Kratzspitz: Ein Wächter über dem Pass Lueg

Foto: Karl Plohovich

Rätselfrage: Wer kennt den Kratzspitz? – Obwohl er von vielen Teilen Salzburgs aus zu sehen ist, werden auch bergaffinen BewohnerInnen der Stadt meist antworten: Mir unbekannt. Das Gipfelbuch aber verrät: Es gibt in Golling, Torren und Umgebung – gottlob! – Interesse, diesen Gipfel begehbar zu halten. Die etwa 1.300 steilen Höhenmeter bis zum Gipfel werden allerdings immer ein „Selektionskriterium“ bleiben.

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Die Verbindung Salzburg – Golling könnte fast als „legendär gut“ gelten, zumal man jetzt zwischen R3 (nur wenige Haltestellen) und S3 (man kann überall zusteigen) wählen kann. Der Radtransport war nie ein Problem.

Kratzspitz vom Bahnhof Golling aus gesehen. Foto: Karl Plohovich
Kratzspitz vom Bahnhof Golling aus gesehen. Foto: Karl Plohovich

Von Golling mit dem Rad (ich verwende – wie viele andere – vorsichtig mit etwas schlechtem Gewissen die Fußgänger-Bahnunterführung) über die Salzach und ins Bluntautal, über den Torrener Bach und dann zweigt schon eine breite Forststraße mit entsprechender Beschilderung ab.

Rad - Parkplatz. Foto: Karl Plohovich
Rad – Parkplatz. Foto: Karl Plohovich

Nun die fade Forststraße fast 800 Höhenmeter hinauf – Fehlanzeige! Es gibt einen Steig, den der Straßenbau nur Abschnittsweise zerstört hat und der anscheinend immer wieder ausgeschnitten und markiert wird, wenn auch mitunter Windwürfe auf Aufarbeitung warten müssen.

Aus dem Wald zum Ansitz an der Forststraße – etwa Halbzeit zur Alm. Foto: Karl Plohovich
Aus dem Wald zum Ansitz an der Forststraße – etwa Halbzeit zur Alm. Foto: Karl Plohovich

Das Hintergrundrauschen kommt aus dem Salzachtal, darüber die Melodien der Vögel und des Windes.

An der steilsten Stelle des Hanges muss man einige Kehren der Straße ausgehen, dann leitet der Steig hinauf zu einer neuen, schönen Kapelle. Nun empfehle ich, eine Verschnaufpause einzulegen und die Kratzalm zu besuchen. Nein, es gibt hier nicht Buttermilch oder Bier, sondern zauberhafte Stille und – je nach Jahreszeit – Pferde und Kühe, die friedlich ihre Sommerfrische genießen.

Stute und Fohlen auf Sommerfrische. Foto: Karl Plohovich
Stute und Fohlen auf Sommerfrische. Foto: Karl Plohovich

Bei der Almhütte gibt es auch Wasser (das ich allerdings nur zum Puls-Kühlen verwende).

Die liebevoll-verspielt gestaltete Kratzalm (1.234 Meter). Foto: Karl Plohovich
Die liebevoll-verspielt gestaltete Kratzalm (1.234 Meter). Foto: Karl Plohovich

Wen dieser idyllische und stille Platz wieder loslässt – andere mögen hier den Rest des Tages verbringen – der geht die wenigen Meter auf der Forststraße bis zu ihrem Ende (hier stehen meist Pickups). Nun gilt es, den Steig zum Spitzhäusl (Jhtt) zu finden – und schon hat man ihn. Er wird immer deutlicher und es dauert gar nicht lange, da gewahrt man die Hütte: Gut gemacht, liebe Jäger! Ist das ein Aussichtsbalkon! Hinter der Hütte ist eine Wasserfassung, Trinkwasser?

Morgenstimmung: Das Spitzhäusl gegen das Freieck. Foto: Karl Plohovich
Morgenstimmung: Das Spitzhäusl gegen das Freieck. Foto: Karl Plohovich

Der weitere Gipfelanstieg wird alle, die dafür ein Auge und ein Herz haben, begeistern:

Für den Romantiker bleibt kein Wunsch offen… Foto: Karl Plohovich
Für den Romantiker bleibt kein Wunsch offen… Foto: Karl Plohovich
Die Rüssel-Lärche – oder welchen Namen findest Du? Foto: Karl Plohovich
Die Rüssel-Lärche – oder welchen Namen findest Du? Foto: Karl Plohovich

ein schmaler Steig in steilem Wald, über Bänder geführt, immer wieder kleine, mit Kletterseilen versicherte Aufschwünge; uralte Baumpersönlichkeiten, jede ist durch Ereignisse in ihrem langen Leben zu einem besonderen Kunstwerk geworden; märchenhafte Felsen und Ausblicke über das Bluntautal zu den Jochalmen, zum Göllstock, …

Achtung: in meiner Begeisterung hab ich die scharfe Linkskehre zum Gipfelanstieg – abermals ein gut versicherte Rampe – verpasst, und musste ein Stück zurückgehen.

Der dichte Teppich aus Latschennadeln muss beachtet werden, damit er nicht zum Kugellager wird. Und dann steht man unter einem mächtigen Gipfelkreuz und kann sich ins Gipfelbuch eintragen (Titelfoto).

Noch nie wird man das gegenüberliegende Tennengebirge aus dieser Perspektive gesehen haben, den Übergang vom Tennengau in den Pongau mit Blick bis zur Hochalmspitze!

Den Tennengau zu Füßen. Foto: Karl Plohovich
Den Tennengau zu Füßen. Foto: Karl Plohovich
Blick in den Pongau - bis zur kärntner Hochalmspitze. Foto: Karl Plohovich
Blick in den Pongau – bis zur kärntner Hochalmspitze. Foto: Karl Plohovich

Abstieg wie Aufstieg, wobei man bei Bedarf wieder die Kratzalm besuchen und die eine oder andere zusätzliche Kehre der Forststraße benutzen kann.

Was den Zustand des Weges bis zur Kratzalm und auch den Gipfelanstieg betrifft, decken sich meine Erfahrungen nicht ganz mit dem schönen Bericht (2019) von Lorenz Gerl auf Bergfex (https://www.bergfex.at/sommer/salzburg/touren/wanderung/450523,gollinghagengebirgekratzspitz/): Obgleich der Gipfelanstieg nicht markiert ist, gilt er mir als besser gepflegt und einfacher als der markierte „Verbundsteig“ zur Angeralm; keinerlei Wegfindungsprobleme und sogar mehrere versicherte Stellen. Der Weg bis zur Kratzalm war in gut begehbarem Zustand. Dennoch: Diese Tour soll trittsicheren und schwindelfreien Hagengebirgs-ForscherInnen vorbehalten bleiben.

Tourdaten

Die Route in Zahlen:   6:00 Std Bike & Hike   1.300 HM   1.300 HM   15 km   GPX Track

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