Da der Winter mitunter in Episoden zerfällt stellt sich die Frage, welche alpinen Möglichkeiten es abseits von Skitouren gibt. Dies zu erforschen, landete ich mit Hilfe von E-Bike und Schneeschuhen über sonnige Almen am Schuhflicker. Ziel meiner Reportage ist es u.a., die Verhältnisse, die sich uns ja immer wieder bieten können, anschaulich zu machen.
Die Fahrt war diesmal besonders kurzweilig: Am Weg zur Toilette, der mich durch den ganzen Zug führte, traf ich einen lieben Bekannten mit seiner Frau, die ebenfalls zu einer Wanderung, auf der Sonnseite (St. Veit), unterwegs waren. –
Bei mir ging es die schon gewohnte Strecke aus dem St. Johanner Nebel ins Großarltal …

… und dann, mit etwas Aufmerksamkeit ist die Abzweigung leicht gefunden, auf Asphalt zu den letzten Höfen empor. Im Schatten – Achtung! – Eisreste. Dann führt die Straße in den Wald und bald bieten Fahrrillen im Schnee eine Herausforderung, der sich mein Bike und ich widmen müssen/wollen.

Ganz ohne Absteigen geht es nicht, doch schließlich ist der Parkplatz vor der (Sommer)Mautstelle erreicht und ich lege die Schneeschuhe an.

Flott geht es die eine oder andere Kehre hinan. Bei der Aubach-Heimalm

nehme ich den schönen Almsteig durch alte Lärchenbestände …

… und über verschneite Wiesen und den Fahrweg erreiche ich in etwa einer Stunde die Aualm (hier enden die Fahrspuren).

Eine herrliche Mittagsstunde ist mir geschenkt, die ich – da die Sonne gegen 13:30 Uhr hier schon verschwinden wird – auskoste.

Was lässt sich in der verbleibenden Zeit – um 15:55 Uhr möchte ich wieder im Zug sein – noch unternehmen? Ich wähle als Anhalts“punkt“ die Ski-Aufstiegsspur: darin geht es sich bequemer. So erreiche ich die Höhe des Lichtensteinkopfes und am Rücken geht es weiter zu einem Kreuz am Grat.

Ah, die Skitouristen sind dann im Kar abgefahren; waren noch bessere Bedingungen; heute nur mehr Bruchharsch und „Feindkontakte“ unvermeidlich…
Geht sich wirklich noch der Schuhflicker aus?

Hier auf der Sonnseite ist die gesamte Schneedeckt durchfeuchtet, stapfen ist angesagt. In der Scharte lass ich den Rucksack zurück …

… und wenig später bin ich der Mittelpunkt in einem überwältigenden Panorama, vom Gesäuse bis zum Glockner und dem Oberpinzgau bis Krimml hin (Titelfoto).
Natürlich soll es eine Runde werden. Die harten Nordflanken erfordern sauberes steigen.

Doch über die Almwiesen geht es flott hinunter …

… und von der Aualm bis zum Rad-Parkplatz kenn ich ja den Weg.

Die Schneeschuhe bleiben an den Füßen, während die Hände das Rad in Zaum halten, bis zum Ende der „Rodelbahn“. Und dann lass ich es sausen, mit möglichst gefühlvollen Bremsmanövern vor, von weitem erspähten, eisigen Stellen.
Die Kälte da unten hab ich allerdings völlig unterschätzt: ich hätte mir gleich die Überhose und die Daunenjacke anziehen sollen, dann wäre mir das Schnappern am nebeligen Bahnhof in St. Johann erspart geblieben, wo dem Heißluft-Handtrockner am WC die Aufgabe zufiel, meine Hände aufzutauen.

Mit Hilfe von Web-Cams und mit etwas Erfahrung gelingt es, die Verhältnisse auf den Zufahrtswegen und dann im Gelände halbwegs richtig einzuschätzen: Bike & Snowshoeing (es erfordert einiges an Übung) kann in schneearmen Wochen ohne Abstriche die ersehnten Bergerlebnisse schenken.
