Überschreitung Hochgrat mit Übernachtung Staufner Haus im Winter

Blick von oben auf das Staufner Haus; hinten ist der Bodensee unter Hochnebel. Foto: Bernhard Walle

Ich bin diese Wanderung, wie auf den Bildern erkennbar, im Winter gegangen. Dafür würde ich sie auch empfehlen, für den Sommer ist der beschriebene Aufstieg zu langweilig, da man größtenteils auf Straßen oder Forstwegen geht.

Im Winter hängt es natürlich von den konkreten Schneebedingungen ab, ob die Tour geht und welche Ausrüstung man benötigt. Ende 2025 lag sehr wenig Schnee, die Südhänge waren sogar schneefrei und die Rodelbahn (bis auf ganz oben) am Nordhang gesperrt. Man sollte sich insofern bei der Hütte oder bei der Seilbahn nach den aktuellen Bedingungen erkundigen. Leider gibt es auf der Südseite keine passende Webcam.

Das klingt jetzt alles recht negativ, aber es soll mehr als Warnung dienen, dass man nicht blind losgeht, im Endeffekt war es für die besagte Wetter- und Schneelage genau das richtige und eine geniale Tour. Während die anderen Leute auf der Hütte alle von der Nordseite im Schatten hoch sind war ich der einzige, der auf der sonnigen Südseite mehr oder weniger alleine ohne großen Andrang da aufgestiegen ist. Besser kann man es eigentlich gar nicht machen!

Das Staufner Haus ist jedenfalls eine der wenigen Hütten in den Bayerischen Alpen, die fast das ganze Jahr geöffnet sind. Daher bietet sich die Tour eben gerade im Winter an.

Schwierigkeit: einfach, SAC T2, viel T1 und kurz T3 (am Grat, optional)

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Aufstieg zum Staufner Haus

Bevor es überhaupt losging wäre es fast gescheitert. Nämlich am Anrufsammeltaxi. Während ich mich am Vortag noch telefonisch erkundigt hatte, hieß es, ich solle dann am nächsten Tag in der Früh wieder anrufen. Kann ich sogar verstehen, offenbar wollen sie halt vermeiden, dass die Leute Fahrten reservieren und nicht kommen.

Dann am nächsten Morgen angerufen, teilte man mir mit, es ginge nicht. Es stünden nicht genügend Taxis zur Verfügung. Es gäbe auch keinen anderen Taxiunternehmer hier, es würde auch nichts ändern, wenn ich die Fahrt bezahlen würde. Mit etwas Überredungskünsten ging es halt glücklicherweise doch, dann wiederum war der Anschluss wegen einer Zugverspätung in Gefahr. Ich bin vom Hotel in Kempten gestartet. Im Zug nochmal angerufen, ja, er wartet wenn es nur 5 Minuten sind. Aber nicht länger. Der Bus würde ja keine Minute warten (was zwar stimmt aber Teil des Problems ist). Im Endeffekt war er dann sogar vor dem eigentlichen Fahrplan am Ziel. Die Fahrpläne sind halt doch für Kleinbusse mit mehreren Zwischenhalten und nicht für Taxis, die den ganzen Weg durchfahren, gemacht.

Es kann sein, dass ich einfach Pech hatte. Allerdings ist es schon eine arg negative Erfahrung für Anruftaxis, wenn man halt drauf angewiesen ist und seine Tourenplanung danach ausrichtet. Gekostet hat das Ganze übrigens gar nichts, im Deutschlandticket ohne Aufpreis inklusive.

Im Endeffekt hatte ich mich geärgert, dass ich nicht wenigstens probiert habe, direkt in Gunzesried statt in Kempten zu übernachten, vielleicht wäre ja tatsächlich spontan noch was frei gewesen. Es gibt in dem Tal relativ viele Gasthäuser. Wenn man entsprechend dann direkt von dort startet und mehr Zeit hat, kann man auch noch ein paar Kilometer mehr gehen. Direkt vom Bahnhof Blaichach ist aber happig, dann wird die Tour über 20 Kilometer lang.

Aber ich bin ja angekommen. Erstmal Stöcke ausgepackt, Kleidung etwas angepasst, tief durchgeatmet. Der erste Abschnitt an der Straße im Aubachtal liegt im Schatten und zieht sich etwas. Verkehr ist allerdings keiner, im Winter ist die Straße gesperrt. Während der ganzen Wanderung hab ich zwei Mountainbiker und eine Familie mit Hund gesehen.

Autalweg im Winter. Foto: Bernhard Walle
Autalweg im Winter. Foto: Bernhard Walle

Nach 7 Kilometern ist man dann am Ende dieser Straße angelangt. Ab und zu gab es sonnige Abschnitte, das meiste aber lag im Schatten. Teilweise lag gar kein Schnee mehr auf der Straße und manche Wiesen waren auch grün. Der Weg ging nur leicht aufwärts. Ab jetzt beginnt dann der eigentliche Aufstieg.

