostizierten 8 Sonnenstunden hätte ich mir einen anderen Tag gesucht, sagt es doch in Admont nur – 4 Grad (als Höchsttemperatur) an. Bei solchen Temperaturen (gefühlt höchstens -7) reicht eine kurze Tour, da freut man sich dann ja noch mehr auf die Fahrt in den warmen Öffis.

Mein Wecker weckt mich um 5:00 und kurz vor 6:00 steige ich müde in den Bus ein. Die gut 1,5 Stunden bis Graz vergehen schnell, denn ich döse vor mich hin – zum Glück steige ich bei der Endstation Hauptbahnhof aus dem Bus aus und kann die Station nicht verschlafen. Ich hab ein bisserl zum Warten und setze mich noch zum Mci auf einen Kaffee in der Tasse – nicht to go – endlich mal Müll vermieden. Gelegentlich wird es doch der zum Mitnehmen für den Zug… Im Zug beginne ich ein neues Buch und lese fast die ganze Fahrt über, dazwischen trinke ich Tee aus einer meiner zwei Thermosflaschen, die ich heute mithabe, und frühstücke. Die fast 2 Stunden! bis Liezen – sind superschnell vergangen! Dort angekommen steige ich nach einer kurzen Wartezeit in den Bus 910 um, der über Ardning und Admont direkt zum Ausgangspunkt meiner Wanderung fährt: Hall Seisenbichl. Auch die Busfahrt vergeht schnell, denn die verschneite Landschaft und Bergkulisse kann sich sehen lassen.

Zugfenster schau´n (Bahnhof Selzthal). Foto: Alice Frischherz
Zugfenster schau´n (Bahnhof Selzthal). Foto: Alice Frischherz
Bushalt Hall Seisenbichl. Foto: Alice Frischherz
Bushalt Hall Seisenbichl. Foto: Alice Frischherz

Visavis der Station gehts los, zunächst eine asphaltierte Straße bergauf an Einfamilienhäusern vorbei. Am Ende der Straße geht es linkshaltend in den Wald hinein. Die Forststraße ist gefroren und mit ein paar Zentimeter Schnee bedeckt. Ich folge auch diesem Weg bergauf bis zu einer kleinen Abzweigung nach links, dann gleich rechts einer anderen Forststraße folgend. In der Nähe dieser Gabelung stehen zwei Häuser und am Weg sehe ich erstmalig Wanderschilder, die auf mein Ziel, den Dörfelstein, hinweisen.

Verschneit und angefroren entlang der Enns. Foto: Alice Frischherz
Verschneit und angefroren entlang der Enns. Foto: Alice Frischherz
Blick in Richtung Gesäuse. Foto: Alice Frischherz
Blick in Richtung Gesäuse. Foto: Alice Frischherz
Die erste Wandertafel. Foto: Alice Frischherz
Die erste Wandertafel. Foto: Alice Frischherz
Eine Weile geht’s über die verschneite Forststraße hinauf. Foto: Alice Frischherz
Eine Weile geht’s über die verschneite Forststraße hinauf. Foto: Alice Frischherz

Mein Ziel ist mit 45 Minuten angeschrieben. Es geht weiter bergauf und nach einer Weile kann ich links die Abkürzung über einen Wanderweg durch den Wald nehmen. Da hier kürzlich Forstarbeiten stattgefunden hatten ist allerdings die Wegführung ein bisschen schwer zu erkennen – über die Forststraße wäre es vermutlich etwas leichter gegangen. Der Wanderweg wird durchwegs etwas anspruchsvoller bis ich zum Grat des Dörfelsteins gelange, und nach rechts in Richtung Ostgipfel weitergehe.

Blauer Himmel, Sonnenschein, Schneelandschaft, Berge – was will man mehr? Foto: Alice Frischherz
Blauer Himmel, Sonnenschein, Schneelandschaft, Berge – was will man mehr? Foto: Alice Frischherz
Wanderweg auf den Dörfelstein. Foto: Alice Frischherz
Wanderweg auf den Dörfelstein. Foto: Alice Frischherz
Am Grat angekommen. Foto: Alice Frischherz
Am Grat angekommen. Foto: Alice Frischherz

Hier geht es links und rechts ordentlich runter, der Grat ist aber eher breit, sodass es einfach ist weiter zu gehen. Ich habe bereits zuvor überlegt die Grödel anzuziehen und denke, dass ich sie dann zumindest für den Abstieg brauchen werde. Am Ostgipfel angekommen, finde ich ein kleines Kreuz und eine kleine Hütte vor und es gibt auch ein Bankerl, das man – wenn es nicht voll mit Schnee wäre – für die Rast und zum Aussicht genießen nutzen könnte. Ich entscheide mich für die kleine Hütte, wo ich im Trockenen sitzen kann und mein Jausenbrot esse. Die Aussicht muss dann wohl warten. Beim Gipfel war ich nach etwa 1,5 Stunden.

