Empfehlenswert an allen Wochentagen: das Sonntagshorn

Blick nach Westen zum Vorderlahnerkopf, links im Hintergrund der Wilde Kaiser. Foto: Manfred Hinteregger

Über den Rosskarsteig auf den höchsten Gipfel der Chiemgauer Alpen.

Das Sonntagshorn ist ein populäres Gipfelziel, das (nicht nur im Winter) überwiegend vom Heutal aus bestiegen wird. Als Wander-Öffitour bietet sich eine Besteigung aus dem Saalachtal an, was als Kontrast zur Gipfelbel(i)ebtheit eine wohltuende Ruhe beim Auf- und Abstieg auf schönen Wegen mit sich bringt.

Anreise zum Steinpass und Einstieg

Vom Salzburger Hauptbahnhof fährt die Buslinie 260 über das kleine deutsche Eck bis Zell am See (Stundentakt, auch am Wochenende).

Die Haltestelle ist dabei nicht halblinks am Bahnhofsvorplatz, sondern halbrechts hinter dem Gebäude des Einkaufszentrums Forum 1. Nach einer guten Stunde Fahrt ist die erste Haltestelle im Pinzgau erreicht: Unken Steinpass, auf 550 m Seehöhe. Diese Fahrt ist beim Klimaticket Salzburg bzw. Österreich inkludiert (weil Start und Ziel in Österreich liegen).

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Es geht ein paar Meter auf einem Gehsteig entlang, und dann einen halben Kilometer auf der Straße, die nach Melleck führt. Nach wenigen Minuten (und ohne ein einziges Auto an diesem Samstagvormittag) ist die unattraktivste Etappe der Tour geschafft und der eigentliche Wanderweg beginnt. Hier ist das Sonntagshorn mit einschüchternden 6 h angeschrieben – das ist aber eine äußerst großzügige Angabe.

Start bei der Haltestelle Steinpass. Foto: Manfred Hinteregger
Start bei der Haltestelle Steinpass. Foto: Manfred Hinteregger

Aufstieg zum Sonntagshorn

Es geht auf einer Forststraße den Steinbach entlang, nach etwa 20 Minuten und zwei Bachquerungen beginnt ein schöner, anregender Wanderweg.

Brücke über den Hinteren Steinbach. Foto: Manfred Hinteregger
Brücke über den Hinteren Steinbach. Foto: Manfred Hinteregger

Es wird steiler und rasch gewinnt man am schönen Weg im Wald an Höhe.  Auf knapp 1.300 m wird es wieder flacher, das Almgebiet im Rosskar wird erreicht und es tun sich schöne Blicke auf – auch schon Richtung Sonntagshorn.

Blick von den Vogelbeeren im Rosskar Richtung Gipfel. Foto: Manfred Hinteregger
Blick von den Vogelbeeren im Rosskar Richtung Gipfel. Foto: Manfred Hinteregger

Im Rosskar wird dann eine Almstraße erreicht, die im Bogen zum Sattel führt. Man kann auch etwas abkürzen, indem man direkt hinauf geht, sollte sich dabei aber nicht zu weit nach oben hin orientieren.

Während ich beim Aufstieg bis hierher keiner Menschenseele begegnet bin, merke ich heroben, dass diese Gegend doch recht beliebt ist – ein reges Auf- und Absteigen findet hier statt.

… und weiter zum Gipfel

Die noch fehlenden 300 Höhenmeter bis zum Gipfel des Sonntagshorns geht es in recht gemütlich angelegten Serpentinen hinauf. Da hier eine Südexposition par excellence vorliegt, wird man an heißen Tagen aber trotzdem ordentlich ins Schwitzen kommen.

Kurz vor dem Gipfel bekommt man dann erste Einblicke in die schroffe Nordseite des Sonntagshorns – und ganz oben wird der alpine Eindruck dann vervollständigt.

Das Sonntagshorn auf 1.961 Metern ist ein fantastischer Aussichtsberg: gleich nebenan der Watzmann und seine Trabanten sowie das Steinerne Meer, im Süden Loferer und Leoganger Steinberge, im Westen der Wilde Kaiser. An diesem Tag ist durch die Bewölkung die Sicht eingeschränkt, aber an klaren Tagen kann man jedenfalls z.B. auch zum Großglockner, zum Olperer und zum Großen Priel schauen.

