Ein Zustieg zum Untersberg – ein Kleinod (Kienbergsteig)

Foto: Karl Plohovich

Als eine – im Vergleich zu Doppler- oder Reitsteig – verborgene Perle an Zustiegen in das weitläufige Wandergebiet des Untersbergs kann der Kienbergsteig gelten. Das fein zerriebene Buchenlaub verrät, dass er sich – obgleich unmarkiert – einer gewissen Beliebtheit erfreut; und dies sehr zu Recht! Von den vielen Varianten, die sich in Kombination mit diesem Zustieg an jeder Landkarte ablesen lassen und keiner weiteren Kommentare bedürfen, beschreibe ich hier die kürzeste. 

„Die Mutter hat uns in den Wald geschickt, um den Kien zu hohlen.“  So hatte mir eine alte Frau aus dem Waldviertel (JG1908) von ihrer Kindheit erzählt: der Kienspan aus der Ritterzeit! Der Kienbergkopf (998 Meter) ist durch seine Sonnen-Exposition so trocken, dass Föhren – prächtige Exemplare! – hier beheimatet sind; daher wohl der Name.

Eine der stolzen, prachtvollen Föhren. Foto: Karl Plohovich
Eine der stolzen, prachtvollen Föhren. Foto: Karl Plohovich

Der Kienbergsteig ist ein Gebirgspfad, der vom Talboden der Berchtesgadener Ache zum Verbindungsweg Schellenbergsattel – Toni Lenz Hütte emporführt. Der Hinweis auf den tödlichen Absturz des Intendanten des Salzburger Winterfestes, Georg Daxner, am 11.10.2014, mag genügen, um zu illustrieren, um welche Art von Steig es sich handelt: Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind (wie übrigens auch für Doppler- und Reitsteig) die Voraussetzung, um die reichen Vorzüge dieses Weges in vollen Zügen genießen zu können: je nach Jahreszeit:

Mitte Jänner. Foto: Karl Plohovich
Mitte Jänner. Foto: Karl Plohovich

Schneerosen oder Maiglöckchen und Enzian; Gämsen;

„unser“ Reich… oder – ehrlicher - doch mehr das Deine. Foto: Karl Plohovich
„unser“ Reich… oder – ehrlicher – doch mehr das Deine. Foto: Karl Plohovich

besonders in den dunkelsten Zeiten des Jahres: Licht, Sonne…

Nikolaustag:  Dezember – Lichtspiele. Foto: Karl Plohovich
Nikolaustag:  Dezember – Lichtspiele. Foto: Karl Plohovich

Windwurf und Schneebruch haben dem Steig in den letzten Jahren arg zugesetzt. Nun (Stand 8/2025) ist er wieder – abgesehen vom einen oder anderen jahrhundertealten Buchenstamm, der quer über den Weg liegend „überklettert“ werden muss – gut zu finden und zu begehen.

Hier geht es drunter und drüber – aber: es geht!! Foto: Karl Plohovich
Hier geht es drunter und drüber – aber: es geht!! Foto: Karl Plohovich

Die Haltestelle von Bus 840, nicht einmal eine halbe Stunde vom Salzburger Hauptbahnhof entfernt, heißt „Hangenden Stein“. Nun geht es 300 Meter am Radstreifen entlang der Straße. Dies kann man sich verkürzen, wenn man ein wenig über die Geschichte dieser Taleinengung (Pass) bescheid weiß und das Relief in rotem Marmor aus dem Jahre 1517 und den „Hl. Leopold“ genau gegenüber beachtet (https://www.sn.at/wiki/Hangendenstein-Pass):

„Grenztafel“ in rotem Marmor – auf der anderen Straßenseite in Weiß der Hl. Leopold. Foto: Karl Plohovich
„Grenztafel“ in rotem Marmor – auf der anderen Straßenseite in Weiß der Hl. Leopold. Foto: Karl Plohovich

Der einengende Felssporn wurde mittlerweile abgetragen, die Grenze zwischen „Erzstift St. Peter und Probstei Berchtesgaden“ ist dank der EU 1995 verschwunden. Der Almkanal wird seit dem 13. Jahrhundert hier von der Berchtesgadener Ache (Königseeache) abgeleitet.

Blick hinunter zum Hangenden Stein und der Ableitung des Almkanals. Foto: Karl Plohovich
Blick hinunter zum Hangenden Stein und der Ableitung des Almkanals. Foto: Karl Plohovich

Kaum ist man diesen Gedanken nachgegangen (und hat die schöne Steintrog-Quelle auf der anderen Straßenseite bewundert oder genützt)

Zeugin längst vergangener Tage – mit frischem Nass für heute. Foto: Karl Plohovich
Zeugin längst vergangener Tage – mit frischem Nass für heute. Foto: Karl Plohovich

führt auch schon aus der Straßenerweiterung der ehemaligen Grenze eine Forststraße schräg rechts aufwärts. (Wenn man zu einer Zeit unterwegs ist, da das rasende Peitschen der Reifen auf den Asphalt selten zu hören ist, empfiehlt es sich, noch 300 Meter bis an den Weißbach vorzugehen und erst dort noch schöner in den Wald einzusteigen.) Man geht unter einer Stromleitung hindurch und nimmt gleich den links abzweigenden Forstweg, der sich zu einem Steig verjüngt und bald auf jenen von unten kommenden Forstweg stößt, der entlang des Weißbachs in Frage käme. Nun zweigt vom Forstweg nach links der Kienbergsteig ab. Er führt hoch über der Talsohle in den romantischen Weißbachgraben hinein. Treffende Beschreibungen, ja sogar ein Video, findet man im Netz (youtube.com; alpintouren.com)

Nach etwas mehr als einer Stunde, meist nach Zwiesprache mit der einen oder anderen Gämse, wird man den Kienbergkopf erreicht haben. 