Bereits vor dem Gipfel die schönsten Ausblicke. Foto: Alice Frischherz
Bereits vor dem Gipfel die schönsten Ausblicke. Foto: Alice Frischherz
Dörfelstein Ostgipfel. Foto: Alice Frischherz
Dörfelstein Ostgipfel. Foto: Alice Frischherz
Eine kleine Schutzhütte am Ostgipfel. Foto: Alice Frischherz
Eine kleine Schutzhütte am Ostgipfel. Foto: Alice Frischherz
Zum Dahinschmelzen, wenn es nicht so kalt wäre ;) Foto: Alice Frischherz
Zum Dahinschmelzen, wenn es nicht so kalt wäre 😉 Foto: Alice Frischherz

Die Aussicht in Richtung Gesäuseeingang ist phänomenal. Ich mache auch mein obligatorisches Gipfel Foto und posiere in Form eines „X“, weil ich nun das X des Alphabets – wie Xeis – geschafft habe. Während meiner Rast kommt eine Wanderin zum Gipfel mit der ich kurz plaudere und sie mich fragt, ob ich auch auf den anderen Gipfel gehe. Ich verneine, weil ich gar nicht wusste, dass es noch einen gibt. Sie spricht vom Westgipfel und meint, dass man jedenfalls Grödel braucht. Auf der Karte in meiner App sehe ich, dass der Westgipfel eigentlich direkt auf meinem Rückweg liegt, bzw. auf dem Weg parallel dazu. Ich mache mich auf den Rückweg und komme wieder an der Gabelung vorbei, wo ich rauf gekommen bin, und gehe geradeaus weiter. Es wird ab jetzt eher anspruchsvoller oder zumindest kommt es mir so vor, vielleicht auch nur weil es leicht bergab geht. Dank der Grödel, die ich noch am Ostgipfel über die Schuhe gezogen habe ist das Gehen aber eigentlich kein Problem. Bei höherer Schneelage könnte es jedoch anders sein, wenn der Weg nicht mehr so gut zu sehen ist.

Wegweiser Ost- und Westgipfel. Foto: Alice Frischherz
Wegweiser Ost- und Westgipfel. Foto: Alice Frischherz
Der Weg in Gratnähe wird schmaler. Foto: Alice Frischherz
Der Weg in Gratnähe wird schmaler. Foto: Alice Frischherz
Ausblick in Richtung Admont. Foto: Alice Frischherz
Ausblick in Richtung Admont. Foto: Alice Frischherz

An der Weggabelung zum Westgipfel entscheide ich mich für den Gipfel drehe aber kurz danach doch um, weil es mir bei der Schneelage etwas zu ausgesetzt ist. Bei meinem Umkehrpunkt sehe ich bereits das Gipfelkreuz, das auf einem Felsen thront, mehrere Meter über mir. Der Gipfel ist viel ausgesetzter als der Ostgipfel. Auch der Weg am Gipfel vorbei, den ich dann nehme, ist anspruchsvoller als die bisherigen Wege. Alternativ kann man natürlich wieder umkehren und den gleichen Weg absteigen, den man hinauf gegangen ist. Ich gehe aber weiter – dank der Grödel ist das wie gesagt eh gut möglich.

Eine der schwersten Stellen, mit Grödel fühlte ich mich auch hier sicher. Foto: Alice Frischherz
Eine der schwersten Stellen, mit Grödel fühlte ich mich auch hier sicher. Foto: Alice Frischherz
Der Westgipfel am Dörfelstein muss beim nächsten Mal beklettert werden. Foto: Alice Frischherz
Der Westgipfel am Dörfelstein muss beim nächsten Mal beklettert werden. Foto: Alice Frischherz
Gut markiert führt der Weg einfacher werdend bergab. Foto: Alice Frischherz
Gut markiert führt der Weg einfacher werdend bergab. Foto: Alice Frischherz
Wieder unten angekommen, in Hall. Foto: Alice Frischherz
Wieder unten angekommen, in Hall. Foto: Alice Frischherz

Es dauert ein bisschen dann wird der Weg wieder leichter und führt mich immer gut erkenntlich durch den Wald bergab. Nach (in Summe) etwa 2,5 Stunden komme ich in Hall an und gehe nach links in Richtung Admont der Straße entlang. Weil die Busse am Wochenende nicht so oft fahren, hab ich zuvor als Ziel meiner Wanderung die Bushaltestelle Hall Ennsbrücke gewählt, denn dort kommen alle Busse vorbei. So folge ich der Straße und komme an einer Brücke nochmals zur Möglichkeit einen Wanderweg entlang des Bächleins zu gehen. Dieser führt mich direkt zur Enns, in welche der Eßlingbach mündet. Da ich noch ein bisschen Zeit habe gehe ich nicht zur Bushaltestelle Ennsbrücke sondern weiter in Richtung Admont Zentrum und nutze noch in einem Lokal die Möglichkeit aufs WC zu gehen bevor ich zur Bushaltestelle Dr.-Genger-Platz gehe – auch hier halten alle Busse. Da ich mich vom Umsteigen bei der Hinfahrt daran erinnern kann, dass man am Bahnhof Liezen Kleingeld fürs WC braucht und ich keine Münzen mithabe, erscheint mir diese Chance ergreifenswert. Der Bus kommt pünktlich und in Liezen habe ich wieder zu warten. Die 35 Minuten verbringe ich im Warteraum, der durch die Sonne schön hell und warm ist und lese weiter mein Buch. Auch der Zug kommt pünktlich und ich finde gleich einen Platz und lese ebenfalls weiter. In Graz angekommen nutze ich die erneute Umstiegszeit für ein verfrühtes Abendessen und fahre dann per Bus nach Hause.

Fazit

Obwohl die Wanderung eher kurz und die Fahrt sehr lange war, war es ein perfekter Tagesausflug für mich. Die Aussichten vom Dörfelstein haben mich sehr beeindruckt und die abwechslungsreichen Wege von Forststraße über Gratwanderung mit Felspassagen können sich auch sehen lassen.
Noch während der Fahrt empfinde ich die doch sehr lange Fahrt als richtig entspannend und entschleunigend.
Meine Challenge 2025 auf jeden Gipfel des Alphabets zu gehen habe ich mit dieser letzten – also 26. Alphabet-Wanderung absolviert.

Tourdaten

Die Route in Zahlen:   3:30 Std Wandern   450 HM   450 HM   8 km   GPX Track

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