Auch spannend für mich: die südlichen Ausläufer der Stadt Salzburg sind ebenso zu erblicken wie der Chiemsee – den sehe ich normalerweise nur aus dem Zugfenster…

Gipfelkreuz mit Blick zum Staufen und Richtung Salzburg. Foto: Manfred Hinteregger
Gipfelkreuz mit Blick zum Staufen und Richtung Salzburg. Foto: Manfred Hinteregger

Am Gipfel sind zunächst etwa 15 bis 20 Leute, die sich aber auf dem grasigen Hang gut verteilen können.

Abstieg – mit Bonusgipfel

Nach reichlichem Auskosten der schönen Gipfelrast (mit allmählich spürbar weniger werdenden Leuten) geht es für mich wieder bergab. Über den Rosskarsattel geht es im Almgebiet gemütlich und mit schönen Ausblicken dahin. Das markante Peitingköpfl am Ende der Almfläche lädt natürlich auch noch zum Besuch ein – ich nehme die Einladung gerne an. Das Peitingköpfl (1.720 Meter) kann ganz unschwierig von der sanften Südseite aus ergangen werden und wird ebenso sichtlich gern begangen.

Die vom Aufstieg bekannte Dramaturgie wiederholt sich dann auch beim Abstieg: kaum verlasse ich den Rücken zwischen Sonntagshorn und Peitingköpfl auf der Ostseite, kehrt völlige Ruhe ein. Erst weit unten im Tal werde ich wieder einem Menschen begegnen.

Bei der Abzweigung zum Peitingköpfl. Nach links geht‘s zum ruhigen Weg ins Tal. Foto: Manfred Hinteregger
Bei der Abzweigung zum Peitingköpfl. Nach links geht‘s zum ruhigen Weg ins Tal. Foto: Manfred Hinteregger

Es geht über die Obere und mit etwas Forststraßenkontakt hinab zur Unteren Hölzlalm (auf den Tafeln auch Hölzalm, beide nicht bewirtschaftet).

Variante: über das Wetterkreuz mit etwas Gegenanstieg und mit verdoppelter Distanz zur Unteren Hölzlalm absteigen

Bei der Unteren Hölzlalm auf 1.259 Meter gibt es nicht nur einen erfrischenden Brunnen, sondern kurze Zeit später an diesem Tag auch reife Hollerbeeren – ich nutze die Gelegenheit gern, und am Abend wird dann etwas Sirup eingekocht.

Der Weg im Wald wird zunehmend steiler, es kommen ein paar Minuten Forststraße unter den Füßen zusammen und dann rückt auch schon Unken zumindest in Blickweite.

Zwischendurch gibt es Brombeeren zum Naschen, die Ölbergkapelle wird passiert, und schließlich ist das Siedlungsgebiet von Unken erreicht. In diesem beschaulichen Ort gibt es nicht nur eine Gastwirtschaft zum Einkehren, sondern auch einen sehr gut sortierten Adeg-Markt (inkl. regionalem Gerstensaft), der samstags bis 17 Uhr geöffnet hat, und praktischerweise direkt neben der Haltestelle Ortsmitte liegt.

Hervorragend gestärkt und erfüllt von der schönen Tour geht es mit dem 260er wieder über Bad Reichenhall zurück nach Salzburg.

Mit dem 260er retour zum Salzburger Hauptbahnhof. Foto: Manfred Hinteregger
Mit dem 260er retour zum Salzburger Hauptbahnhof. Foto: Manfred Hinteregger

Fazit

Eine feine Tour mit üppigem Gipfel-Panorama und im Vergleich zu „oben“ überraschend wunderbar-einsamen Passagen im Auf- und Abstieg. Nicht nur am Tag des Herrn ist das Sonntagshorn eine klare Öffi-Tourenempfehlung im Pinzgau – etwaigen Unkenrufen (sic!) zum Trotz.

Variante: Von der Haltestelle Melleck Abzw. Ort (Achtung: tariflich nicht durch das Klimaticket abgedeckt) nach Ristfeucht/Melleck und über das Stephansjoch und den Ostgrat zum Gipfel (T4, UIAA I). Experimentierfreudige Ausdauernde können auch von Schneizlreuth starten.

Tourdaten

Die Route in Zahlen:   8:00 Std Wandern   1.500 HM   1.500 HM   18 km   GPX Track

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