Alpe Scheidwang. Foto: Bernhard Walle
Alpe Scheidwang. Foto: Bernhard Walle

Die Schneeverhältnisse sind stark unterschiedlich. Teilweise gar kein Schnee, teilweise ist die Oberfläche wieder gefroren und daher glatt, da machen Grödel dann Sinn. Aber: in der Sonne macht’s richtig Spaß, es geht nach oben und man hat teilweise auch einen schönen Blick auf die umliegenden Berge.

Foto: Bernhard Walle
Foto: Bernhard Walle

Dem Weg zu folgen ist nicht besonders schwer: der Hochgrat bzw. das Staufner Haus sind schon beschildert. Nach einer „Kurve“ kommt man vorbei an der Oberen Gelchenwang-Alpe. Während am schattigen Weg relativ tiefer Schnee liegt, ist der Südhang praktisch grün. Der Kontrast gefällt mir.

Obere Gelchenwang-Alpe. Foto: Bernhard Walle
Obere Gelchenwang-Alpe. Foto: Bernhard Walle

Hier hat man dann auch schöne Ausblicke.

Blick nach Westen. Foto: Bernhard Walle
Blick nach Westen. Foto: Bernhard Walle
Blick nach Süden (von weiter oben). Foto: Bernhard Walle
Blick nach Süden (von weiter oben). Foto: Bernhard Walle

Weit ist es nicht mehr zur Bergstation, von wo aus die Hütte dann in Sichtweite liegt. Man kann hier problemlos noch den Hochgrat mitnehmen, ich wollte aber erst in die Hütte und hatte das dann auf den nächsten Tag geschoben. Im Winter ist halt alles doch anstrengender als im Sommer.

Talstation der Hochgratbahn. Foto: Bernhard Walle
Talstation der Hochgratbahn. Foto: Bernhard Walle

Die Hochgratbahn fährt bis 16 Uhr im Winter. Ich hätte es also grad noch geschafft runterzufahren. Wenn man nicht auf der Hütte übernachten möchte, wäre das eine schöne Alternative.

Blick von oben auf das Staufner Haus; hinten ist der Bodensee unter Hochnebel. Foto: Bernhard Walle
Blick von oben auf das Staufner Haus; hinten ist der Bodensee unter Hochnebel. Foto: Bernhard Walle

Ende Dezember geht die Sonne bekanntermaßen früh unter. Nach dem Checkin war gerade noch Zeit, die Sachen zu verstauen, die Kleidung zu wechseln und dann den Sonnenuntergang zu fotografieren.

Sonnenuntergang. Foto: Bernhard Walle
Sonnenuntergang. Foto: Bernhard Walle

Das Abendessen war lecker. Man hat sich hier auf vegetarische Küche spezialisiert. Außerdem habe ich am Tisch nette Leute kennengelernt. Das Staufner Haus wurde 1908 eröffnet. Es gehört der Sektion Oberstaufen-Lindenberg des Deutschen Alpenvereins. Aktuell hat man 17 Betten und 52 Lager.

Hochgrat, Hochgratbahn und Talwanderung

Der Nachteil, dass die Sonne so früh untergeht ist gleichzeitig der Vorteil: man muss für den Sonnenaufgang nicht früh aufstehen. Das Wetter war wieder perfekt und die Farben sind einfach mega. Wie man auf dem Bild aber auch sieht: es liegt kaum Schnee unten.

Morgendämmerung am Staufner Haus. Foto: Bernhard Walle
Morgendämmerung am Staufner Haus. Foto: Bernhard Walle

Der heutige Tag war dann etwas anders als geplant. Erst ging es auf den Hochgrat. Dann hatte ich aber ehrlich gesagt keine Lust auf diesen schattigen Forstweg nach unten, der zudem naturgemäß dann auch etwas überlaufen war. Bin den eh schonmal im Sommer gegangen und es ist eigentlich nichts besonderes. Stattdessen bin ich mit der Seilbahn gefahren.

Da ich allerdings dann auch nicht um 11 Uhr schon in den Bus nach Hause wollte, habe ich mir noch eine kleine Wanderung unten im Tal ausgesucht. Der GPS-Track beinhaltet den kompletten Weg mit Abstieg und Talwanderung. Was man dann letztendlich geht bleibt dem Leser überlassen.

Zum Hochgrat gibt es zwei Wege: direkt der Farngrat, der zwar als SAC T3 klassifiziert aber gut gesichert ist, und selbst für mich mit Höhenangst gut machbar war, und weiter unten der Panoramaweg. Ich bin den Farngrat hoch und am Panoramaweg wieder runter.