Hirte (auf dem Weg zur Krippe?) als Gipfelzeichen am Kienbergkopf. Foto: Karl Plohovich
Hirte (auf dem Weg zur Krippe?) als Gipfelzeichen am Kienbergkopf. Foto: Karl Plohovich
Nicht nur ein Vorberg, sondern ein eigener Gipfel: Göll Panorama vom Kienbergkopf. Foto: Karl Plohovich
Nicht nur ein Vorberg, sondern ein eigener Gipfel: Göll Panorama vom Kienbergkopf. Foto: Karl Plohovich
Rückblick auf den Kienbergkopf – Aussicht bis zum Dachstein. Foto: Karl Plohovich
Rückblick auf den Kienbergkopf – Aussicht bis zum Dachstein. Foto: Karl Plohovich

Nun wenige Meter in den Sattel und dann – je nach Nervenstärke – weiter nach links auf dem Steig ausgesetzt empor bis zur Rechtsquerung oder, ebenso Steigspuren folgend, gerade empor.

Blick vom Kienbergkopf auf die „Rechtsquerung“. Foto: Karl Plohovich
Blick vom Kienbergkopf auf die „Rechtsquerung“. Foto: Karl Plohovich

Man erreicht die Rechtsquerung, die mit an Bohrhaken befestigten Bändern abgesichert ist.

Umarmung des Buchenstamms („drüberreiten“) beim Überklettern nötig. Foto: Karl Plohovich
Umarmung des Buchenstamms („drüberreiten“) beim Überklettern nötig. Foto: Karl Plohovich
Architektonisches Glanzlicht am Weg. Foto: Karl Plohovich
Architektonisches Glanzlicht am Weg. Foto: Karl Plohovich

Danach geht es weniger ausgesetzt durch Buchenwald, die oben erwähnten „Buchen-Überkletter-Stellen“ , Latschengassen und eine lange, flache Querung in einen von markanten Riesen-Felsbrocken gestalteten flachen Boden. Bis hierher eine weitere Stunde vom Kienbergkopf.

Hütte in Sicht. Foto: Karl Plohovich
Hütte in Sicht. Foto: Karl Plohovich

Die Toni Lenz Hütte grüßt bereits herunter/herüber. Der Anschluss an das markierte Wegenetz ist erreicht, das Menü ist angerichtet. Je nach Jahreszeit/Wetterlage/Kondition (Schellenbergsattel und Dopplersteig: im Winter abmontierte Seile; Frühjahr und Frühwinter: Revisionszeiten der Seilbahn):

  • Für den kleinen Hunger:
    zur Toni Lenz Hütte und Abstieg zu Bus 840 Marktschellenberg Aufstieg Eishöhle (siehe dieser GPX-Track: ½ Stunde zur Toni Lenz Hütte; ab der, mich zu einer Zwischenrast einladenden „Mitterkaser Diensthütte“ ist es noch eine gute Stunde bis zur Bushaltestelle);
    oder: Schellenbergsattel – Obere Rositten – Bus 21 Glanegg Ortsmitte
  • Für den größeren Hunger können die Touren beliebig ausgeweitet und mit Gipfeln angereichert werden, z.B.: Toni Lenz Hütte – Mittagsscharte – Salzburger Hochthron – Seilbahn – Bus 5 oder 25 Untersbergbahn Talstation; oder Salzburger Hochthron – Doppler- oder Reitsteig (mit Zeppezauerhaus) zu Bus 21 Glanegg Ortsmitte; etc.

Der Kienbergsteig, den ich vor allem für den Aufstieg empfehle, stellt für den trittsicheren, schwindelfreien Bergwandernden eine willkommene Bereicherung dar.

Blickfang zur Auswahl: Föhre oder Watzmann. Foto: Karl Plohovich
Blickfang zur Auswahl: Föhre oder Watzmann. Foto: Karl Plohovich

Er möge vor weiteren Verwüstungen durch Sturm oder Muren verschont bleiben. Alle relevanten Ausgangs- bzw. Endpunkte in seinem Einzugsgebiet (Bus 840 Hangenden Stein bzw. Aufstieg Eishöhle; Bus 5 und 25 Untersbergbahn Talstation; Bus 21 und 35 Buskehre Glanegg bzw. Glanegg Ortsmitte) sind ganzjährig öffentlich sehr gut und z.T. in dichtem Tackt erreichbar.

Jännersonne – da wandern manche hier schon in kurzer Hose… Foto: Karl Plohovich
Jännersonne – da wandern manche hier schon in kurzer Hose… Foto: Karl Plohovich

Wenn die Schatten lang sind, in schneearmen/schneelosen Wintermonaten, sind sonnige Kienbergstunden (oft gebietet der Hangende Stein Pass dem Salzburger Nebel Einhalt) ein Labsal! Sommerliche Mittagsstunden werden hier allerdings äußerst schweißtreibend sein.

Tourdaten

Die Route in Zahlen:   6:00 Std Wandern   1.000 HM   1.000 HM   11 km   GPX Track

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