Aufstieg zum Hochgrat. Foto: Bernhard Walle
Aufstieg zum Hochgrat. Foto: Bernhard Walle

Das Gipfelkreuz ist etwas anders als gewohnt, mir gefällt es. Man hat von hier einen wunderbaren Ausblick über die Allgäuer Alpen, bis zum Bodensee und Säntis rüber in den Westen. Vom vorgelagerten Allgäu sah man wegen des Hochnebels wenig. Man sieht aber beispielsweise auch rüber zum Immenstädter Horn (die Tour bin ich paar Monate davor gegangen).

Hochgrat mit Gipfelkreuz. Foto: Bernhard Walle
Hochgrat mit Gipfelkreuz. Foto: Bernhard Walle
Panorama vom Hochgrat. Foto: Bernhard Walle
Panorama vom Hochgrat. Foto: Bernhard Walle

Nachdem ich über den Panoramaweg wieder zurück bin, gab es erstmal einen zweiten Kaffee an der Bergstation der Hochgratbahn. Wie schon geschrieben, bin ich dann mit der Seilbahn runter. Man verpasst wenig und die Wanderung unten im „Tal“ war definitiv schöner als diesen Forstweg runterzulaufen.

Die Hochgratbahn (Wikipedia) wurde 1971–1972 gebaut, hat 65 Gondeln und befördert maximal 260 Personen pro Stunde. Das Ticket gibt es oben nur am Automaten gegen Kartenzahlung und leider bekommt man auch kein richtiges Ticket sondern nur so einen Kassenzettel. Ich hebe solche Bahntickets gerne als Souvenir auf, auf der Rückseite ist oft ein schönes Bild (bspw. Zugspitzbahn) und mich stört, wenn man da aus vorgeschobenen Nachhaltigkeitsgründen und evtl. tatsächlichen Kostengründen einen Cent spart. Ein Onlinekauf am Smartphone ist viel mehr Gefummel und außerdem sehe ich nicht ein, wieso ich überall meine Adresse hinterlassen soll und ggf. noch die Kreditkartendaten, solange es noch anders möglich ist.

Die alten Gondeln sind herrlich.

Hochgratbahn. Foto: Bernhard Walle
Hochgratbahn. Foto: Bernhard Walle

Die Talstation liegt komplett im Schatten der Berge. Entsprechend kalt ist es. Von oben konnte ich mir aber grob einen Weg ausdenken, der zumindest teilweise in der Sonne verlief.

An der Talstation gibt es eine Kasse, wo neben der Bahntickets jede Menge Souvenirs und auch Getränke verkauft werden. Außerdem gibt es Toiletten und einen Wartebereich. Ich wäre froh, jeder „normale“ Bahnhof wäre so komfortabel.

Talstation der Hochgratbahn. Foto: Bernhard Walle
Talstation der Hochgratbahn. Foto: Bernhard Walle

Ich muss zum Glück nicht auf den Bus warten (verkehrt stündlich, Fahrplan hängt auch an der Bergstation) sondern überquere hinterm Gebäude die Weißach. Dort geht es dann durch den Wald, teilweise mit Schnee, teilweise – wo die Sonne hinkam, es hatte ja vier Wochen nicht geschneit – schneefrei.

Eiszapfen. Foto: Bernhard Walle
Eiszapfen. Foto: Bernhard Walle
Vereister Wegweiser. Foto: Bernhard Walle
Vereister Wegweiser. Foto: Bernhard Walle

Wir überqueren die Brücke über die Weißach und folgen grob der Beschilderung nach Stuiben.

Brücke über die Weißach. Foto: Bernhard Walle
Brücke über die Weißach. Foto: Bernhard Walle

Es folgt ein sonniger Abschnitt, kein Schnee weit und breit mehr zu sehen. Vorbei durch eine kleine Siedlung geht es jetzt auf der Straße weiter. Es ist aber kaum Verkehr und an der Hauptstraße gibt es an der linken Seite dann auch einen Fußweg.

Der letzte Abschnitt geht dann durch einen kleinen Park und Golfplatz.

Golfplatz und Park. Foto: Bernhard Walle
Golfplatz und Park. Foto: Bernhard Walle

Jetzt guckt man am besten auf den Fahrplan. Wenn noch mehr Zeit ist, kann man noch nach Steibis reinlaufen, wenn es eher knapp ist und man dann auch einen Zug in Oberstaufen erwischen möchte, kann man auch hier oder an der Talstation der Imbergbahn schon zusteigen.

Fazit

War eine richtig schöne Wintertour. Der einzige Wermutstropfen war dieses Anrufsammeltaxi, es hat zwar geklappt, aber ein blödes Gefühl bleibt. Es war bisher mein erstes Anruftaxi im Alpenraum.

Tourdaten

Die Route in Zahlen:   2 Tage Wandern   1.200 HM   1.200 HM   24 km   GPX Track

Ein Kommentar

  1. Lieber Bernhard,
    schöner Beitrag, tolle Fotos.
    Eine kleine Frage: Sollte unter dem einen Foto statt „Talstation der Hochgratbahn“ nicht „Bergstation“ stehen?
    LG!
    Karl

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